Handwerk-Krise: ZDH fordert Senkung der Lohnnebenkosten
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer sich eintrübenden wirtschaftlichen Lage im deutschen Handwerk hat Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), am 28. August 2026 eine gezielte Entlastung der Betriebe gefordert.
Im Zentrum seiner Forderungen an die Bundesregierung steht eine signifikante Senkung der Lohnnebenkosten. Dittrich, der am 25. und 26. August 2026 als Gast bei der Regierungsklausur in Neuhardenberg anwesend war, warnte vor einer zunehmenden finanziellen Überlastung sowohl der Unternehmen als auch der Kunden.
Dramatischer Rückgang des Geschäftsklimas im Handwerk
Die konjunkturelle Situation im Handwerk hat sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich verschlechtert. Wie der ZDH auf Basis einer Umfrage unter 6.000 Betrieben mitteilte, fiel der Geschäftsklimaindex Handwerk im zweiten Quartal 2026 um 13 Zähler auf nunmehr 102 Punkte. Dies stellt den stärksten Rückgang in einem zweiten Quartal seit dem von der Pandemie geprägten Jahr 2020 dar.
Die wirtschaftliche Verunsicherung spiegelt sich auch im Investitionsverhalten der Unternehmen wider. Lediglich 16 Prozent der befragten Betriebe gaben an, ihre Investitionen erhöht zu haben. Demgegenüber meldete ein Drittel der Betriebe einen Rückgang der Investitionstätigkeit. Dittrich bezeichnete die aktuelle Lage der Branche, die insgesamt 1 Million Betriebe mit rund 6 Millionen Beschäftigten vertritt, als besorgniserregend.
Strukturprobleme und hohe Belastung durch Lohnzusatzkosten
Ein wesentliches Hindernis für die Wettbewerbsfähigkeit ist nach Einschätzung des ZDH die Höhe der Lohnnebenkosten. Im Handwerk liegt der Lohnanteil im Durchschnitt bei 60 Prozent, was die Branche besonders anfällig für Steigerungen bei den Sozialbeiträgen macht. Aktuell liegen die Lohnnebenkosten mit 3 Prozentpunkten über der politisch angestrebten 40-Prozent-Marke.
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Die finanziellen Dimensionen dieser Belastung sind erheblich: Laut Verbandsangaben entspricht jeder Prozentpunkt bei den Sozialbeiträgen einem Betrag von 20 Mrd. Euro. An anderer Stelle wird das Volumen eines Prozentpunktes bei den Lohnzusatzkosten auf 10 Mrd. Euro beziffert.
Dittrich betonte, dass eine Senkung dieser Kosten zwingend erforderlich sei, um die Handwerksleistungen für Verbraucher bezahlbar zu halten. Er äußerte die Befürchtung, dass sich Kunden den Handwerker andernfalls bald nicht mehr leisten könnten.
Kritik an steuerpolitischen Maßnahmen und bürokratischen Hürden
Der ZDH-Präsident kritisierte zudem, dass bisherige steuerpolitische Ansätze der Bundesregierung oft am Handwerk vorbeigehen. So helfe eine Senkung der Körperschaftsteuer drei von vier Handwerksbetrieben nicht, da diese aufgrund ihrer Rechtsform nicht von dieser Steuerart profitieren.
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Neben der Kostenentlastung mahnte der Verband weitere strukturelle Reformen an. Dazu zählen insbesondere ein umfassender Bürokratieabbau sowie eine bessere Unterstützung der dualen Ausbildung. Als konkrete Beispiele für belastende Regulierungen nannte der ZDH die Verpackungsverordnung, das Sonntagsbackverbot sowie die Bonpflicht.
Dass der Handlungsdruck wächst, verdeutlichen auch die Zahlen zu den Betriebsaufgaben: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 180.000 Betriebe abgemeldet. Bemerkenswert dabei ist, dass lediglich 13 Prozent dieser Abmeldungen auf Insolvenzen zurückzuführen waren, was auf eine hohe Zahl freiwilliger Geschäftsaufgaben hindeutet.
