Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad sinkt Produktivität um 3 Prozent

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 15:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Steigende Temperaturen senken die Produktivität. Neue Kühltechnologien wie Verdunstungssysteme und Peltier-Westen versprechen Abhilfe für Beschäftigte.

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Kühlkleidung als innovative Lösung
Ein Arbeiter in moderner, heller Kühlkleidung in einer Fabrikhalle, die Wärme und hohe Temperaturen andeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Für Millionen Beschäftigte wird die Arbeit zur Qual. Herkömmliche Ventilatoren und Klimaanlagen stoßen oft an ihre Grenzen. Innovative Kühlkleidung verspricht jetzt Abhilfe.

Wenn die Hitze die Produktivität frisst

Die wirtschaftlichen Folgen sind messbar. Bereits ab 27 bis 28 Grad sinkt die Arbeitseffizienz spürbar, zeigt eine Allianz-Studie. Ab 30 Grad kostet jedes weitere Grad etwa drei Prozent Produktivität. In Europa belasten Hitzesommer das Bruttoinlandsprodukt bereits um 0,3 bis 0,5 Prozent.

Besonders Industrie und Handwerk leiden. In Fabrikhallen oder Klassenzimmern klettert das Thermometer auf bis zu 39 Grad. Die Arbeitsstättenverordnung zwingt Arbeitgeber zum Handeln: Ab 30 Grad sind Schutzmaßnahmen Pflicht, ab 35 Grad gelten Räume ohne Vorkehrungen als ungeeignet.

Verdunstungskälte statt Stromfresser

Die Branche setzt auf zwei grundlegende Technologien. Passive Systeme wie die E.COOLINE SX3-Technologie arbeiten mit Verdunstungskälte. Die Kleidung ist stromlos, leicht und wird durch kurzes Aktivieren mit Wasser einsatzbereit. Die gefühlte Temperatur sinkt um bis zu 20 Grad.

Der Vorteil: Keine schweren Batterien, kein Erfrierungsrisiko, keine aufwendige Logistik für Eis-Akkus. Die Produkte sind bereits nach DIN SPEC 60015 geprüft – eine allgemeine DIN-Norm für Kühlkleidung steht noch aus.

Peltier-Westen im Hype

Für extreme Bedingungen bis 45 Grad gibt es aktive Systeme. Ein japanischer Hersteller plant für 2026 die Produktion von 250.000 Peltier-Westen. Das Vorgängermodell war bereits im Vorjahr ausverkauft. Die Westen nutzen elektrische Energie zur Kühlung – und können bei Bedarf auch heizen. Neue Modelle kommen mit kompakteren Batterien und speziellem Material gegen Abwärme.

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Wenn der Ventilator verboten wird

Der Einsatz privater Kühlgeräte führt zunehmend zu Konflikten. In Baden-Württemberg untersagten Schulleitungen im Frühsommer das Aufstellen privater Ventilatoren in Klassenzimmern. Grund: fehlende Elektroprüfungen und Verstöße gegen die Betriebssicherheitsverordnung. Der Druck auf Institutionen, selbst für zertifizierten Hitzeschutz zu sorgen, steigt.

Neben der Kühlung rückt der UV-Schutz in den Fokus. Hautkrebs durch Sonnenexposition wird bei Dachdeckern oder Gärtnern zunehmend als Berufskrankheit anerkannt. Arbeitgeber müssen UV-Schutzkleidung und Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 30 kostenlos stellen.

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Neben dem physischen Arbeitsschutz müssen Betriebe auch formale Vorgaben wie rechtssichere Betriebsanweisungen im Blick behalten, um Bußgelder zu vermeiden. Mit dieser praktischen Word-Vorlage erstellen Sie notwendige Dokumente in wenigen Minuten einfach selbst. Kostenlose Vorlage für Betriebsanweisungen jetzt herunterladen

Klimaanlagen: Fluch und Segen zugleich

Stationäre Klimaanlagen stehen in der Kritik. Sie verbrauchen mehr als 20 Prozent des weltweiten Stroms und heizen Stadtgebiete durch Abwärme um bis zu 2,5 Grad zusätzlich auf. In Deutschland waren 2025 nur 4,3 Prozent der Neubauten mit Kühlanlagen ausgestattet.

Experten fordern eine nationale Hitzeschutzstrategie. Die Lösung liegt nicht allein in technischer Nachrüstung. Bauliche Maßnahmen wie außenliegender Sonnenschutz, bessere Dämmung und Gebäudebegrünung sollen den Kühlbedarf langfristig senken. Die Gesundheit der Beschäftigten steht dabei im Zentrum.

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