GestÀndnisse, TrÀnen

GestĂ€ndnisse und TrĂ€nen im ersten MĂŒnchner Cum-Ex-Prozess

07.11.2024 - 12:44:54 | dpa.de

In MĂŒnchen sind zwei Fondsmanager wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 343 Millionen Euro angeklagt. Einer zog Parallelen zu einem bekannten Brettspiel.

In MĂŒnchen beginnt der Prozess gegen zwei Fondsmanager wegen Cum-Ex-Steuerhinterziehung. - Foto: Lennart Preiss/dpa

Unter TrĂ€nen haben zwei wegen Cum-Ex-GeschĂ€ften mit einem Schaden von 343 Millionen Euro angeklagte Fondsmanager gestanden und sich entschuldigt. K. und sein mitangeklagter Kollege U. rĂ€umten die Anklage im ersten MĂŒnchner Cum-Ex-Prozess, der heute begonnen hat, im Wesentlichen ein. Ihnen stehen nun voraussichtlich mehrjĂ€hrige Haftstrafen bevor. 

Beide MĂ€nner hĂ€tten bei den Taten vor 14 bis 16 Jahren große Fehler gemacht, rĂ€umte die Verteidigung in einem Anfangsstatement ein. Sie stĂŒnden nun vor einem finanziellen und privaten Scherbenhaufen, warben die AnwĂ€lte um Milde. K. trug sein GestĂ€ndnis noch am Vormittag teils mit trĂ€nenerstickter Stimme vor. Er frage sich heute selbst, warum er damals mitgemacht habe, schließlich habe er bereits finanziell ausgesorgt und eine glĂŒckliche Familie gehabt, sagte der mehrfache Vater und Großvater.

«Ein bisschen wie Monopoly»

Entscheidend seien wohl Gier, ĂŒbertriebener Ehrgeiz und Überheblichkeit gewesen, mutmaßte K. zu seinem damaligen Antrieb. Er habe geglaubt, ein Spiel zu beherrschen und das System zu schlagen. Alles habe sich «ein bisschen wie Monopoly» angefĂŒhlt, sagte er. FĂŒr ihn heiße es nun aber: Gehen Sie direkt in das GefĂ€ngnis, gehen Sie nicht ĂŒber Los, sagte er in Anspielung auf eine bekannte Karte in dem Brettspiel. Dies sei aber die gerechte Strafe fĂŒr sein Verhalten.

Zuvor hatte die Vorsitzende Richterin Andrea Wagner ĂŒber ein GesprĂ€ch zwischen ihr, Staatsanwaltschaft und Verteidigung berichtet. Demzufolge stehen auch bei vollumfĂ€nglichen GestĂ€ndnissen und unter BerĂŒcksichtigung des Alters der beiden Angeklagten wohl mehrjĂ€hrige Haftstrafen in einer Dimension um fĂŒnf bis sechs Jahre im Raum - auch angesichts des hohen Schadens. Die Verteidigung betonte allerdings, dass mehr als 200 Millionen Euro bereits zurĂŒck an den Fiskus geflossen seien und auch der restliche Schaden zurĂŒckgefordert werden könne.

«Die Augen verschlossen und weggesehen»

Auch dem mit angeklagten U. brach bei seinem GestĂ€ndnis die Stimme, als er sich daran erinnerte, wie sein inzwischen verstorbener Vater, ein ehemaliger Polizist, ihn einst gefragt hatte, ob die GeschĂ€fte denn legal seien. Er hĂ€tte sich mit den Themen intensiver befassen mĂŒssen, aber er habe «die Augen verschlossen und weggesehen», sagte er. Beide Angeklagte zeichneten in ihren GestĂ€ndnissen allerdings das Bild, selbst nicht in der allerersten Reihe der AktivitĂ€ten gestanden zu haben.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den beiden MĂ€nnern vor, an einem komplexen Geflecht beteiligt gewesen zu sein, ĂŒber das in den Jahren 2009 und 2010 hunderte Millionen Aktien im zweistelligen Milliardenwert gehandelt wurden. Dabei wurde die sogenannte Cum-Ex-Methode angewandt, um den Fiskus dazu zu bringen, Kapitalertragssteuer zurĂŒckzuerstatten, die zuvor gar nicht gezahlt wurde. Der Name Cum-Ex kommt daher, dass die Aktien rund um den Dividendenstichtag mit («cum») und ohne («ex») AusschĂŒttungsanspruch hin und her geschoben wurden. 

Millionen fĂŒr die Angeklagten

Im MĂŒnchner Fall wurden dafĂŒr laut Anklage LeerverkĂ€ufe ĂŒber auslĂ€ndische Depotbanken genutzt. Die beiden MĂ€nner sollen fĂŒr ihren Tatbeitrag laut Anklage jeweils rund 16 Millionen Euro erhalten haben. Die Verteidigung spricht von einer niedrigeren Summe. K. sprach von etwa der HĂ€lfte.

Die jetzt angeklagten GeschĂ€fte sind dabei bei weitem nicht die Einzigen. Es gibt diverse andere Verfahren. Insgesamt soll der Staat durch die Masche um einen zweistelligen Milliardenbetrag geprellt worden sein. 2021 entschied der Bundesgerichtshof, dass Cum-Ex-GeschĂ€fte als Steuerhinterziehung zu werten sind. Erste Verurteilungen gab es bereits. Die Aufarbeitung und Strafverfolgung dĂŒrfte noch Jahre dauern. Auch in MĂŒnchen werden weitere Anklagen erwartet.

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