IG Metall fordert 5 Prozent mehr Geld: Warnstreiks ab November möglich
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der laufenden Tarifrunde der deutschen Metall- und Elektroindustrie verlangt die IG Metall 5 % mehr Geld für die Beschäftigten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Neben dem Entgeltplus fordert die Gewerkschaft eine Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich gut aufgestellten Betrieben. Parallel dazu stehen Regelungen zur Kurzarbeit im Raum, mit denen die Beschäftigung angesichts der Wirtschaftlichen Herausforderungen stabilisiert werden soll.
Drohende Warnstreiks nach ergebnislosen Auftaktgesprächen
Die Forderung betrifft bundesweit rund 3,7 Mio. Beschäftigte des Wirtschaftszweigs. Auch im Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie für Unternehmen wie Porsche, Audi und MAN, der rund 4 Mio. Beschäftigte umfasst, verlangt die Gewerkschaft 5 % mehr Geld.
Die IG Metall warnte vor Reallohnverlusten und machte den Erhalt der 35-Stunden-Woche zu einer zentralen Position, während Arbeitgeber der Automobilbranche auf tiefere Kostensenkungen und Restrukturierungsmaßnahmen drängen.
Bislang blieb eine erste Verhandlungsrunde ohne ein Angebot der Arbeitgeberseite. Die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, drohte daraufhin mit Arbeitsniederlegungen. Die Belegschaften befänden sich mindestens in einer Warnstreikstimmung und hätten die Geduld verloren.
Die Friedenspflicht läuft noch bis zum 31. Oktober, sodass Warnstreiks frühestens im November möglich sind. Während in der Metallbranche Arbeitsniederlegungen ab November drohen, könnten Streiks bei VW ab Januar folgen.
Arbeitgebervertreter wiesen die gewerkschaftlichen Forderungen zurück. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall kritisierte, die verlangten Zuwächse ignorierten die Dimension und Tiefe der aktuellen Branchenkrise.
Regionale Zuspitzung und verhärtete Fronten
Auf regionaler Ebene zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Im Bezirk IG Metall Mitte, der Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst und 360.000 Arbeitsplätze vertritt, endete die erste Gesprächsrunde ebenfalls ohne Ergebnis, nachdem die Arbeitgeber alle Verhandlungsthemen abgelehnt hatten.
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Der dortige Bezirksleiter Jörg Köhlinger verwies auf eine Inflationsrate von 3 % und betonte unter Verweis auf eine Umfrage unter Betriebsräten, dass 50 % der Betriebe eine gute Entwicklung verzeichneten. Wenn bis zum Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober 2026 kein verhandlungsfähiges Angebot vorliege, seien Streiks ab November vorprogrammiert.
Gleichzeitig verweist die Arbeitgeberseite auf strukturelle Belastungen. Nach Angaben von Opel-Chef Florian Huettl liegt die Produktion bundesweit 15 % unter dem Niveau von 2018. Seit diesem Jahr seien rund 350.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, und monatlich kämen weitere 10.000 hinzu.
Auch auf lokaler Ebene laufen die Vorbereitungen für den Arbeitskampf. Die IG Metall Trier bereitet sich nach einer ersten ergebnislosen Runde auf Verhandlungen am 28. Oktober 2026 vor. Der Erste Bevollmächtigte Christian Schmitz kündigte an, dass Anfang November Warnstreiks folgen dürften, falls bis dahin kein annehmbares Angebot vorgelegt werde. Er rechnet mit mehreren Tausend Teilnehmenden.
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In der Region Trier wenden 16 Betriebe die gekündigten Flächentarifverträge an; in mindestens zehn davon sind Warnstreiks geplant, in den übrigen kleinere Aktionen, die jeweils am Vortag bekannt gegeben werden sollen.
Ungleiche Rahmenbedingungen und internationale Kontraste
Während Konjunkturforscher für das laufende und das kommende Jahr mit einer Teuerung von rund 3 % rechnen und warnen, dass das reale Einkommen bis 2030 um etwa 10 % sinken könnte, zeigen sich innerhalb der Branche unterschiedliche Entwicklungen. Beschäftigte bei Porsche verzichteten bereits auf 3,5 % künftiger Tariferhöhungen.
Dagegen sieht ein Tarifvertrag der Gewerkschaft UAW im Werk von Volkswagen in Chattanooga Lohnsteigerungen von rund 20 % zwischen 2027 und 2030 vor. Ob es in Deutschland zu einer schnellen Einigung kommt, hängt nun von den Fortsetzungen der Verhandlungen vor Ablauf der Friedenspflicht ab.
