Homeoffice-Paradox: Merz fordert mehr Arbeit, Ministerien erlauben 100%
09.06.2026 - 23:25:57 | boerse-global.de
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fordert mehr Arbeit – doch seine eigenen Ministerien gewähren ihren Mitarbeitern maximale Flexibilität beim mobilen Arbeiten.
Der 70-jährige Regierungschef lehnt Konzepte wie die Viertagewoche ab und mahnt öffentlich eine neue Arbeitsmoral an. In den Ressorts sieht die Realität anders aus. Ein aktueller Bericht zeigt: In vielen Ministerien gibt es kaum noch Präsenzpflicht.
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„Mallorca-Regelung“ und Vollzeit-Homeoffice
Das Verteidigungsministerium unter Boris Pistorius setzt keine Obergrenze für mobiles Arbeiten. Auch im Kanzleramt und im Umweltministerium sind bis zu 100 Prozent Homeoffice möglich.
Besonders weit geht das Gesundheitsministerium: Eine sogenannte „Mallorca-Regelung“ erlaubt mobiles Arbeiten aus dem EU-Ausland. Ähnliche Modelle gibt es im Justiz- und Familienministerium – nach vorheriger Zustimmung oder Anzeige.
Das Innenministerium begrenzt mobile Arbeit auf 60 Prozent. Eine Besonderheit: Urlaubs- und Krankheitstage werden als Präsenztage gewertet. Das Auswärtige Amt fährt mit einer 40-Prozent-Quote die strikteste Linie.
Union streitet über „Paralleluniversum“
Die großzügigen Homeoffice-Regelungen stoßen innerhalb der CDU auf Kritik. Dennis Radtke, Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), warnt vor einem „Paralleluniversum“ in den Ministerien. Das passe nicht zur geforderten Arbeitsmoral des Kanzlers.
Ob in Deutschland tatsächlich zu wenig gearbeitet wird, bleibt umstritten. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) verweist auf rund 1,2 Milliarden geleistete Überstunden. IfW-Präsident Moritz Schularick sieht dagegen ein rückläufiges Gesamtarbeitsvolumen.
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Reformstau und verpasste EU-Frist
Digitalminister Karsten Wildberger drängt auf eine schnellere Staatsmodernisierung. Gleichzeitig steht die Regierung unter Druck, steuerliche Entlastungen zu liefern. Bas fordert eine Einkommensteuerreform mit mindestens 500 Euro Entlastung pro Jahr – Inkrafttreten soll Anfang 2027 sein.
Zusätzlich hat Deutschland eine EU-Frist verpasst: Die Umsetzung der Entgelttransparenzrichtlinie lief am 7. Juni ab. Beschäftigte im öffentlichen Dienst können sich ab sofort direkt auf die EU-Vorgaben berufen. Der Gender-Pay-Gap liegt in Deutschland bei 15,6 Prozent. Familienministerin Karin Prien will die Umsetzung bürokratiearm gestalten.
Der Koalitionsausschuss am 10. Juni soll über Arbeitsmarkt- und Sozialreformen beraten. Bis Ende Juni werden zudem die Ergebnisse der Rentenkommission erwartet.
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