HKM Duisburg: Sozialtarifvertrag rettet 300 Arbeitsplätze
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
700 Arbeitsplätze. Das ist das Ergebnis eines neuen Sozialtarifvertrags, den die IG Metall ausgehandelt hat. Ursprünglich waren bis zu 2.000 Stellen gefährdet – die Einigung rettet rund 300 Arbeitsplätze mehr als befürchtet. Rund 2.200 Beschäftigte bleiben am Standort.
Letzter Arbeitstag: 30. Juni 2029
Der Sozialtarifvertrag legt den Zeitplan fest. Für die meisten Betroffenen endet das Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2029. Schon früher will das Unternehmen den Prozess einleiten: Ab dem 1. Oktober 2026 sucht HKM 500 Freiwillige, die gegen Abfindung ausscheiden.
Die Vereinbarung ist ein Kernstück der Restrukturierung des traditionsreichen Standorts. Sie sichert die Beschäftigten über mehrere Jahre sozial ab – während der Abbau unvermeidlich bleibt.
Salzgitter AG investiert Milliarde in Elektrolichtbogenofen
Hintergrund der Neuaufstellung: Die Salzgitter AG hat HKM übernommen. Der Konzern plant massive Investitionen in die Transformation. So entsteht am Standort der größte Elektrolichtbogenofen Deutschlands. Die Kosten: rund eine Milliarde Euro. Staatliche Fördermittel in Höhe von etwa 200 Millionen Euro liegen bereits vor.
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Die Übernahme zeigt Wirkung in den Geschäftszahlen: Salzgitter hebt seine Prognose für 2026 an. Das bereinigte EBITDA soll nun zwischen 725 und 825 Millionen Euro liegen – zuvor waren 625 bis 725 Millionen erwartet. Der Jahresumsatz wird auf rund 10 Milliarden Euro korrigiert. Die HKM-Übernahme trägt einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag bei. Die erste Produktion von grünem Stahl ist für 2027 geplant.
Deutsche Industrie unter Druck
Der Stellenabbau bei HKM ist kein Einzelfall. Laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die chinesische Konkurrenz seit 2019 rund 400.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland gekostet. Der Kostennachteil der europäischen Industrie gegenüber China lag zwischen 2020 und 2025 bei geschätzt 40 Prozent.
Auch andere Großkonzerne stehen vor massiven Einschnitten:
- Volkswagen: Der Autobauer will die Umsatzrendite von 3 auf 8 bis 10 Prozent steigern. Dafür stehen Werksschließungen in Hannover, Emden und Zwickau sowie der Abbau von bis zu 100.000 Stellen im Raum. Eine Betriebsversammlung Ende August soll Klarheit bringen.
- Zalando: Der Online-Händler schließt sein Logistikzentrum in Erfurt bis Ende September 2026. Rund 2.100 Mitarbeiter sind betroffen. Der Sozialplan steht seit Anfang Juli, Rückstellungen von circa 80 Millionen Euro wurden gebildet.
- Tesla: Einziger Lichtblick: Der Autobauer will in Grünheide die Produktion auf bis zu 7.500 Fahrzeuge pro Woche hochfahren und 3.500 neue Jobs schaffen.
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Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat für den 26. September zu bundesweiten Demonstrationen aufgerufen. Die Proteste richten sich gegen geplante Sozialkürzungen und Reformen im Renten- und Steuersystem.
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