Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber handeln
25.06.2026 - 21:32:41 | boerse-global.de
Als Vorbild dienen die Abkühlpausen bei Fußball-Weltmeisterschaften.
EGB-Generalsekretärin Esther Lynch betonte am heutigen Donnerstag, dass besonders Bauarbeiter, Obstpflücker und Busfahrer mehr Schutz brauchen. Die dreiminütigen Unterbrechungen pro Halbzeit bei der WM seien ein gutes Modell.
Zu den Kernforderungen gehören gesetzliche Temperaturobergrenzen, bezahlte Pausenzeiten und garantierter Zugang zu Schatten, Wasser und Kühlmöglichkeiten. „Die Arbeitswelt muss an die Folgen des Klimawandels angepasst werden", so Lynch.
Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Hitzeschutzregelungen in bestehende Verordnungen integriert werden können. Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich weltweit rund 500.000 Todesfälle auf extreme Hitze zurückgehen.
Neue Regeln für Büroarbeitsplätze
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) veröffentlichte gestern die aktualisierte Regel 115-401 für Bürobetriebe. Das Regelwerk umfasst Vorgaben zur Arbeitsorganisation, Führung sowie Ergonomie und Raumklima.
Hessens Arbeitsministerin Heike Hofmann erinnerte ebenfalls gestern an die geltenden Arbeitsstättenregeln. Demnach sollte die Temperatur in Arbeitsräumen 26 Grad nicht überschreiten. Ab 30 Grad sind Arbeitgeber gesetzlich zu Entlastungsmaßnahmen verpflichtet. Bei über 35 Grad gilt ein Raum ohne Schutzmaßnahmen als ungeeignet.
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Der DGB Düsseldorf-Bergisch Land forderte die Arbeitgeber auf, den Hitzeschutz konsequent umzusetzen. „Hitzeschutz ist kein optionaler Komfortfaktor, sondern gesetzliche Vorschrift", sagte Sprecher Klaus Churt.
Milliardenschäden durch Hitzewellen
Untersuchungen von Allianz Trade zeigen die wirtschaftliche Dimension: Hitzewellen verursachen durch Leistungsabfall und Kühlkosten Verluste in Milliardenhöhe. Experte Alexander Gimbel von der KörperManagement KG plädierte dafür, Hitzeschutz als festen Bestandteil einer Gesundheitsstrategie zu verankern. Er empfiehlt angepasste Arbeitsabläufe, aktive Pausen und gezielte Sensibilisierung von Führungskräften.
Großunternehmen haben bereits spezifische Konzepte etabliert:
- Fraport stellt für rund 6.000 Mitarbeiter Getränkewagen und UV-Schutzkleidung bereit
- Das VW-Werk in Baunatal nutzt Elektrolysepulver zur Hydrierung und bietet flexible Gleitzeit
- DHL stattet Zusteller mit Sonnencreme und kurzer Dienstkleidung aus
Raumklima richtig kühlen
Für die Kühlung von Büros gab IT-Dienstleister IONOS praktische Hinweise. Stefan Mink rät, warme und kühle Luft konsequent zu trennen und externe Wärmequellen durch Verschattung auszusperren. Nicht benötigte elektrische Geräte sollten ausgeschaltet werden.
Neben dem Raumklima gehören auch die richtige Unterweisung der Mitarbeiter zu den gesetzlichen Pflichten jeder Führungskraft. Bereiten Sie Ihre nächste Sicherheitsunterweisung für Bildschirmarbeitsplätze in Rekordzeit vor – inklusive fertiger Muster-Präsentation. Gratis-Vorlage für die Büro-Unterweisung sichern
Die IG Metall warnte jedoch vor Ventilatoren in Großraumbüros. Sie könnten Staub und Pollen aufwirbeln – problematisch für Allergiker. Die Gewerkschaft empfiehlt stattdessen nächtliches Lüften und effektive Jalousiesysteme.
DRK-Landesarzt André Gries rät: Trinkpausen präventiv einlegen, nicht erst auf Durstgefühl warten. So lassen sich Dehydrierung und Hitzeschäden vermeiden.
