TeilzeitbeschÀftigte arbeiten lÀnger - Rekord bei Quote
27.05.2026 - 12:18:18 | dpa.deAm deutschen Arbeitsmarkt setzten sich Teilzeit-Modelle immer mehr durch. Anteilig arbeiteten im vergangenen Jahr so viele Menschen mit reduzierter Stundenzahl wie nie zuvor, berichtet das Statistische Bundesamt. Auf der Grundlage des Mikrozensus errechnet die Behörde einen Teilzeitanteil von 31,9 Prozent aller BeschĂ€ftigten. Sie leisteten im Schnitt 21,3 Wochenstunden und damit 0,1 Stunden mehr als im Vorjahr und 2,0 Stunden mehr als im Jahr 2015.Â
Die Expertin Yvonne Lott von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung sieht diese Entwicklung positiv: «Das zeigt, dass lĂ€ngere Teilzeitmodelle im Arbeitsleben angekommen sind: nicht das klassische kurze Teilzeit-Modell, sondern substanziellere Teilzeit, die mehr Erwerbsbeteiligung ermöglicht. Das ist gut fĂŒr die BeschĂ€ftigten, gut fĂŒr die Vereinbarkeit â und gut fĂŒr den Arbeitsmarkt.»Â
Vollzeitjobs gehen in der Industrie verlorenÂ
Zu einer noch höheren Teilzeit-Quote von 39,9 Prozent kam bereits im MĂ€rz das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf einer anderen Datengrundlage. Der IAB-Arbeitszeitberechnung zufolge erhöhte sich die Zahl der in Teilzeit BeschĂ€ftigten verglichen mit 2024 um 1 Prozent auf 16,88 Millionen. Die Zahl der VollzeitbeschĂ€ftigten ging dagegen um 0,6 Prozent auf 25,43 Millionen zurĂŒck. Hier spiegeln sich Jobverluste in der Industrie und Zugewinne in typischen Teilzeitsparten wie Gesundheits- und Sozialwesen.Â
Die Arbeitszeit der VollzeitbeschĂ€ftigten blieb dagegen laut Bundesamt mit durchschnittlich 39,9 Wochenstunden im Vergleich zum Vorjahr unverĂ€ndert. Damit arbeiteten die VollzeitkrĂ€fte etwas weniger als noch vor zehn Jahren, als die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei 40,5 Stunden lag.Â
Teilzeit bleibt Generationen- und GeschlechterfrageÂ
Besonders hĂ€ufig sind dem Bundesamt zufolge Frauen in Teilzeit tĂ€tig: Mehr als jede zweite Frau (50,6 Prozent) arbeitete 2025 in Teilzeit. Bei MĂ€nnern war es dagegen nur etwa jeder Siebte (14,3 Prozent). Zwar bleibt der Unterschied groĂ, allerdings ist die Teilzeitquote bei MĂ€nnern in den vergangenen Jahren stĂ€rker gestiegen als bei Frauen. Im Jahr 2015 waren es noch 10,6 Prozent der MĂ€nner und 48 Prozent der Frauen.Â
Besonders deutlich sind die Unterschiede bei jungen Familien: Unter erwerbstĂ€tigen MĂŒttern mit Kindern unter 18 Jahren lag die Teilzeitquote bei 66,4 Prozent. Bei VĂ€tern waren es lediglich 8,6 Prozent.Â
Lifestyle oder selbstbestimmtes Arbeiten?Â
In der Debatte ĂŒber Arbeitszeitmodelle und Erwerbsbeteiligung sorgte der WirtschaftsflĂŒgel der CDU mit einem Antrag unter dem Titel «Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit» insbesondere bei den Gewerkschaften fĂŒr Empörung. Die Böckler-Expertin Lott hĂ€lt nun dagegen: «Das ist kein RĂŒckzug aus dem Erwerbsleben. Das ist selbstbestimmtes Arbeiten in einem Umfang, der zu Lebensphasen und -entscheidungen passt.» Man wisse auch, dass ein erheblicher Anteil der Frauen gerne noch mehr arbeiten wĂŒrde. DafĂŒr wĂ€ren aber stabilere Angebote bei der Kinderbetreuung notwendig.Â
Auch mit zunehmendem Alter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigt die Teilzeitquote deutlich an. WĂ€hrend unter den 55-JĂ€hrigen knapp ein Drittel in Teilzeit arbeitete, war es bei den noch erwerbstĂ€tigen 65-JĂ€hrigen bereits mehr als die HĂ€lfte. Unter 70-JĂ€hrigen lag der Anteil sogar bei gut 90 Prozent.Â
Der Arbeitsmarkt insgesamt stagniert: Die Zahl der ErwerbstÀtigen blieb laut IAB im vergangenen Jahr in Deutschland mit 45,98 Millionen in etwa gleich (minus 5.000 Personen). Diese arbeiteten zusammen etwa 61,26 Milliarden Stunden und damit 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Durchschnittlich leisteten die BeschÀftigten 2025 in Deutschland 30,4 Stunden in der Woche, genauso viel wie 2024. Im Vergleich: 2016 waren es noch 30,12 Stunden.
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