IG Metall: Warnstreiks erfassen 38.000 Beschäftigte in 220 Betrieben
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deNach dem Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht hat die IG Metall in der Nacht zum Sonntag mit Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie begonnen. Erste Arbeitsniederlegungen gab es bei Thyssenkrupp Rasselstein im rheinland-pfälzischen Andernach, wo rund 300 Beschäftigte der Nachtschicht die Arbeit niederlegten, sowie am Münchener Standort von RF 360 Europe/Qualcomm.
Der Aufruf zu den befristeten Ausständen ohne vorherige Urabstimmung erfolgte nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten in Branchen wie dem Fahrzeugbau, dem Maschinenbau, der Elektroindustrie und der Metallverarbeitung.
Rasche Ausweitung der Arbeitsniederlegungen
In der Nacht zum 1. November 2026 eröffnete die Gewerkschaft die Proteste zudem im niedersächsischen Hildesheim mit einer Versammlung von rund 300 Beschäftigten vor dem Werk von KSM Castings. Im weiteren Verlauf zogen dort mehr als 1.000 Menschen durch die Innenstadt; Gewerkschaftsvertreter Stefan Störmer verwies dabei auf die spürbaren Ängste der Belegschaften im Hildesheimer Wald.
Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich an den folgenden betrieblichen Aktionen rasch rund 38.000 Beschäftigte in 220 Betrieben. Schwerpunkte bildeten unter anderem ein einstündiger Ausstand bei Siemens Energy in Berlin sowie Aktionen bei Mercedes-Benz und Siemens Mobility.
Im IG-Metall-Bezirk Mitte, der Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen umfasst, traten am 2. November 2026 Beschäftigte in 25 Betrieben in den Ausstand. Dazu zählte ein Sternmarsch in Koblenz mit rund 800 Teilnehmenden aus sieben Unternehmen.
Wer sich mit betrieblichen Auseinandersetzungen befasst, sollte seine Mitbestimmungsrechte genau kennen. Dieser kostenlose Experten-Guide verrät, wie Arbeitnehmervertreter ihre Rechte voll ausschöpfen können. Welche 25 Fragen sollte jeder Betriebsrat der Geschäftsleitung stellen?
Zudem legten rund 180 Beschäftigte bei thyssenkrupp Bilstein in Mandern die Arbeit nieder, während in Kaiserslautern bei Opel und General Dynamics die Produktion für jeweils zwei Stunden ruhte. In Thüringen versammelten sich rund 350 Beschäftigte in Kölleda, wo neben den Entgelten auch Themen wie Samstagsarbeit und Belastungen im Mittelpunkt standen.
Auch in Baden-Württemberg kam es zu Arbeitsniederlegungen, unter anderem bei ZF Wabco in Mannheim sowie bei Schaeffler in Bühl. Im niedersächsischen Ramsloh rief die IG Metall Oldenburg Belegschaften des Unternehmens Waskönig + Walter zum Ausstand auf.
Tarifpartner streiten über wirtschaftliche Spielräume
Hintergrund der Proteste sind gegensätzliche Vorstellungen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe. Die IG Metall fordert eine Entgelterhöhung von 5 Prozent sowie entsprechende Anpassungen bei den Ausbildungsvergütungen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Zudem verlangt die Gewerkschaft tarifliche Regelungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen sowie Gewinnbeteiligungen in ertragsstarken Betrieben. Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner warnte vor einer weiteren Zuspitzung des Konflikts, sollten die Arbeitgeber ihre Positionen nicht anpassen. Der Bezirksleiter für das Tarifgebiet Mitte, Jörg Köhlinger, stufte das vorliegende Angebot als unzureichend ein.
Besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und drohender Kündigungswellen ist eine fundierte Vorbereitung für Arbeitnehmervertreter unerlässlich. Dieser bewährte Praxis-Leitfaden unterstützt Sie dabei, bei der nächsten Verhandlung sicher aufzutreten. Ratgeber für Betriebsräte jetzt kostenlos downloaden
Das Angebot der Arbeitgeberseite sah nach Gewerkschaftsangaben eine Nullrunde bis Mitte 2028 vor, gefolgt von einer Entgelterhöhung um 1,3 Prozent bei sechs Monaten Restlaufzeit sowie einer erfolgsabhängigen Einmalzahlung von einem Prozent im Jahr 2027. Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Barta verteidigte diesen Vorschlag angesichts der schwierigen Gesamtlage als faire Offerte.
Vertreter von Gesamtmetall und regionalen Verbänden wiesen auf den anhaltenden Beschäftigungsabbau hin. Nach Angaben des Verbands NiedersachsenMetall hat die Branche seit 2018 knapp 350.000 Stellen verloren. Gesamtmetall bezifferte den Verlust seit 2019 auf 350.000 Arbeitsplätze und warnte vor der Gefährdung weiterer 300.000 Stellen.
Hauptgeschäftsführer Oliver Zander kritisierte die Streikaufrufe und verwies auf einen monatlichen Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen. Bertram Brossardt von den bayerischen Arbeitgeberverbänden mahnte am 3. November 2026 ebenfalls zur Mäßigung. Termine für eine dritte Tarifverhandlungsrunde standen zunächst in keinem der regionalen Bezirke fest.
