Ikea senkt Preise und startet Secondhand-Marktplatz in Deutschland
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIkea setzt auf mehrere Kaufanreize
- Der neue Secondhand-Marktplatz startet in dieser Woche in Deutschland für Mitglieder des Ikea-Family-Programms.
- Wer sich den Verkaufserlös als Guthabenkarte auszahlen lässt, erhält zum Start zusätzlich einen Coupon über 15 Prozent des Erlöses.
- In Ingolstadt eröffnete Ende Juni eine knapp 3.000 Quadratmeter große Kleinformat-Filiale mit rund 2.700 Produkten.
Ikea reagiert mit neuen Angeboten und Verkaufsformen auf die Zurückhaltung der Kunden und die Krise der Möbelbranche.
Secondhand-Angebot startet in Deutschland
Auf dem neuen Marktplatz können Mitglieder des Ikea-Family-Programms gebrauchte Möbel kaufen und verkaufen. Der zusätzliche Coupon gilt zum Start, wenn der Verkaufserlös als Guthabenkarte ausgezahlt wird.
Seit 2019 können Kunden gebrauchte Möbel bereits an Ikea zurückverkaufen. Nach Angaben des Unternehmens wächst die Nachfrage nach gebrauchten Wohnprodukten und deren Onlinehandel.
Preise sinken für rund 1.500 Produkte
Anfang September kündigte Ikea an, die Preise für rund 1.500 Produkte zu senken. Der Konzern begründete dies mit der anhaltend hohen Belastung vieler Haushalte durch steigende Lebenshaltungskosten.
Deutschland ist der wichtigste Markt für Ikea. Zugleich wächst der Wettbewerbsdruck durch Anbieter wie Jysk und XXXLutz, während die weltweiten Erlöse nach dem Rekordjahr 2022/2023 zurückgingen.
Neue Formate sollen Kunden erreichen
Bei der Gamescom in Köln präsentierte Ikea gemeinsam mit Xbox die Gaming-Kollektion YXSTABY mit neun Produkten. Dazu gehören unter anderem ein mobiler TV-Ständer, Sitzmöbel und weitere Accessoires.
Die Filiale in Ingolstadt ist deutlich kleiner als herkömmliche Einrichtungshäuser. Ikea konzentriert sich dort auf Wohnaccessoires, kleinere Möbel sowie Küchen- und Haushaltsartikel und wirbt mit der stadtnahen Lage.
Abholstationen und Pop-up-Stores
Im Großraum München und im Rhein-Main-Gebiet testet Ikea Abholstationen auf Parkplätzen von Aldi Süd. Kunden können ihre bestellte Ware dort an Lieferfahrzeugen entgegennehmen.
Pop-up-Stores gibt es am Nürnberger Hauptbahnhof, in der Bremer Innenstadt und in einem Einkaufszentrum in Regensburg. Ob weitere Standorte hinzukommen, wird geprüft.
Weitere Änderungen im Alltag
Seit Juni dürfen Kunden ihre Hunde in alle Ikea-Filialen mitbringen. Im Einrichtungshaus Hamburg-Altona soll im Sommer 2027 der Sportartikelhändler Decathlon einziehen.
Ikea setzt außerdem auf sein Vorteilsprogramm, günstige Restaurantangebote und Einkaufsgutscheine. Die Maßnahmen sollen Kunden binden und zu regelmäßigen Besuchen bewegen.
Branche verzeichnet weitere Rückgänge
2025 sanken die Erlöse der deutschen Möbelhersteller zum dritten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2009. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde erneut weniger Umsatz erzielt.
Handelsexperten sehen in den Maßnahmen den Versuch, Ikea näher an den Alltag der Kunden zu bringen. Offen bleibt, ob dadurch zusätzliche Nachfrage entsteht oder ob sich Umsätze lediglich zwischen verschiedenen Angeboten und Vertriebskanälen verlagern.
Der Möbelmarkt bleibt unter Druck
Die aktuellen Maßnahmen fallen in eine anhaltende Schwächephase der deutschen Möbelbranche. 2025 sanken die Erlöse der Hersteller zum dritten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2009; auch im ersten Halbjahr dieses Jahres ging der Umsatz erneut zurück. Möbelkäufe lassen sich im Vergleich zu vielen Alltagsausgaben leichter verschieben.
Mehr Nähe und niedrigere Einstiegshürden
Ikea reagiert mit mehreren Ansätzen zugleich: Preissenkungen sollen die Belastung der Haushalte berücksichtigen, der Secondhand-Marktplatz spricht preisbewusste Kunden an und kleinere Verkaufsstellen senken die Entfernung zu innerstädtischen Zielgruppen. Abholstationen und Pop-up-Stores ergänzen den Versuch, den Einkauf ohne Fahrt zu einem großen Einrichtungshaus einfacher zu machen.
Entscheidend bleibt die zusätzliche Nachfrage
Die Maßnahmen stärken die Sichtbarkeit der Marke und können Kunden häufiger in Kontakt mit Ikea bringen. Wirtschaftlich entscheidend ist jedoch, ob daraus zusätzliche Käufe entstehen oder bestehende Umsätze lediglich zwischen Filialen, Onlinehandel, Restaurant, Neuware und Gebrauchtangeboten verschoben werden. Der Wettbewerb mit Jysk und XXXLutz erhöht den Druck, zugleich attraktive Preise und rentable Formate zu finden.
