Handel sagt weitere Schritte gegen LebensmittelabfÀlle zu
27.06.2023 - 16:26:47 | dpa.de
Im Kampf gegen die Verschwendung von Lebensmitteln haben sich SupermĂ€rkte und GroĂhandel auf weitere Schritte und Ziele verpflichtet. Bis 2025 sollen LebensmittelabfĂ€lle um 30 Prozent verringert und bis 2030 halbiert werden, wie eine am Dienstag vorgestellte Vereinbarung von 14 Handelsunternehmen mit dem Bundesagrarministerium vorsieht. Festgehalten werden konkrete MaĂnahmen, damit weniger Produkte im MĂŒll landen. So sollen LĂ€den verstĂ€rkt Lebensmittel weitergeben und Kooperationen mit Tafeln und anderen sozialen Einrichtungen oder Plattformen ausbauen.
Minister Cem Ăzdemir (GrĂŒne) sprach in Berlin von einem Pakt, damit wertvolle Lebensmittel im Topf und auf dem Teller landen statt in der Tonne. Weniger Verschwendung schone Umwelt und Klima, sei aber auch ein Hebel im Kampf gegen den Hunger in der Welt und habe mit WertschĂ€tzung fĂŒr die Arbeit der Landwirte zu tun. Genutzt werden solle auch die «Schnittstellenfunktion» des Handels mit seinen Beziehungen zu Lieferanten und Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Von Aldi bis Rewe
An der Vereinbarung beteiligen sich unter anderem die groĂen Supermarkt- und Discounterketten Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Metro, Netto, Norma, Penny und Rewe. Ăzdemir sagte: «Unser Pakt basiert auf Freiwilligkeit, aber ist alles andere als eine lose Vereinbarung, denn wir haben klare und verbindliche Regeln verabredet.» Die Vereinbarung gilt ab sofort bis Ende 2031. Vorgesehen sind auch öffentliche Zwischenbilanzen zu den Zielen.
Konkret sollen Lebensmittel, die nicht verkauft werden, möglichst hochwertig weiterverwendet oder verwertet werden. Vorgesehen sind etwa Verbesserungen in Logistik- und KĂŒhlketten. Produkte kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums sowie Obst und GemĂŒse mit «Schönheitsfehlern» sollen gezielt verkauft werden. «Auch ein Apfel mit Dellen schmeckt sehr gut», sagte Ăzdemir. Er appellierte auch an Supermarktkunden, abends nicht ein so volles Sortiment zu erwarten wie morgens.
JĂ€hrlich landen in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem MĂŒll, wie das Statistische Bundesamt nach Daten fĂŒr 2020 ermittelte. Dabei entfielen 7 Prozent oder 762 000 Tonnen auf den Handel. Der GroĂteil entstand mit 59 Prozent in Privathaushalten. Weitere 17 Prozent fielen in GaststĂ€tten und Kantinen an, 15 Prozent in der Verarbeitung und 2 Prozent in der Landwirtschaft.
Freiwillige Selbstverpflichtung
Der PrĂ€sident des Handelsverbands Lebensmittel, Friedhelm Dornseifer, sprach von einem Meilenstein beim Einsatz der Branche zur Senkung von Lebensmittelverlusten: «Damit zeigen wir, dass man auch freiwillig vereinbaren kann, was andere EU-Staaten gesetzlich regeln mĂŒssen.»
Das «BĂŒndnis Lebensmittelrettung», dem unter anderem die Deutsche Umwelthilfe und die Umweltorganisation WWF angehören, begrĂŒĂte die Zielvorgaben. Die freiwillige Selbstverpflichtung sei aber ein «stumpfes Schwert ohne rechtliche Sanktionsmöglichkeiten». Ăzdemir mĂŒsse der gesamten Lieferkette gesetzlich verbindliche Vorgaben gegen Lebensmittelverschwendung machen. Die vorgelagerte Produktion und Verarbeitung blieben vorerst ohne Reduktionsvorgaben.
Ziel der Bundesregierung ist, LebensmittelabfĂ€lle bis 2030 zu halbieren. Noch die vorherige Regierung hatte dazu eine Strategie angestoĂen, die Regelungen auf freiwilliger Basis fĂŒr die jeweiligen Stufen der Lebensmittelkette von der Ernte zum Teller anstrebt. Eine Zielvereinbarung fĂŒr die AuĂer-Haus-Verpflegung der Gastronomie wurde schon abgeschlossen.
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