ROUNDUPKlimaforscher, Hochwasser

Hochwasser wird mit dem Klimawandel immer hÀufiger

04.01.2024 - 15:23:37 | dpa.de

Hochwasser und DĂŒrren werden in Deutschland nach Forscherangaben weiter zunehmen.

"Viele Studien, auch eigene, zeigen, dass mit steigenden globalen Temperaturen auch die Anzahl und IntensitĂ€t von Extremen wie Hochwasser in Deutschland ansteigen", sagt Fred Hattermann vom Potsdam-Institut fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK), Arbeitsgruppe Hydroklimatische Risiken. Dabei könnte die RealitĂ€t die Modelle noch ĂŒbertreffen. "Wir unterschĂ€tzen die Extreme noch, glaube ich, weil Klimamodelle nicht fĂŒr solche Ereignisse angelegt sind, sondern vor allem zur Untersuchung von Klimasystemen und Änderungen im Klima."

Eine Ursache fĂŒr das aktuelle Hochwasser seien wahrscheinlich die fĂŒr die Jahreszeit hohen OberflĂ€chentemperaturen des westlichen Atlantiks, die zu hoher Verdunstung und damit auch viel Wasserdampf in der AtmosphĂ€re fĂŒhren, erlĂ€utert Hattermann. Durch die in unseren Breiten vorherrschenden Westwinde seien diese feuchten Luftmassen nach Europa transportiert worden, wo es in Folge einer schnell ĂŒber Mitteleuropa ziehenden Kette von Tiefdruckgebieten im Herbst und Winter zu sehr ergiebigen NiederschlĂ€gen gekommen sei und dann auch zu Hochwasser. "Die Böden wurden mit Wasser gesĂ€ttigt und nehmen dann kaum noch Wasser auf." Das fĂŒhre zu Hochwasser.

Das langjĂ€hrige Mittel der NiederschlĂ€ge in Deutschland habe sich kaum geĂ€ndert. "FĂŒr Deutschland gibt es da keine starken Trends, aber die VariabilitĂ€t der NiederschlĂ€ge steigt", sagt Hattermann. Kurz: Es gibt stĂ€rkere Regen, aber auch lĂ€ngere trockene Zeiten. Das hat laut Hattermann zwei GrĂŒnde. Erstens erwĂ€rme sich durch den Klimawandel die Luft, die dann mehr Wasser aufnehmen könne. "Die Wassermenge pro Kubikmeter Luft ist gestiegen." Das bedeutet zunĂ€chst lĂ€ngere Trockenphasen - und wenn es mal regnet, dann fĂ€llt mehr Wasser auf die Erde.

Zweitens: "Wir haben stabilere Großwetterlagen ĂŒber Europa." Das hĂ€nge mit dem Einfluss des Klimawandels auf den Jetstream zusammen, einer welligen Luftströmung in einigen Kilometern ĂŒber der ErdoberflĂ€che, wobei die einzelnen ZusammenhĂ€nge noch nicht exakt geklĂ€rt seien. Eine solche Situation habe zum Beispiel zu den lang andauernden Hochdruckwetterlagen wie 2018 oder aber auch im FrĂŒhjahr 2023 gefĂŒhrt. "Ein Hochdruckgebiet dreht sich dabei im Uhrzeigersinn und bringt trockene Luft vom eurasischen Raum nach Deutschland", sagt Hattermann. Das fĂŒhre zu wenig Niederschlag und DĂŒrre.

"2021 hatten wir ein Tiefdruckgebiet, wo sich der Wind gegen den Uhrzeigersinn drehte und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland brachte." Das habe 2021 zu den Wassermassen im Ahrtal gefĂŒhrt.

Beim aktuellen Hochwasser in Deutschland spielt laut Hattermann auch eine lĂ€nger anhaltende Wetterlage eine Rolle, in der der Jetstream ĂŒber Mitteleuropa und Deutschland lag. "Mit dem Jetstream wurden wie auf einem Fließband die Tiefdruckgebiete zu uns transportiert." Der genaue Anteil des Klimawandels sei bei einem einzelnen Ereignis schwer zu benennen. Doch durch die höheren Temperaturen und die stĂ€rkere Verdunstung insbesondere ĂŒber den Ozeanen, die auch durch die höheren MeeresoberflĂ€chentemperaturen getrieben werde, seien solche Extreme deutlich wahrscheinlicher.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes ist es hierzulande insbesondere im Winter signifikant feuchter geworden. "Wir wissen schon lange, dass der Klimawandel zu mehr und stĂ€rkeren NiederschlĂ€gen in den Wintermonaten fĂŒhrt, mit denen dann auch immer wieder Hochwasser verbunden sein können", sagt auch die Direktorin des Climate Service Center Germany (Gerics), Daniela Jacob, im GesprĂ€ch mit dem Digital-Medienhaus Table.Media. "Das Ausmaß des aktuellen Hochwassers ist allerdings schon sehr ungewöhnlich." Das zeige deutlich, wie wichtig eine schnelle und umfassende Umsetzung von Schutzstrategien sei.

Was tun? "Das große Thema ist natĂŒrlich die Vermeidung der weiteren ErwĂ€rmung", sagt Hattermann. Nötig sei aber auch, die Infrastruktur anzupassen und FlĂŒssen mehr Raum zu geben sowie die klimaangepasste Gestaltung der Landschaft, etwa der Umbau von Nadel- zu LaubwĂ€ldern. Laubwald nehme im Winter mehr Wasser auf, weil der Schnee nicht wie auf NadelbĂ€umen liegen bleibe und von dort verdunste.

Auch jeder Einzelne solle sich des steigenden Risikos bewusst sein: "Es gibt keinen totalen Schutz vor Hochwasser", betont Hattermann. So sollte jeder Fluchtwege kennen und beispielsweise keine Wertsachen im Keller lagern. "Wir mĂŒssen mehr Bewusstsein fĂŒr die Gefahr und zeitgleich das Wissen schaffen, dass man sich nicht vor allem schĂŒtzen kann."

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