IG Metall startet Warnstreiks für 3,7 Millionen Beschäftigte
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie ersten Streikorte der Tarifrunde
- Die Nachtschicht bei Thyssenkrupp Rasselstein legte in Andernach befristet die Arbeit nieder.
- Auch RF 360 Europe/Qualcomm in München und KSM Castings in Hildesheim waren beteiligt.
- In Bielefeld sollte am Sonntagabend die erste Aktion in Nordrhein-Westfalen stattfinden.
IG Metall startet Warnstreiks in drei Bundesländern
Die IG Metall hat unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht in der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit Warnstreiks begonnen. In Andernach, München und Hildesheim legten Beschäftigte in der Nacht zum Sonntag befristet die Arbeit nieder.
Nachtschicht versammelt sich in Andernach
Beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach versammelten sich rund 300 Beschäftigte der Nachtschicht zu einer Protestaktion vor dem Werkstor. Auch beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe/Qualcomm in München begann eine Aktion.
Beim Alu-Guss-Unternehmen KSM Castings in Hildesheim beteiligten sich ebenfalls Beschäftigte. In Nordrhein-Westfalen sollte am Sonntagabend eine erste Aktion in Bielefeld stattfinden.
Bundesweite Ausweitung geplant
Die IG Metall will die Warnstreiks in dieser Woche auf das gesamte Bundesgebiet ausweiten. Betroffen sind wichtige Industriezweige wie Autobau, Maschinenbau, Elektronik und Metallerzeugung.
Mit den zeitlich befristeten Ausständen will die Gewerkschaft in den Tarifverhandlungen für rund 3,7 Millionen Beschäftigte den Druck erhöhen. Sie fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten fünf Prozent mehr Geld sowie die Sicherung von Jobs und Standorten.
Arbeitgeber verweisen auf schwierige Lage
Die Arbeitgeber legten in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vor, das im kommenden Jahr eine Einmalzahlung und im Juli 2028 eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent vorsah. Sie begründeten die Offerte unterhalb der Inflation mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage und den hohen Kostenbelastungen der Industrie in Deutschland.
IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner hatte „starke Warnstreiks“ angekündigt. Das Angebot habe in den Betrieben „Unverständnis und Wut“ ausgelöst, erklärte sie.
Gewerkschaft kündigt weitere Aktionen an
Jörg Köhlinger, Vorsitzender des IG-Metall-Bezirks Mitte, bezeichnete den Warnstreik bei Thyssenkrupp Rasselstein als Auftakt einer massiven Warnstreikphase. Die Gewerkschaft wolle Kaufkraft und Zukunft für die Beschäftigten an den Standorten sichern.
Mit dem Ende der Friedenspflicht können befristete Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie ohne vorherige Einigung beginnen. Die Aktionen markieren in Tarifrunden den Übergang von Verhandlungen zu erhöhtem Druck in den Betrieben, ohne bereits einen unbefristeten Streik zu bedeuten.
Die Größenordnung der Runde ist erheblich: Die Vereinbarung soll rund 3,7 Millionen Beschäftigte erreichen. Neben der direkten Entgeltfrage steht der Strukturwandel der Industrie im Mittelpunkt. Vor allem in Autoindustrie, Maschinenbau, Elektronik und Metallerzeugung treffen schwache Nachfrage, hohe Kosten und der Umbau zu neuen Technologien auf die Interessen der Beschäftigten an Einkommen, Beschäftigung und Standortsicherheit.
Tarifkonflikt mit Signalwirkung
Die Positionen liegen deutlich auseinander. Die IG Metall verlangt fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit und pocht zugleich auf den Erhalt von Jobs und Standorten. Das Arbeitgeberangebot sieht dagegen eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 vor. Entscheidend für den weiteren Verlauf wird sein, ob die Warnstreiks Bewegung in die Gespräche bringen.
Für Beschäftigte können die Aktionen kurzfristige Arbeitsausfälle und Einkommenseinbußen bedeuten, zugleich zielen sie auf einen Tarifabschluss mit längerer Wirkung. Für Unternehmen wächst der Druck, Produktion und Lieferketten trotz befristeter Ausstände stabil zu halten. Die angekündigte Ausweitung auf das gesamte Bundesgebiet erhöht die Bedeutung der nächsten Verhandlungsrunden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Warnstreiks bei IG Metall gestartet - auch Mobilfunkzulieferer in München betroffen“ (01.11.2026)
Der Bayerische Rundfunk hebe den Beginn der Aktionen in München und bei Thyssenkrupp Rasselstein sowie die geplante bundesweite Ausweitung hervor. Im Mittelpunkt stünden außerdem die fünfprozentige Forderung und die Sicherung von Arbeitsplätzen.
Stern: „Metall- und Elektroindustrie: Warnstreiks der IG Metall kurz nach Mitternacht gestartet“ (31.10.2026)
Der Stern schildere den Auftakt in Andernach und München sowie die Forderungen und das Arbeitgeberangebot. Anders als der BR24-Beitrag ordne der Artikel stärker die Auseinandersetzung um Kaufkraft, Jobs und die wirtschaftliche Lage der Industrie ein.
Beide Beiträge bestätigten den Beginn kurz nach Ende der Friedenspflicht und die geplante Ausweitung. Unterschiede lägen vor allem im regionalen Schwerpunkt; offen bleibe, ob die Aktionen die Arbeitgeber zu einem verbesserten Angebot bewegen.
