Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad sind Schutzmaßnahmen Pflicht

24.06.2026 - 08:11:57 | boerse-global.de

Die anhaltende Hitzewelle belastet Unternehmen und Beschäftigte. Experten warnen vor Milliardenschäden und fordern strengere Schutzregeln.

Hitzewelle in Deutschland: Gesetze, Kosten und Schutz am Arbeitsplatz
Hitze - Thermometer auf einem Bürotisch zeigt 30 Grad Celsius, mit einem unscharfen Büro im Hintergrund, das Hitze am Arbeitsplatz darstellt. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Hitzewelle legt Unternehmen und Beschäftigte lahm. Volkswirte warnen vor Milliardenverlusten, Gewerkschaften pochen auf Schutzregeln. In der Schweiz und Österreich wurden bereits Juni-Rekorde geknackt. Die Debatte über flexible Arbeitszeiten und strengere Vorgaben für Innenräume ist neu entbrannt.

Was sagt das Gesetz?

Einen generellen Anspruch auf Hitzefrei gibt es in Deutschland nicht. Das betonen die IHK Schwaben und der DGB. Trotzdem müssen Arbeitgeber ab bestimmten Temperaturen aktiv werden. Ab 26 Grad im Raum sind Schutzmaßnahmen empfohlen, ab 30 Grad zwingend vorgeschrieben. Dazu gehören Sonnenschutz, Lüftung oder lockere Kleidungsregeln. Steigt die Temperatur auf über 35 Grad, gilt der Raum ohne zusätzliche Vorkehrungen als ungeeignet für die Arbeit.

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Österreich ist einen Schritt weiter. Seit Januar 2026 gilt dort eine Hitzeschutzverordnung für die Außenarbeit. Ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad greifen spezifische Regeln. Für Bauarbeiter kann die Arbeit bei 32,5 Grad eingestellt werden – mit einer Entschädigung von 60 Prozent. Die Gewerkschaften GPA und ÖGB fordern nun, diese Schutzbestimmungen auf Innenräume auszuweiten: Büros, Werkstätten und Pflegebereiche.

Hitze kostet Milliarden

Die wirtschaftlichen Folgen sind massiv. Eine Analyse von Allianz Trade zeigt: Hitzewellen könnten die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten. Pro Grad über 30 sinkt die Arbeitsproduktivität um etwa drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um durchschnittlich 1,2 Prozent.

Auch die Gesundheit leidet. Bei Temperaturen über 30 Grad steigt das Unfallrisiko um sieben Prozent. Die Zahl der Krankschreibungen nimmt um 3,5 Prozent zu. Während längerer Hitzewellen klettert die Quote sogar um sechs Prozent. Allianz-Volkswirtin Utermöhl schlägt vor, die Siesta nicht als Ruhepause zu sehen – sondern als strategisches Risikomanagement.

Wie Betriebe reagieren

In der Schweiz haben viele Unternehmen bereits umgestellt. Firmen wie Walo Bertschinger oder Kibag verlegen die Arbeitszeit in die kühlen Morgenstunden – teilweise ab 4 Uhr. Neben Sonnenschutz und Trinkwasser setzen Betriebe auf organisatorische Lösungen. Beim Ausbau der Autobahn A1 wurden Betonierungsarbeiten gezielt in die Nacht oder den frühen Morgen verlegt.

Auch im Dienstleistungssektor und in sozialen Einrichtungen laufen Maßnahmen. In Pflegeheimen kommen Ventilatoren, kühle Umschläge und wasserreiche Lebensmittel wie Wassermelonen zum Einsatz. Eine Umfrage unter 5.300 Teilnehmern in der Schweiz zeigt: 83 Prozent befürworten einen früheren Arbeitsbeginn auf Baustellen, um die Mittagshitze zu meiden.

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Kühlen ohne Klimaanlage

Klimaanlagen sind teuer und baulich oft schwierig zu installieren. Deshalb rücken alternative Methoden in den Fokus. Eine Studie der Hochschule Luzern untersuchte in einem Pflegeheim, wie sich das Temperaturempfinden ohne technische Kühlung beeinflussen lässt. Ergebnis: Bestimmte Düfte wie Menthol, Minze oder Zitrone sowie blaues Licht senken das Hitzeempfinden.

Auch akustische Reize helfen – etwa das Geräusch von fließendem Wasser. Glatte Baumwoll-Satin-Bettwäsche in kühlen Blautönen wird als haptisch kühlend wahrgenommen. Experten raten zudem zur konsequenten Nachtauskühlung und Querlüftung. Eine IFES-Studie aus dem Frühjahr 2026 unterstreicht die Dringlichkeit: Hitze wurde von 31 Prozent der Befragten als eine der drei größten Belastungen am Arbeitsplatz genannt.

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