Hitzeschutz: Nur 7 Bundesländer haben Aktionsplan – Verbände fordern Gesetze
13.06.2026 - 01:18:29 | boerse-global.de
Am bundesweiten Hitzeaktionstag haben Gesundheits- und Arbeitsschutzorganisationen neue Maßnahmen gegen extreme Temperaturen vorgestellt. Die WHO veröffentlichte dazu aktuelle Leitlinien.
WHO: Europa erwärmt sich am schnellsten
WHO-Europadirektor Hans Kluge warnte bei der Vorstellung in Berlin vor den Folgen der Klimaerwärmung. Allein in den vergangenen vier Jahren habe extreme Hitze in Europa zu über 200.000 vermeidbaren Todesfällen geführt. In Deutschland verzeichnete das Robert Koch-Institut für 2025 rund 2.500 hitzebedingte Sterbefälle.
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Kluge forderte eine stärkere Integration des Hitzeschutzes in die Krisenvorsorge. Bundesumweltminister Carsten Schneider bezeichnete den Hitzeschutz als soziale Frage. Ein Bündnis aus mehr als 150 Gesundheitsorganisationen kritisierte, dass systematischer Hitzeschutz in Deutschland noch nicht flächendeckend verankert sei. Bisher verfügen nur 7 der 16 Bundesländer über einen Hitzeaktionsplan.
Was Arbeitnehmer jetzt wissen müssen
Für Beschäftigte steigt mit der Hitzebelastung das Unfallrisiko. Die AOK Sachsen-Anhalt warnt vor nachlassender Konzentration und gesundheitlichen Gefahren. Fachleute empfehlen das TOP-Prinzip:
- Technische Maßnahmen: Klimaanlagen und Verschattungssysteme
- Organisatorische Maßnahmen: Schwere Arbeiten in die Morgen- oder Abendstunden verlegen
- Persönliche Maßnahmen: Sonnenschutz, leichte Mahlzeiten und ausreichend trinken
Mediziner weisen zudem auf Risiken durch bestimmte Medikamente hin. Antidepressiva können die Schweißproduktion unterdrücken und einen Hitzestau begünstigen. Besonders gefährdet sind Ältere, chronisch Kranke, Schwangere und Menschen, die im Freien arbeiten.
Verbände fordern gesetzliche Regeln
Berufsverbände und Kammern drängen auf eine rechtliche Absicherung. Die Bundesarchitektenkammer fordert mehr Begrünung, Verschattung und Entsiegelung von Flächen. In Thüringen setzen sich die Kammern der Heilberufe für eine Verankerung des Hitzeschutzes im Gesundheits-, Bau- und Arbeitsrecht ein.
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Mecklenburg-Vorpommern hat bereits vor einem Jahr einen Hitzeschutzplan umgesetzt. Kliniken können dort Investitionsmittel für Hitzeschutzmaßnahmen nutzen, Pflegeeinrichtungen müssen Schutzkonzepte vorweisen. Auch Apotheken positionierten sich als niedrigschwellige Hitzeschutzinseln.
Drei Millionen für leise Clubs
Parallel zu den Hitzeschutzinitiativen fördert das Bauministerium den Schallschutz in der Kulturbranche. In einem Pilotprogramm erhalten 43 Musikclubs und Festivals insgesamt drei Millionen Euro. Ziel ist die Erprobung technischer Lösungen zur Lärmminderung.
Die Auswahl erfolgte aus 136 Bewerbungen. Umgesetzt wird das Programm durch die Initiative Musik in Kooperation mit der LiveMusikKommission. Die Förderung soll helfen, Kulturstätten auch in dicht besiedelten Stadtgebieten nachhaltig zu betreiben – ohne die Anwohner zu belasten.
