Hitze-Kosten, Mrd

Hitze-Kosten: Deutsche Wirtschaft verliert bis 2030 112 Mrd. Euro

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 11:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hitzewellen könnten die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten. Ab 30 Grad sinkt die Produktivität deutlich.

Sommerhitze: Deutsche Wirtschaft drohen Milliardenschäden
Ein modernes Großraumbüro in Deutschland, durchflutet von heißem Sonnenlicht, mit Mitarbeitern, die unter der Hitze leiden und ihre Produktivität beeinträchtigt ist. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutschen Unternehmen spüren die Sommerhitze zunehmend im Geldbeutel. Neue Berechnungen von Allianz Trade zeigen: Ab einer Raumtemperatur von 30 Grad Celsius sinkt die Arbeitsproduktivität um durchschnittlich drei Prozent pro zusätzlichem Grad. Die optimale Effizienz liegt dagegen bei unter 20 Grad.

112 Milliarden Euro Schaden bis 2030

Die volkswirtschaftlichen Schäden durch extreme Hitzeperioden sind gewaltig. Schätzungen zufolge könnten Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 kumuliert bis zu 112 Milliarden Euro kosten. Besonders betroffen: der Süden der Republik. Das Forschungsinstitut Prognos ermittelte im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, dass jeder einzelne Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad die bayerische Wirtschaft rund 73 Millionen Euro kostet.

Auf europäischer Ebene fällt das Bruttoinlandsprodukt in ausgeprägten Hitzejahren um 0,3 bis 0,5 Prozent niedriger aus. Eine Studie der Europäischen Zentralbank identifizierte Bergbau, Fertigungsindustrie und Pharmasektor als besonders anfällig. In der Baubranche berichten Unternehmer von einem Rückgang der Arbeitsleistung an heißen Tagen um 10 bis 15 Prozent.

Was Arbeitgeber beachten müssen

Für den Arbeitsschutz in Innenräumen liefert die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 den verbindlichen Rahmen. Bis 26 Grad Celsius gilt der Normalbereich. Steigt die Temperatur darüber, werden Schutzmaßnahmen empfohlen. Ab 30 Grad sind Arbeitgeber verpflichtet, wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Bei über 35 Grad gelten Räume ohne zusätzliche Vorkehrungen als ungeeignet für die Arbeit.

Die IG BAU rät für Tätigkeiten im Freien zur WSS-Regel: Wasser, Sonnencreme, Schatten. Empfohlen wird Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 und eine Flüssigkeitsaufnahme von drei bis fünf Litern täglich. Arbeitgeber müssen entsprechende Getränke und Schutzausrüstung bereitstellen. Arbeitszeiten sollten nach Möglichkeit in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.

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Klimaanlagen sind ausverkauft

Die steigenden Temperaturen treiben die Nachfrage nach Kühlgeräten massiv an. Laut einer YouGov-Umfrage planen rund 20 Prozent der Befragten die Anschaffung einer Klimaanlage – doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Folge: Viele Baumärkte und Elektronikketten melden ausverkaufte Bestände bei Ventilatoren und mobilen Klimageräten. Bei fest installierten Split-Klimaanlagen betragen die Wartezeiten derzeit rund drei Monate. Im Jahr 2025 wurden davon etwa 320.000 Stück abgesetzt.

Steuervorteile fürs Homeoffice

Für Beschäftigte im Homeoffice gibt es gute Nachrichten: Bei einem steuerlich anerkannten Arbeitszimmer können die Anschaffungskosten für Klimageräte bis zu 952 Euro sofort abgesetzt werden. Teurere Anlagen müssen über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Alternativ lässt sich eine Jahrespauschale von 1.260 Euro nutzen. Bei fest eingebauten Systemen sind zudem 20 Prozent der Handwerkerkosten direkt von der Steuerschuld abziehbar.

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Bauliche Anpassungen gefordert

Angesichts der langfristigen klimatischen Entwicklung diskutieren Experten über architektonische Lösungen. Eine generelle Mittagsruhe nach südeuropäischem Vorbild wird kritisch gesehen – die Zersplitterung der Arbeitstage wäre zu groß. Stattdessen rücken technische Maßnahmen in den Fokus: helle Fassaden, effiziente Verschattungssysteme und begrünte Dächer sollen die Aufheizung von Gebäuden nachhaltig reduzieren.

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