Immobilienkauf: BFH kippt Besteuerung von zinslosen Ratenzahlungen
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zinslose Ratenzahlungen beim Immobilienkauf bleiben steuerfrei. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass bei zinslosen Kaufpreisstundungen im Privatvermögen keine fiktiven Zinsanteile versteuert werden müssen. Das am 23. Juli 2026 bekannt gewordene Urteil (Az. VIII R 30/24) dürfte vor allem Erstkäufer und junge Familien entlasten.
Abkehr von fiktiven Zinsanteilen
Bisher behandelten Finanzbehörden zinslose Ratenzahlungen oft als verdeckte Kapitalerträge. Ein Teil der Zahlungen galt als fiktive Zinsen – und wurde entsprechend besteuert. Der BFH stellte nun klar: Diese Praxis ist bei privaten Veräußerungsgeschäften nicht zulässig.
Die bloße Stundung eines Kaufpreises generiert keine steuerpflichtigen Einkünfte aus Kapitalvermögen. Käufer und Verkäufer müssen keine rechnerischen Zinskomponenten mehr in der Steuererklärung angeben. Voraussetzung: Es handelt sich um Vorgänge im Privatvermögen.
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Keine Schenkungsteuer bei bloßer Stundung
Das Gericht beschäftigte sich auch mit den Folgen für die Schenkungsteuer. Die bloße Stundung eines Kaufpreises – selbst ohne Zinserhebung – ist keine schenkungsteuerpflichtige Zuwendung. Das schafft Rechtssicherheit bei privaten Kaufverträgen, etwa innerhalb von Familien oder bei Nachfolgeplanungen.
Marktbeobachter erwarten direkte Auswirkungen auf Finanzierungsmodelle im Immobilienmarkt. Zinslose Ratenzahlungen könnten als Alternative zu klassischen Bankkrediten deutlich attraktiver werden.
Ausnahmen bei Betriebsvermögen
Die neue Rechtsprechung gilt ausschließlich für das Privatvermögen. Bei Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens bleibt die Abzinsung unverzinslicher Verbindlichkeiten weiterhin relevant. Auch verdeckte Zinsabreden sind vom Urteil nicht erfasst.
Sollten vertragliche Vereinbarungen einen Zinsanteil lediglich im Kaufpreis verstecken, bleibt eine steuerliche Erfassung möglich. Die Finanzbehörden dürfen weiterhin eine Gesamtwürdigung des Einzelfalls vornehmen.
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Weitere steuerrechtliche Entwicklungen
Das Urteil reiht sich in eine Serie aktueller Entscheidungen ein. So bestätigte das Bundesverwaltungsgericht am 22. Juli 2026 die Rechtmäßigkeit der Zweitwohnungsteuersatzung der Gemeinde Tönning (Az. 8 C 1.26). Die Berechnungsmethode mit Lage- und Baujahresfaktoren verletzt demnach nicht den Gleichheitssatz.
Ab dem 1. September 2026 ergeben sich zudem neue Beratungsmöglichkeiten: Durch den Wegfall der Nebeneinkunftsgrenzen können künftig mehr Arbeitnehmer und Rentner Lohnsteuerhilfevereine nutzen – selbst bei höheren Mieteinnahmen oder Kapitalerträgen.
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