Hafenfinanzierung: PloĂ erwartet Einigung noch 2026
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBund und LÀnder vor Hafenkompromiss
- Christoph Ploà will noch 2026 eine gemeinsame Lösung zur Hafenfinanzierung erreichen.
- Die Bundesregierung zahlt seit 2005 jĂ€hrlich 38,3 Millionen Euro fĂŒr alle deutschen SeehĂ€fen.
- ZDS und KĂŒstenlĂ€nder verlangen mindestens 500 Millionen Euro jĂ€hrlich vom Bund.
Bund und LĂ€nder suchen Lösung fĂŒr Hafenfinanzierung
Der maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph PloĂ, erwartet eine schnelle Einigung zwischen Bund und LĂ€ndern ĂŒber die Finanzierung der deutschen SeehĂ€fen. Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete sagte der Deutschen Presse-Agentur, er wolle noch in diesem Jahr eine gemeinsame Lösung erreichen.
Ploà fordert BeitrÀge von beiden Seiten
Der Bund mĂŒsse sich stĂ€rker an der Finanzierung beteiligen, zugleich mĂŒssten auch die LĂ€nder einen zusĂ€tzlichen Beitrag leisten, sagte PloĂ. Gegenseitige Schuldzuweisungen brĂ€chten niemanden weiter.
Die SeehĂ€fen und WasserstraĂen seien zentral fĂŒr die Exportwirtschaft, die Energieversorgung und die VerteidigungsfĂ€higkeit. Deshalb seien deutlich höhere Investitionen nötig, um die HĂ€fen zukunftsfĂ€hig zu machen.
Digitalisierung soll stÀrker gefördert werden
PloĂ hob innovative Hafentechnologien hervor, mit denen AblĂ€ufe digitalisiert werden sollen. DafĂŒr wolle er sich ebenso wie fĂŒr eine verlĂ€ssliche Finanzierung einsetzen, damit die deutschen HĂ€fen im internationalen Wettbewerb mithalten könnten.
LĂ€nder verlangen faire Finanzierung
Die MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten forderten den Bund am Donnerstag in einem Beschluss auf, mit den LĂ€ndern endlich eine bessere und faire Finanzierung der deutschen HĂ€fen zu vereinbaren. Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher verwies auf die Bedeutung der HĂ€fen fĂŒr die Versorgung der Bevölkerung und die Anbindung Deutschlands an die internationalen MĂ€rkte.
Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe begrĂŒĂte den Beschluss. ZDS-Chef Florian Keisinger sagte, Hafenpolitik sei nationale Politik und eine gesamtstaatliche Bedeutung mĂŒsse finanzielle Konsequenzen haben.
Hafenwirtschaft nennt Milliardenbedarf
Der Bund investiert seit 2005 jĂ€hrlich insgesamt 38,3 Millionen Euro als Hafenlastenausgleich fĂŒr alle deutschen HĂ€fen. Der ZDS und die KĂŒstenlĂ€nder fordern seit langem eine Anhebung auf mindestens 500 Millionen Euro.
Den kurzfristigen Investitionsbedarf innerhalb der laufenden Legislaturperiode beziffert der Verband auf 5,5 Milliarden Euro. Strukturell liege der Finanzierungsbedarf fĂŒr die Seehafeninfrastruktur bei etwa 15 Milliarden Euro.
Schwarz-rote Zusammenarbeit laut PloĂ konstruktiv
PloĂ lobte die Zusammenarbeit von Union und SPD in der Hafenpolitik. Er sei zuversichtlich, dass die schwarz-rote Koalition weitere Verbesserungen fĂŒr die norddeutschen SeehĂ€fen erreichen könne.
Die Finanzierung der deutschen SeehĂ€fen berĂŒhrt nicht nur die Haushalte der KĂŒstenlĂ€nder. Die Anlagen sind zentrale UmschlagplĂ€tze fĂŒr Waren, Energie und industrielle Vorprodukte und verbinden den deutschen AuĂenhandel mit internationalen Lieferketten. Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Rostock und LĂŒbeck erfĂŒllen dabei unterschiedliche Funktionen, stehen aber gemeinsam vor hohen Kosten fĂŒr Ersatz, Ausbau und technische Modernisierung.
Der Streit folgt einem strukturellen Interessenkonflikt: Der Bund profitiert von der gesamtwirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bedeutung der HĂ€fen, wĂ€hrend die LĂ€nder wesentliche Investitions- und Unterhaltslasten tragen. Mit dem seit 2005 unverĂ€nderten Hafenlastenausgleich von 38,3 Millionen Euro steht eine Bundesbeteiligung im Raum, die deutlich unter der von der Hafenwirtschaft geforderten GröĂenordnung liegt. Der Verband beziffert den kurzfristigen Bedarf auf 5,5 Milliarden Euro und den strukturellen Bedarf auf rund 15 Milliarden Euro.
Entscheidend ist die Aufteilung
Eine Einigung wĂŒrde festlegen mĂŒssen, wie Bund und LĂ€nder die Finanzierung dauerhaft verteilen und welche Projekte Vorrang erhalten. Neben klassischen Bauvorhaben gewinnen Digitalisierung, automatisierte AblĂ€ufe und energiebezogene Infrastruktur an Gewicht. FĂŒr die deutsche Wirtschaft geht es damit um leistungsfĂ€hige Handelswege und verlĂ€ssliche Versorgung; fĂŒr die öffentlichen Haushalte um langfristige Verpflichtungen in erheblicher Höhe.
Der VorstoĂ von Christoph PloĂ erhöht den politischen Zeitdruck, ersetzt aber noch keine konkrete Vereinbarung. Ob noch 2026 ein tragfĂ€higer Kompromiss gelingt, hĂ€ngt vor allem davon ab, ob Bund und LĂ€nder die gewĂŒnschte stĂ€rkere Bundesbeteiligung mit zusĂ€tzlichen BeitrĂ€gen der LĂ€nder und verbindlichen Investitionszielen verbinden.
