Metall, Millionen

IG Metall fordert 7-Prozent-Plus für 3,8 Millionen Beschäftigte

01.06.2026 - 16:31:13 | boerse-global.de

IG Metall fordert 7 Prozent mehr Lohn für 3,8 Millionen Beschäftigte. Trotz Rekordausschüttungen der Konzerne belastet der Strukturwandel die Branche.

IG Metall fordert 7-Prozent-Plus für 3,8 Millionen Beschäftigte - Bild: über boerse-global.de
IG Metall fordert 7-Prozent-Plus für 3,8 Millionen Beschäftigte - Bild: über boerse-global.de

Ab heute befragt die IG Metall ihre Mitglieder in 3.200 Betrieben zu den Forderungen für die anstehenden Verhandlungen. Im Kern geht es um ein 7-prozentiges Plus für die rund 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie.

Die Befragung läuft bis zum 28. August und bildet die Grundlage für die offiziellen Verhandlungen, die im Oktober beginnen sollen. Die Friedenspflicht, die Streiks während der Verhandlungsphase verhindert, endet am 31. Oktober. Dann könnte es ernst werden – sollte die Arbeitgeberseite nicht einlenken.

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Rekordgewinne auf der einen, Jobabbau auf der anderen Seite

Die Gewerkschaft argumentiert mit der finanziellen Stärke der Konzerne. Die im DAX notierten Unternehmen schütteten 2025 mit 55,3 Milliarden Euro eine Rekordsumme an ihre Aktionäre aus – ein Plus von 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Die Unternehmen haben das Geld", heißt es aus Gewerkschaftskreisen. „Jetzt müssen sie auch die Belegschaften daran teilhaben lassen."

Neben dem Lohnplus fordert die IG Metall auch höhere Vergütungen für Auszubildende. In den Küstenregionen wird ein monatliches Plus von 170 Euro für die Nachwuchskräfte ins Spiel gebracht. Die letzte Tarifeinigung 2024 brachte den Beschäftigten ein 5,1-prozentiges Plus in zwei Stufen sowie 140 Euro mehr für Azubis.

Doch die wirtschaftliche Lage ist widersprüchlich. Während die Löhne nominal steigen, gerät die Industrie zunehmend unter Druck. In Bayern sank die Beschäftigtenzahl in der Metall- und Elektroindustrie im ersten Quartal 2026 auf 845.000 – ein Minus von 17.000 Stellen binnen Jahresfrist. Bundesweit verliert die Branche seit 2025 monatlich über 10.000 Arbeitsplätze.

Reallohnplus von 1,8 Prozent – doch die Inflation lauert

Positiv: Die Reallöhne in Deutschland ziehen wieder an. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes vom 28. Mai stiegen die Nominallöhne im ersten Quartal 2026 um 4,1 Prozent. Bei einer Teuerungsrate von 2,2 Prozent bleibt den Beschäftigten ein reales Plus von 1,8 Prozent in der Tasche.

Besonders stark profitierten Geringverdiener: Ihr Lohn stieg um 7,0 Prozent – getrieben durch die Anhebung des Mindestlohns auf 13,90 Euro zum Jahresbeginn. Auch Auszubildende legten mit 6,8 Prozent kräftig zu.

Doch die Freude könnte trügerisch sein. Experten des WSI-Forschungsinstituts warnen vor den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts. Steigende Energiepreise könnten die Inflation wieder anheizen und die Reallohngewinne schnell zunichtemachen.

Strukturwandel trifft die Industrie mit voller Wucht

Die Produktion in der Autoindustrie und im Maschinenbau brach im ersten Quartal um rund 8 Prozent ein. Einziger Lichtblick: Die Rüstungs- und Luftfahrtbranche verzeichnete ein Plus von 10 Prozent. Der Strukturwandel hinterlässt tiefe Spuren.

Mehrere Großunternehmen haben bereits Restrukturierungen angekündigt. Der Autozulieferer Mahle will sein Werk in Neustadt an der Donau in der ersten Jahreshälfte 2027 schließen. Immerhin: Ein Sozialplan mit Abfindungen und einer Transfergesellschaft wurde ausgehandelt. Der Ingenieursdienstleister IAV plant den Abbau von bis zu 1.400 Stellen bis Mitte 2027 und die Schließung des Standorts Berlin.

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Regionale Konflikte und Proteste

Auch vor Gericht wird gestritten. In Niedersachsen entschied das Landesarbeitsgericht zugunsten von Volkswagen-Beschäftigten: Das Unternehmen muss die Differenz zwischen alten und neuen Tarifsätzen bei Jubiläumszahlungen nachzahlen – für Mitarbeiter, deren Dienstjubiläum auf den 1. Januar 2025 fiel, bevor ein neuer, schlechterer Tarifvertrag unterzeichnet wurde.

Für den 12. Juni ist ein Stahl-Aktionstag in Völklingen geplant. Die Gewerkschaft protestiert gegen eine mögliche Aufweichung des europäischen Emissionshandelssystems. Beim Standort ATB Nordenham übt die IG Metall Druck auf den chinesischen Mutterkonzern Wolong aus: Nach dem Auslaufen eines Ergänzungstarifvertrags Ende März fehlen klare Zusagen zur Zukunft des Werks.

Die kommenden Monate versprechen konfliktreich zu werden. Die IG Metall geht gestärkt in die Verhandlungen – doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwieriger als lange nicht.

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