LĂ€nder prĂŒfen KĂŒrzungen im ĂPNV
04.11.2024 - 07:05:06 | dpa.deMancherorts ist das sogar schon beschlossene Sache. In Schleswig-Holstein etwa fallen zum Fahrplanwechsel im Dezember auf zahlreichen Regionalzuglinien VerstĂ€rkerzĂŒge und Verbindungen in Randzeiten sowie am Wochenende weg.
"Die Abbestellungen - auch wenn es nur Randzeiten und weniger als 1,5 Prozent aller Verbindungen im Land betrifft - bleiben schmerzhaft und sind sicher nicht das Signal, das wir senden wollen", teilte Landesverkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) im August mit.
Verband: Abbestellungen drohen auch anderorts
Auch in anderen LĂ€ndern werden Angebotsreduzierungen auf der Schiene konkreter. "Niedersachsen hat eine PrĂŒfung angekĂŒndigt und nach unserem Kenntnisstand drohen Abbestellungen auch in Baden-WĂŒrttemberg und Nordrhein-Westfalen", teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) auf Anfrage mit. Die Planungen bezögen sich dabei auf das kommende Jahr, also den Fahrplanwechsel im Dezember 2025.
"Es geht nicht nur um Abbestellungen von bereits laufenden Verkehren, sondern auch um nicht mehr finanzierbare Mehrbestellungen", erklĂ€rte der VDV. Es gehe also auch um VerstĂ€rkerzĂŒge, die wegen des hohen Fahrgastwachstums bereits geplant waren, "aber noch auf einer Kostenbasis kalkuliert wurden, die angesichts der extrem gestiegenen Kosten jetzt nicht mehr realisierbar sind".
Einnahmen decken die Kostensteigerungen nicht ab
Der Grund fĂŒr die Reduzierung ist ĂŒberall derselbe: Es fehlt an Geld, um die steigenden Kosten fĂŒr den Betrieb zu decken. Die Personalkosten fĂŒr die Unternehmen sind dem Verband zufolge zwischen 2019 und 2021 um rund 13 Prozent gestiegen, der Materialaufwand etwa fĂŒr Reparatur und Instandhaltung, aber auch fĂŒr Betriebsstoffe und Energie sogar um fast 40 Prozent. Seither ist die Inflation zwar wieder zurĂŒckgegangen. Doch die Kosten bleiben hoch.
FĂŒr den Regionalverkehr auf der Schiene sind die LĂ€nder verantwortlich. Finanziert wird er aus den Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf sowie vom Bund ĂŒber die sogenannten Regionalisierungsmittel. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich diese Bundesmittel inklusive Sonderzahlungen auf rund 12,4 Milliarden Euro.
Bis 2031 soll dieser Topf fĂŒr die LĂ€nder pro Jahr um drei Prozent wachsen. "Doch die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen liegen deutlich darĂŒber", hieĂ es vom VDV. Aus Sicht der Branche mĂŒssten die Regionalisierungsmittel jedes Jahr um rund drei Milliarden Euro zunehmen, um allein das bestehende Angebot zu sichern. Derzeit laufen erneut Haushaltsverhandlungen des Bundes, auch ĂŒber diese Frage.
Nachfrage stark gestiegen - ĂPNV stöĂt öfter an Grenzen
LĂ€nder und Branche fordern schon lange eine auskömmliche Finanzierung. Zum einen ist der Sektor eine tragende SĂ€ule fĂŒr die Verkehrswende und damit fĂŒr die Klimaziele des Bundes. Zum anderen ist die Nachfrage seit dem Einbruch in der Corona-Krise wieder stark gestiegen. Das liegt vor allem am Deutschlandticket.
Allein im ersten Halbjahr waren rund 5,6 Milliarden Menschen mit Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehrs unterwegs, wie das Statistische Bundesamt vor einigen Wochen mitteilte. Das waren rund sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Schon 2023 lag das Plus im Vorjahresvergleich bei acht Prozent.
Die hohe Nachfrage bringt den ĂPNV an reisestarken Wochenenden schon jetzt hĂ€ufig an seine KapazitĂ€tsgrenzen und darĂŒber hinaus. Wer etwa schon mal an einem sonnigen Samstag per Zug und mit dem Fahrrad ins Berliner Umland gereist ist, kennt das Problem. Eine Reduzierung des Angebots wĂŒrde je nach Umfang die Situation weiter verschĂ€rfen.
Tickets werden nÀchstes Jahr wieder vielerorts teurer
Die LĂ€nder behelfen sich derzeit vor allem mit höheren Fahrpreisen. Im kommenden Jahr werden Busse und Bahnen vielerorts erneut teurer. In Berlin und Brandenburg wurde kĂŒrzlich eine durchschnittliche Erhöhung der Ticketpreise um rund 7,5 Prozent bekannt. Auch Bremen, MĂŒnchen und die groĂen NRW-VerkehrsverbĂŒnde haben bereits Preissteigerungen ab Januar angekĂŒndigt.
"Ăberdeckt werden die Abbestell-Szenarien derzeit noch von einem RĂŒckfluss an Mitteln von den Verkehrsunternehmen im Schienenpersonennahverkehr an die AufgabentrĂ€ger aus den Vertragsstrafen", teilte der VDV weiter mit. Diese sogenannten Pönalen werden fĂ€llig, wenn Verkehrsunternehmen die mit den LĂ€ndern und AufgabentrĂ€gern vereinbarten Leistungen bei PĂŒnktlichkeit oder AusfĂ€llen nicht einhalten konnten.
Hierbei soll es sich dem VDV zufolge um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag handeln. "Das verschafft den AufgabentrĂ€gern wieder etwas Puffer und zögert Abbestellungen hinaus, aber das ist nur ein temporĂ€res PhĂ€nomen." Es ist aus dieser Sicht eine Frage der Zeit, bis weitere LĂ€nder Angebotsreduzierungen ankĂŒndigen mĂŒssen, wenn die Finanzierung nicht nachhaltig gesichert wird.
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