IG Metall, Metall- und Elektroindustrie

IG Metall fordert vor Runde am 5. November höheres Angebot

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vor der dritten Runde am 5. November fordert die Gewerkschaftsspitze ein Angebot, das neben mehr Geld auch den Erhalt von ArbeitsplÀtzen und Standorten absichert. Die Arbeitgeber warnen zugleich vor weiteren massiven Jobverlusten in der Industrie.

Warnstreiks und Tarifangebot im November

  • Christiane Benner verlangt vor der dritten Runde verbindliche Antworten zur BeschĂ€ftigungs- und Zukunftssicherung.
  • Am Mittwoch beteiligten sich mehr als 100.000 BeschĂ€ftigte in 460 Betrieben an Warnstreiks.
  • Die Arbeitgeber bieten bislang eine mögliche Einmalzahlung von einem Prozent und 1,3 Prozent mehr Entgelt ab Juli 2028.
Die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, verlangt Nachbesserungen. (Archivbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa

IG Metall fordert vor dritter Runde höheres Angebot

IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie vor der dritten Verhandlungsrunde am 5. November zu einem verbesserten Angebot aufgefordert. Sie bezeichnete die bisherige Offerte mit einer konditionierten Einmalzahlung und einer spĂ€teren Stufenerhöhung als „Zumutung“.

Benner verlangt zudem verbindliche Antworten zur BeschÀftigungs- und Zukunftssicherung sowie ein Bekenntnis zu Standorten und BeschÀftigten.

Warnstreiks erhöhen den Druck

Seit dem Ende der Friedenspflicht am Sonntag ruft die IG Metall zu kurzfristigen Warnstreiks auf. Nach Angaben des Gewerkschaftsvorstands beteiligten sich allein am Mittwoch mehr als 100.000 BeschÀftigte in 460 Betrieben.

FĂŒr Donnerstag sind Schwerpunkte in Baden-WĂŒrttemberg sowie in den Tarifgebieten Mitte und KĂŒste geplant. Als nĂ€chste Eskalationsstufe kommen ganztĂ€gige Warnstreiks infrage, fĂŒr die die Gewerkschaft ihren Mitgliedern auch Streikgeld zahlen könnte.

Arbeitgeberangebot bleibt deutlich hinter Forderung

Die IG Metall fordert fĂŒnf Prozent mehr Geld fĂŒr die BeschĂ€ftigten. Außerdem will sie ĂŒber die Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen und Standorten sowie ĂŒber eine Gewinnbeteiligung fĂŒr BeschĂ€ftigte in profitablen Unternehmen verhandeln.

Die Arbeitgeber bieten bislang eine Einmalzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027. Unternehmen mit geringer ProfitabilitÀt könnten die Zahlung verschieben oder streichen. Eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent soll ab Juli 2028 gelten; der Tarifvertrag soll Ende 2028 auslaufen.

Streit ĂŒber Arbeitszeit und BeschĂ€ftigung

Benner warnte die Arbeitgeber zugleich vor Angriffen auf die 35-Stunden-Woche. Diese habe fĂŒr die BeschĂ€ftigten eine hohe symbolische Bedeutung; zudem arbeiteten die BeschĂ€ftigten bereits flexibel.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt angesichts der Kostenstruktur vor einem weiteren Abbau von ArbeitsplĂ€tzen. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Oliver Zander sagte, seit 2019 habe die Deindustrialisierung allein in der Metall- und Elektroindustrie 350.000 ArbeitsplĂ€tze gekostet; weitere 300.000 seien in den nĂ€chsten zwei bis drei Jahren bedroht.

Zander bezeichnete die Forderung nach fĂŒnf Prozent mehr Geld fĂŒr zwölf Monate als unverantwortlich und warnte vor einer weiteren Eskalation des Tarifkonflikts.

Die dritte Verhandlungsrunde fĂ€llt in eine Tarifauseinandersetzung, die von gegensĂ€tzlichen Erwartungen geprĂ€gt ist. Die IG Metall verlangt fĂŒnf Prozent mehr Geld und will zugleich verbindliche Zusagen fĂŒr BeschĂ€ftigung und Standorte erreichen. Die Arbeitgeber verweisen dagegen auf schwache Auslastung, hohe Kosten und den Strukturwandel in zentralen Industriebranchen.

FĂŒr die BeschĂ€ftigten geht es damit nicht nur um die Höhe der Entgelterhöhung. Die geforderte Sicherung von ArbeitsplĂ€tzen und Standorten zielt auf eine Industrie, in der Unternehmen ihre Produktion anpassen, Investitionen verschieben oder KapazitĂ€ten abbauen. Besonders betroffen sind die Autoindustrie, der Maschinenbau, die Elektroindustrie und die Metallerzeugung.

Tarifkonflikt mit Folgen fĂŒr die Industrie

Die Warnstreiks erhöhen vor der dritten Runde den Druck auf beide Seiten. Mehr als 100.000 Beteiligte an einem Tag zeigen, dass die Gewerkschaft mobilisieren kann. Eine Ausweitung auf ganztĂ€gige Warnstreiks wĂŒrde die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts verstĂ€rken und könnte die GesprĂ€che zusĂ€tzlich verhĂ€rten.

Gleichzeitig stehen die Arbeitgeber unter dem Druck, ein Angebot vorzulegen, das ĂŒber eine konditionierte Einmalzahlung und eine spĂ€tere Stufenerhöhung hinausgeht. FĂŒr die BeschĂ€ftigten ist entscheidend, ob die Verhandlungen neben dem Reallohnschutz auch belastbare Perspektiven fĂŒr ArbeitsplĂ€tze und Standorte bringen. Die dritte Runde kann deshalb klĂ€ren, ob eine AnnĂ€herung möglich ist oder die Eskalation weitergeht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Bayerischer Rundfunk: „Gesamtmetallverband sieht weitere 300.000 Jobs in Gefahr“ (04.11.2026)

Der Beitrag berichtet ĂŒber die Warnung des Gesamtmetallverbands vor weiteren 300.000 gefĂ€hrdeten ArbeitsplĂ€tzen in den kommenden zwei bis drei Jahren. Im Mittelpunkt steht damit die Arbeitgeberperspektive auf Kosten, Auslastung und BeschĂ€ftigungsrisiken.

Stern: „Gesamtmetall schlĂ€gt Alarm: 300.000 Jobs in Metallindustrie bedroht“ (04.11.2026)

Der Artikel greift ebenfalls die BeschĂ€ftigungswarnung der Arbeitgeberseite auf und setzt den Schwerpunkt auf die strukturellen Risiken der Metall- und Elektroindustrie. Gemeinsam ist den BeitrĂ€gen die EinschĂ€tzung, dass die Tarifrunde vor dem Hintergrund eines erheblichen wirtschaftlichen Drucks stattfindet; offen bleibt, ob dieser Druck zu einem höheren Angebot oder zu einer weiteren Eskalation fĂŒhrt.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70457213 |