Hungerkrisen: Afrika fĂ€llt weiter zurĂŒck
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Neu: weitere Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Der Kampf gegen den Hunger kommt weltweit kaum noch voran. In Afrika sĂŒdlich der Sahara hat sich die Lage seit 2018 sogar verschlechtert. Sieben der acht LĂ€nder mit einer alarmierenden Hungersituation liegen dort, ebenso die drei gröĂten erfassten akuten ErnĂ€hrungskrisen weltweit. Das zeigen zwei Berichte von Hilfsorganisationen zum WelternĂ€hrungstag am 16. Oktober.
"Wer heute bei der Ăberwindung des Hungers und der Krisenvorsorge spart, riskiert morgen noch gröĂere humanitĂ€re Katastrophen und weitere InstabilitĂ€t", sagte der GeneralsekretĂ€r der Welthungerhilfe, Mathias Mogge. Die Bundesregierung mĂŒsse die KĂŒrzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitĂ€rer Hilfe zurĂŒcknehmen und ErnĂ€hrungssicherheit zum festen Bestandteil ihrer Politik machen.
"Die aktuellen Hungerzahlen sind ein klares Alarmsignal", teilte Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) mit. Es zeige, dass Hunger mit Kriegen und Konflikten zusammenhÀnge, aber auch ein lösbares Problem sei.
Zwei Drittel der akuten Hungerkrisen in zehn LĂ€ndern
Der von der Welthungerhilfe und zwei Partnerorganisationen veröffentlichte Welthunger-Index stieg im Vergleich zum Referenzjahr 2018 von 17,6 auf 18,1 Punkte. Damit hat sich die Hungersituation weltweit erstmals in der bis 2000 zurĂŒckreichenden Datenreihe wieder verschlechtert. In 32 LĂ€ndern nahm der Hunger seit 2018 zu, in 20 weiteren gab es kaum Fortschritte. Afrika sĂŒdlich der Sahara weist den höchsten Indexwert aller Weltregionen auf.
Wie stark sich akute ErnÀhrungskrisen auf wenige LÀnder konzentrieren, zeigt eine weltweite Auswertung von Aktion gegen den Hunger. Laut dem internationalen ErnÀhrungskrisenbericht waren 2025 in 47 erfassten LÀndern und Gebieten rund 266 Millionen Menschen von hoher akuter ErnÀhrungsunsicherheit betroffen. Zwei Drittel von ihnen lebten in nur zehn LÀndern. Auf Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und den Sudan entfielen zusammen 82,9 Millionen Betroffene.
Die UN-ErnĂ€hrungsorganisation FAO meldete fĂŒr 2025 zwar einen leichten weltweiten RĂŒckgang chronischen Hungers auf 645 Millionen Menschen, vor allem dank Verbesserungen in Asien sowie Lateinamerika und der Karibik. Die Zahl ist jedoch nicht mit der Erfassung akuter ErnĂ€hrungskrisen gleichzusetzen. Der Welthunger-Index berĂŒcksichtigt zudem UnterernĂ€hrung, MangelernĂ€hrung bei Kindern und Kindersterblichkeit.
Sudan
Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. 2025 waren rund 24,6 Millionen Menschen von hoher akuter ErnĂ€hrungsunsicherheit betroffen, fast die HĂ€lfte der Bevölkerung. In den belagerten StĂ€dten Al-Fascher und Kadugli wurde 2025 eine Hungersnot festgestellt. Im Mai 2026 galten noch 14 Gebiete als von einer Hungersnot bedroht. FĂŒr dieses Jahr wird mit rund 825.000 schwer akut mangelernĂ€hrten Kindern unter fĂŒnf Jahren gerechnet. Insgesamt benötigen nach UN-SchĂ€tzungen 33,7 Millionen Menschen humanitĂ€re Hilfe.
Nigeria
In keinem anderen Land hat sich die Hungersituation laut Welthunger-Index seit 2018 so stark verschlechtert. Der Indexwert stieg von 28,2 auf 34,3 Punkte, knapp unter die Schwelle zur Kategorie "alarmierend". Nach Angaben von Aktion gegen den Hunger hatte Nigeria 2025 mit 30,6 Millionen Menschen die gröĂte erfasste akute ErnĂ€hrungskrise; fĂŒr die Hungerperiode 2026 wurden bis zu 34,7 Millionen Betroffene prognostiziert. Hinzu kommen schĂ€tzungsweise 6,4 Millionen akut mangelernĂ€hrte Kinder unter fĂŒnf Jahren. In dem von enormen WohlstandsgegensĂ€tzen geprĂ€gten Land trifft die Krise besonders den Ă€rmeren Norden, wo Gewalt, hohe Lebensmittelpreise und Ăberschwemmungen die Not verschĂ€rfen.
Demokratische Republik Kongo
Mit 39,5 Punkten zÀhlt die Demokratische Republik Kongo zu den am stÀrksten betroffenen Staaten im Welthunger-Index; seit 2018 hat sich die Lage verschlechtert. 2025 litten laut Aktion gegen den Hunger 27,7 Millionen Menschen unter hoher akuter ErnÀhrungsunsicherheit, mehr als zehn Millionen davon in den umkÀmpften östlichen Provinzen.
KĂ€mpfe, Vertreibungen und PlĂŒnderungen behindern die Landwirtschaft und den Handel, hinzu kommt der aktuelle schwere Ebola-Ausbruch im Land. Wegen KĂŒrzungen von Hilfsgeldern mussten nach Angaben der Organisation 2025 mehr als 1.000 ErnĂ€hrungszentren schlieĂen. Mehr als 390.000 schwer akut mangelernĂ€hrte Kinder verloren dadurch den Zugang zu einer Behandlung.
Konflikte treiben Krisen auch an anderen Brennpunkten
Somalia hat trotz langfristiger Fortschritte den höchsten Wert aller im Welthunger-Index bewerteten LĂ€nder. Mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung ist chronisch unterernĂ€hrt. Im SĂŒdsudan war 2026 zeitweise ebenfalls mehr als die HĂ€lfte der Bevölkerung von hoher akuter ErnĂ€hrungsunsicherheit betroffen. AuĂerhalb Afrikas stiegen die Betroffenenzahlen 2025 gegenĂŒber 2024 besonders in Myanmar um 2,3 Millionen, in Afghanistan um 1,6 Millionen und im Jemen um 1,4 Millionen.
Konflikte waren laut Welthunger-Index 2025 in 19 LĂ€ndern und Gebieten die Hauptursache akuter ErnĂ€hrungskrisen mit 147,4 Millionen Betroffenen. Gewalt vertreibt Menschen von ihren Feldern und unterbricht Handelswege. DĂŒrren, Ăberschwemmungen und hohe Preise verschĂ€rfen die Not.
Zugleich geht das Geld fĂŒr Hilfe zurĂŒck: Nach Angaben von Aktion gegen den Hunger sank die Finanzierung humanitĂ€rer ErnĂ€hrungshilfe in Krisengebieten zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Die KĂŒrzungen gefĂ€hrden auch die Datenerhebung und erschweren es, das AusmaĂ der Krisen zu erfassen.
