Handwerk-Boom, Ausbildungsverträge

Handwerk-Boom: 67.800 neue Ausbildungsverträge im ersten Halbjahr

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Industriemeister-Lehrgänge in Halle gestartet, während Autobauer Milliarden in Weiterbildung pumpen und das Handwerk steigende Azubi-Zahlen verzeichnet.

IHK Halle startet Meisterkurse: Handwerk und Industrie investieren massiv in Qualifizierung
Mechatroniker arbeitet an einer hochmodernen Industrieanlage in einer Fabrikhalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am 3. August starten in Halle neue Meisterkurse für Mechatronik und Wasserwirtschaft. Währenddessen pumpen Autokonzerne Milliarden in die Weiterbildung – und junge Leute entdecken das Handwerk für sich.

Neuer Schwung für den Industriemeister

Das IHK Bildungszentrum Halle-Dessau hat seine neue Vollzeit-Weiterbildung zum Geprüften Industriemeister Mechatronik gestartet. Rund 990 Unterrichtsstunden stehen bis zum 30. April 2027 auf dem Programm – inklusive Führungs-Know-how für die Industrie von morgen.

11.990 Euro kostet der Lehrgang, Literatur und Prüfungsgebühren kommen obendrauf. Eine Förderung über das Aufstiegs-BAföG ist möglich. Wer später komplexe Anlagen steuern will, ist hier richtig.

Parallel läuft an den Standorten Halle, Dessau und Weißenfels die Basisqualifikation für angehende Wasser- und Abwassermeister. Der Kurs ist kompakter: 400 Stunden, Ende Oktober ist Schluss. Beide Angebote zeigen: Der Bedarf an Spezialisten, die Technik nicht nur bedienen, sondern auch reparieren können, wächst.

Milliarden für die Weiterbildung

Die Zahlen des World Economic Forum untermauern den Trend: Bis 2030 müssen rund 59 von 100 Beschäftigten weltweit nachqualifiziert werden. Fast 40 Prozent der Kernkompetenzen werden sich in den kommenden Jahren verändern.

Die Industrie hat das erkannt. Mercedes-Benz investiert von 2022 bis 2030 über zwei Milliarden Euro in die Weiterbildung – 1,3 Milliarden davon fließen an deutsche Standorte. Programme wie „Turn2Learn“ bereiten die Belegschaft auf neue Aufgaben vor. BMW gab 2025 rund 377 Millionen Euro für Aus- und Weiterbildung aus. In München betreibt der Konzern einen Talent Campus für bis zu 40.000 Beschäftigte.

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Handwerk als Karriere-Turbo

Während die Industrie auf große Strukturen setzt, erlebt das Handwerk einen echten Zulauf. 67.800 neue Ausbildungsverträge gab es im ersten Halbjahr 2026 – ein Plus von 4,9 Prozent. Vor allem die Angst vor den Folgen künstlicher Intelligenz treibt junge Leute in praktische Berufe wie Elektro- oder SHK-Handwerk.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks nennt das einen Lichtblick in schwierigen Zeiten. Doch die Lage bleibt angespannt: Bis September waren noch über 20.000 Lehrstellen unbesetzt.

Mechatroniker und Industriemechaniker gehören zu den meistgesuchten Fachkräften überhaupt. Personaldienstleister zahlen in Regionen wie Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein Stundenlöhne zwischen 18 und 23 Euro. Gefragt sind Wartung komplexer Anlagen, Fehlerdiagnose und der Umgang mit speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS).

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Absolventen mit Spitzenwerte

Dass die Ausbildung in Metall- und Elektroberufen sich lohnt, zeigen die jüngsten Zeugnisübergaben der IHK Siegen. 235 junge Facharbeiter erhielten ihre Prüfungszeugnisse – Mechatroniker und Industriemechaniker erreichten Spitzenwerte von bis zu 97 Punkten.

Die Betriebe planen längst über den Tellerrand hinaus. Während die EHL AG im Südharz noch für dieses Jahr Auszubildende sucht, startet Airbus Aerostructures in Augsburg bereits Bewerbungsverfahren für Ausbildungsplätze zum Mechatroniker ab September 2027. Klar ist: Wer früh plant, sichert sich die besten Köpfe.

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