Handwerk, Kostendruck

Handwerk unter Kostendruck: 870 Betriebe melden GeschĂ€ftsklima-Tief seit fĂŒnf Jahren

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regionale Umfragen zeigen sinkende GeschĂ€ftsklimaindizes und hohe Kosten; VerbĂ€nde verlangen steuerliche sowie bĂŒrokratische Entlastungen.

Handwerk unter Kostendruck: Kammern fordern Entlastungen und Reformen
Eine halbfertige Baustelle mit Ziegelmauern und BaugerĂŒst in der DĂ€mmerung als Symbol fĂŒr die wirtschaftliche Lage im Handwerk. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts stark steigender Betriebskosten und einer spĂŒrbaren KonsumzurĂŒckhaltung schlagen Handwerksorganisationen bundesweit Alarm. Aus aktuellen Konjunkturumfragen mehrerer Kammern geht hervor, dass sich das wirtschaftliche Umfeld fĂŒr viele Betriebe drastisch eingetrĂŒbt hat.

Hohe Einkaufspreise, wachsende Lohnzusatzkosten sowie teure Energie- und Treibstoffpreise belasten die Unternehmen, weshalb Verbandsvertreter nun gezielte Entlastungen, einen konsequenten BĂŒrokratieabbau sowie steuerliche Reformen anmahnen.

Herbstumfragen zeigen spĂŒrbare DĂ€mpfer beim GeschĂ€ftsklima

Die Ergebnisse der jĂŒngsten Herbstbefragungen verdeutlichen den wirtschaftlichen Druck in verschiedenen Regionen. Im Handwerk von Mecklenburg-Vorpommern fiel der GeschĂ€ftsklimaindex binnen eines Jahres von 104,1 auf 98,2 Punkte. Bei der Befragung unter 870 Betrieben markiert dies den niedrigsten Stand seit fÜnf Jahren. Der durchschnittliche Auftragsvorlauf ging von 11,9 auf 9,6 Wochen zurÜck.

Nahezu 80 Prozent der dortigen Unternehmen berichten von gestiegenen Einkaufspreisen, wÀhrend die Lohnzusatzkosten auf annÀhernd 43 Prozent kletterten. Jeder zweite Betrieb plant absehbar keine Investitionen mehr. Besonders das Bauhauptgewerbe ist betroffen, wo 46 Prozent sinkende AuftrÀge erwarten, nachdem dieser Wert im Vorjahr noch bei 36 Prozent lag.

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Ein Ă€hnliches Bild zeigt sich in Westbrandenburg: Die Handwerkskammer Potsdam registrierte einen RĂŒckgang des GeschĂ€ftsklimaindex von 110 auf 98 Punkte. Nur noch 79 Prozent der Mitgliedsunternehmen bewerten ihre Lage als gut oder befriedigend, was die schwĂ€chste Bewertung seit 2008 darstellt. Mehr als zwei Drittel der Betriebe klagen ĂŒber gestiegene Kosten fĂŒr Material und Energie.

Auch im Bezirk der Handwerkskammer Braunschweig-LĂŒneburg-Stade sank der Index von 110 auf 106 Punkte. Von den 912 befragten Betrieben melden 87 Prozent höhere Preise im Einkauf und 77 Prozent fÜhlen sich durch die Kraftstoffkosten stark oder sehr stark belastet. Ein Drittel der Betriebe verzeichnet Umsatzeinbußen. Gleichzeitig bleibt der Arbeitsmarkt angespannt: Ein Drittel der Unternehmen meldet offene Stellen.

Kritik an ungleicher Entlastung bei der Stromsteuer

ZusĂ€tzlichen Unmut im Handwerk erzeugt die Ausgestaltung politischer Entlastungspakete. Der PrĂ€sident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, bezeichnete die seit dem 1. Januar 2026 geltende Stromsteuersenkung als Vertrauensbruch gegenĂŒber weiten Teilen der Wirtschaft.

Da die Reduzierung lediglich dem produzierenden Gewerbe sowie der Land- und Forstwirtschaft zugutekomme, zahlten Dienstleistungshandwerke wie Kfz-WerkstÀtten, Friseure oder GebÀudereiniger weiterhin den vollen Steuersatz.

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In Niedersachsen fordern Betriebe laut der dortigen Kammerumfrage konkrete Maßnahmen gegen die Teuerung: 60 Prozent der befragten Handwerker befĂŒrworten einen staatlichen Preisdeckel fĂŒr Benzin und Diesel, 48 Prozent eine Absenkung der Stromsteuer und 43 Prozent eine Neuauflage des Tankrabatts.

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion Niedersachsen verwies zudem darauf, dass zusĂ€tzliche Treibstoffkosten von monatlich 5.500 Euro einem Betrieb im Jahr Mehrkosten von 66.000 Euro aufbĂŒrden.

SpitzenverbÀnde drÀngen auf strukturelle Entlastungen

Die Rufe nach weitreichenden Weichenstellungen beschrĂ€nken sich nicht auf kurzfristige Hilfen. Auf dem Deutschen Arbeitgebertag in Berlin ĂŒbergab ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger einen 20-Punkte-Plan an Bundeskanzler Friedrich Merz.

Darin fordert die BDA unter anderem eine Begrenzung der Sozialabgaben, eine Senkung der Einkommensteuer sowie den vollstĂ€ndigen Ausgleich der kalten Progression. Zudem verlangt der Verband flexiblere Arbeitszeitmodelle, die Modernisierung der Betriebsverfassung und eine spĂŒrbare Beschleunigung von Verwaltungsverfahren, um die WettbewerbsfĂ€higkeit der Betriebe nachhaltig zu sichern.

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