Deutschland, Hessen

Neuer Cum-Ex-Prozess in Frankfurt: Fondsmanager vor Gericht

Veröffentlicht am: 23.10.2025 um 11:54 Uhr | dpa.de

Im Cum-Ex-Steuerskandal hat das nĂ€chste Strafverfahren in Frankfurt begonnen. Angeklagt sind zwei MĂ€nner, die einen Millionenschaden fĂŒr den Fiskus verursacht haben sollen. Sie handelten nicht allein.

  • Finanzplatz Frankfurt: In den Cum-Ex-Steuerskandal sind zahlreiche Banken verstrickt (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
    Finanzplatz Frankfurt: In den Cum-Ex-Steuerskandal sind zahlreiche Banken verstrickt (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
  • Am Landgericht Frankfurt hat der nĂ€chste Cum-Ex-Prozess begonnen (Archivbild) - Bild: Helmut Fricke/dpa
    Am Landgericht Frankfurt hat der nÀchste Cum-Ex-Prozess begonnen (Archivbild) - Bild: Helmut Fricke/dpa
Finanzplatz Frankfurt: In den Cum-Ex-Steuerskandal sind zahlreiche Banken verstrickt (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa Am Landgericht Frankfurt hat der nÀchste Cum-Ex-Prozess begonnen (Archivbild) - Bild: Helmut Fricke/dpa

Am Landgericht Frankfurt hat im milliardenschweren Steuerskandal um Cum-Ex-AktiengeschÀfte der nÀchste Prozess begonnen. Vor Gericht stehen seit diesem Donnerstag zwei Fondsmanager wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in zwei besonders schweren FÀllen, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte. 

Sie hatte im vergangenen Dezember Anklage gegen die beiden Deutschen erhoben. Ihnen wird nach frĂŒheren Angaben vorgeworfen, sich in den Jahren 2008 und 2009 in «bandenĂ€hnlicher Struktur» in Absprache mit weiteren MittĂ€tern an Cum-Ex-Deals beteiligt zu haben. Ziel war es, unrechtmĂ€ĂŸig die Erstattung von Kapitalertragssteuer vom Staat zu erlangen.

Millionenprofite mit illegalen GeschÀften

Bei den Deals der Gruppe soll dem Fiskus ein Steuerschaden von ĂŒber 45 Millionen Euro entstanden sein, so die Generalstaatsanwaltschaft. Die beiden MĂ€nner sollen einem Bericht des «Handelsblatts» zufolge mit den AktiengeschĂ€ften jeweils ĂŒber eine Million Euro verdient haben.

Dabei nutzten die Beschuldigten laut Generalstaatsanwaltschaft eine von ihnen gefĂŒhrte Fondsgesellschaft mit Sitz in Gibraltar fĂŒr AktiengeschĂ€fte «innerhalb kĂŒnstlich geschaffener Handelsketten, mit dem Ziel, rechtswidrige Steueranrechnungen herbeizufĂŒhren». In der Cum-Ex-Szene sprach man demnach von «Voucher Printing», eine spöttische Bezeichnung fĂŒr eine leichte Steuerbescheinigung.

Im Fall einer Verurteilung droht den MĂ€nnern aus Frankfurt und dem nahen Neu-Isenburg eine Haftstrafe. Einem Sprecher des Landgerichts zufolge sind Verhandlungstermine bis in den Januar 2026 angesetzt.

Es handelt sich um die zweite Anklage im Verfahrenskomplex um die Benelux-Bank Fortis, in dem ein GeschĂ€ftsfĂŒhrer im November 2023 zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden war.

Cum-Ex grĂ¶ĂŸter Steuerskandal der Bundesrepublik

Bei Cum-Ex-Deals von Banken und Investmentgesellschaften entstand dem deutschen Staat ein Steuerschaden von geschĂ€tzt mindestens zehn Milliarden Euro. Bei den GeschĂ€ften, die ihre Hochphase von 2006 bis 2011 hatten, ließen sich Anleger eine einmal gezahlte Kapitalertragssteuer auf Dividenden mit Hilfe von Banken mehrfach erstatten.

Dabei wurden rund um den Dividendenstichtag Aktien mit und ohne AusschĂŒttungsanspruch zwischen Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende erstatteten FinanzĂ€mter Steuern auf Dividenden, die gar nicht gezahlt worden waren.

Die Politik reagierte mit erst 2012 mit einer GesetzesĂ€nderung. 2021 entschied der Bundesgerichtshof, dass Cum-Ex-GeschĂ€fte als Steuerhinterziehung zu werten sind. Der Cum-Ex-Betrug gilt als grĂ¶ĂŸter Steuerskandal der Bundesrepublik. Nach und nach wurden immer mehr Angeklagte verurteilt, darunter die SchlĂŒsselfigur Hanno Berger.

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