Handwerk, Erfolg

Handwerk meldet Erfolg: 67.800 neue Ausbildungsverträge in H1 2026

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zahl der Ungelernten steigt auf 4,57 Millionen. Jährlich fehlen 30.000 Qualifizierungsplätze, was die Wirtschaft Milliarden kostet.

Bertelsmann-Studie: Immer mehr Beschäftigte ohne Berufsabschluss
Eine Gruppe von Arbeitern in einer Fabrikhalle, einige tragen Arbeitskleidung, andere wirken nachdenklich und blicken in die Ferne. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 100.000 Ungelernte kommen jährlich neu auf den Arbeitsmarkt. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Montag. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird immer größer.

Immer mehr Beschäftigte ohne Ausbildung

Der Trend ist eindeutig: Waren 2017 noch 3,76 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss beschäftigt, stieg die Zahl bis 2025 auf 4,57 Millionen. Das entspricht knapp 14 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Besonders prekär ist die Lage für Ungelernte bei Arbeitslosigkeit. Ihre Quote lag 2025 bei über 20 Prozent. Bei Fachkräften mit abgeschlossener Ausbildung waren es nur 3,5 Prozent. Die Schere klafft weit auseinander.

Das Problem: Die Weiterbildungsbemühungen kommen nicht hinterher. Während jährlich 100.000 Menschen ohne Abschluss auf den Markt drängen, beginnen nur rund 70.000 eine Qualifizierung.

Milliardenverlust durch fehlende Fachkräfte

Der Mangel an qualifiziertem Personal kostet die deutsche Wirtschaft Milliarden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezifferte den produktionsbedingten Ausfall für 2024 auf rund 49 Milliarden Euro – etwa 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Bertelsmann-Studie zeigt aber auch Chancen auf. In vier Bereichen haben Ungelernte gute Möglichkeiten zur Nachqualifizierung: Büro, Verkauf, Lagerlogistik und Gartenbau. Gezielte Weiterbildungen könnten hier den Fachkräftebedarf teilweise decken.

Handwerk meldet positive Signale

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Während der allgemeine Trend bei Ungelernten besorgniserregend ist, gibt es auch Lichtblicke. Das Handwerk verzeichnet wachsende Erfolge bei der Nachwuchsgewinnung.

Handwerkspräsident Dittrich teilte gestern mit: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg von Januar bis Juni 2026 auf knapp 67.800. Das sind 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – der vierte Anstieg in Folge. Zudem ist es der höchste Juni-Wert seit 2018.

Was steckt dahinter? Eine verstärkte Imagekampagne, bessere Verdienstmöglichkeiten und wachsende Skepsis gegenüber Jobs in der Industrie und KI-dominierten Bereichen. Dennoch bleiben über 20.460 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt. Dittrich fordert daher die gesetzliche Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung sowie Investitionen in Bildungszentren.

Minijobs und Einwanderung: Zwei Baustellen

Parallel zur Qualifizierungsdebatte stehen regulatorische Fragen im Raum. Die Alterssicherungskommission empfahl am Samstag eine Reform der Minijobs. Demnach sollen geringfügige Beschäftigungen künftig grundsätzlich rentenversicherungspflichtig werden – ohne Befreiungsmöglichkeit.

Die Zahlen zeigen die Dringlichkeit: Im ersten Quartal 2026 gab es rund 6,8 Millionen Minijobber. Nur 20,9 Prozent von ihnen zahlten bisher Rentenbeiträge. Während Befürworter eine bessere soziale Absicherung erwarten, lehnen Arbeitgeberverbände und der DEHOGA den Vorschlag ab.

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Auch die Fachkräfteeinwanderung kommt nicht in Schwung. Die Work-and-Stay-Agentur (WSA) erteilte 2024 nur knapp 55.000 Aufenthaltstitel für Erwerbstätige aus Drittstaaten. Das sind 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Experten fordern den Abbau bürokratischer Hürden, um das Potenzial ausländischer Fachkräfte besser zu nutzen – und den Anstieg der Ungelerntenquote abzufedern.

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