Batteriespeicher, Energiewende

Batteriespeicher: Großanlagen vervierfachen sich auf 220

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Deutschland sind in den ersten neun Monaten rund 493.000 Batteriespeicher gemeldet worden. Besonders stark wächst das Segment der Großspeicher, während der Branchenverband bis 2030 einen noch deutlich höheren jährlichen Zubau fordert.

Speicherzahlen nach Anlagengröße

  • Bis zum 12. Oktober waren rund 493.000 neue Anlagen für die ersten drei Quartale gemeldet.
  • Großspeicher über einem Megawatt legten von 63 auf 220 Anlagen zu.
  • Der Verband erwartet für das Gesamtjahr einen Zubau von deutlich mehr als 10 Gigawattstunden.
  • In Deutschland sind in diesem Jahr schon Hunderttausende Batteriespeicher in Betrieb gegangen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Der BSW-Solar plädiert für mehr Kombinationen aus Speicher und erneuerbaren Energien. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa
In Deutschland sind in diesem Jahr schon Hunderttausende Batteriespeicher in Betrieb gegangen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Der BSW-Solar plädiert für mehr Kombinationen aus Speicher und erneuerbaren Energien. (Archivbild) - Bild: Jan Woitas/dpa

Deutschland meldet 8,2 Gigawattstunden neue Speicher

In Deutschland sind im laufenden Jahr bereits rund eine halbe Million Batteriespeicher in Betrieb genommen worden. Die bis zum 12. Oktober für die ersten neun Monate gemeldeten Anlagen erreichen zusammen 8,2 Gigawattstunden Kapazität, 91 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Nachmeldungen dürften Zahl weiter erhöhen

Für die ersten drei Quartale wurden rund 493.000 Anlagen registriert. Einschließlich erwarteter Nachmeldungen rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft mit rund 534.000 neuen Anlagen in diesem Zeitraum.

Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Zubau von deutlich mehr als 10 Gigawattstunden. Die bislang gemeldete Kapazität entspricht rechnerisch dem Strombedarf Münchens für knapp einen halben Tag.

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Großspeicher vervierfachen ihre Kapazität

Bei der Zahl der Anlagen wuchs der Markt weniger stark als bei der Kapazität. Besonders große Speicher treiben die Entwicklung.

Die Zahl der Großspeicher mit mehr als einem Megawatt stieg von 63 auf 220. Ihre neue Kapazität erhöhte sich von 0,9 auf 3,8 Gigawattstunden.

Heimspeicher bleiben das größte Segment

Die Großspeicher überholten damit beim Kapazitätszubau die Heimspeicher mit zwei bis 20 Kilowattstunden. In diesem Segment stieg die Zahl der neuen Anlagen von 261.000 auf 303.000, die Kapazität wuchs von 2,6 auf 3,2 Gigawattstunden.

Hinzu kamen 172.000 Kleinstspeicher mit bis zu fünf Kilowattstunden und 17.000 Gewerbespeicher mit 20 bis 1.000 Kilowattstunden. Sie erreichten zusammen 0,5 beziehungsweise 0,7 Gigawattstunden.

Verband fordert schnelleren Ausbau

Batteriespeicher sollen Schwankungen bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen ausgleichen. BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig bezeichnete sie als Wachstumstreiber und Effizienz-Hebel der Energiewende.

Nach Einschätzung des Verbands muss der Ausbau deutlich schneller vorankommen. Bis 2030 werde jährlich die vier- bis fünffache Menge der für dieses Jahr erwarteten 10 Gigawattstunden benötigt.

Reformen für Speicher und Netze

Der BSW-Solar schlägt in einem Positionspapier Erleichterungen für den gemeinsamen Betrieb von Batteriespeichern mit Solar- und Windparks sowie an Verbrauchsstandorten vor. Zudem geht es um Speicher an Umspannwerken und Änderungen bei der Abschaltung von Anlagen bei drohenden Netzengpässen.

Körnig fordert, Batteriespeicher zur Chefsache zu machen. Sie könnten vorhandene Netze effizienter nutzen und verhindern, dass günstiger Solar- und Windstrom ungenutzt bleibt.

Der starke Zubau verschiebt den Schwerpunkt des deutschen Speichermarkts sichtbar von kleinen Heimanlagen hin zu größeren Anlagen. Großspeicher können Strom aus Zeiten hoher Solar- und Windeinspeisung aufnehmen und später wieder abgeben. Dadurch ergänzen sie Netzausbau und Erzeugungskapazitäten, ersetzen diese aber nicht.

Großspeicher werden systemrelevant

Die Entwicklung folgt dem wachsenden Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung. Je häufiger Angebot und Nachfrage zeitlich auseinanderfallen, desto wichtiger werden flexible Speicher, die innerhalb kurzer Zeit auf Preissignale und Netzsituationen reagieren können. Das gilt besonders für Regionen mit vielen Wind- und Solaranlagen.

Aktuelle Projekte zeigen, dass dieser Trend bereits in konkrete Infrastruktur übersetzt wird. Im saarländischen Karlsbrunn entsteht ein Speicher mit sechs Megawatt Leistung und 30 Megawattstunden Kapazität; die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2027 geplant.

Ausbau trifft auf Netzengpässe

Parallel wächst der Druck auf die Stromnetze. Die neue Ultranet-Verbindung zwischen Mannheim und Philippsburg soll nach Angaben des SWR Ende 2026 den ersten Strom transportieren; in Philippsburg entsteht zudem ein großer Batteriespeicher. Speicher können Leitungen entlasten, wenn sie Strom lokal aufnehmen oder zu stark belasteten Zeiten abgeben.

Für Verbraucher bleibt entscheidend, ob der Ausbau die Integration erneuerbarer Energien tatsächlich günstiger macht. Dafür braucht es neben Investitionen auch klare Regeln für Netzanschlüsse, Standortwahl und den gemeinsamen Betrieb von Speichern mit Solar- und Windparks. Der vom BSW-Solar geforderte deutlich höhere jährliche Zubau bis 2030 macht diese Fragen zu einem zentralen Teil der Energiepolitik.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Saarland: Karlsbrunn bekommt Großbatteriespeicher für 7,2 Millionen Euro“ (20.10.2026)

Der Beitrag beschreibt den Baubeginn eines Großspeichers in Karlsbrunn und nennt Leistung, Kapazität, Kosten sowie den geplanten Start im Frühjahr 2027. Er setzt den Schwerpunkt auf ein konkretes Regionalprojekt und zeigt damit, wie sich der im Bundesvergleich gemeldete Großspeichertrend vor Ort materialisiert.

SWR Aktuell: „Stromleitung Ultranet zwischen Mannheim und Philippsburg fertig“ (21.10.2026)

Der SWR verbindet den Abschluss eines Leitungsabschnitts mit dem geplanten Stromtransport von Nord- nach Süddeutschland und verweist auf einen großen Batteriespeicher in Philippsburg. Anders als die bundesweiten Zubauzahlen steht hier das Zusammenspiel von Übertragungsnetz und Speichern im Mittelpunkt.

Beide Beiträge unterstreichen die wachsende Bedeutung großer Speicher für Netzflexibilität und die Energiewende. Der eine zeigt ein einzelnes Bauvorhaben, der andere die Einbindung von Speichern in eine überregionale Strominfrastruktur.

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