IndustriearbeitsplÀtze, Stellen

IndustriearbeitsplÀtze: 496.000 Stellen im Verarbeitenden Gewerbe verloren

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gewerkschaften warnen vor politischen Folgen des industriellen Wandels; Unternehmen erwarten weiteren Stellenabbau und BeschÀftigte bereiten ArbeitskÀmpfe vor.
Leere, dĂŒstere Fabrikhalle mit massiven Industriemaschinen bei einfallendem DĂ€mmerlicht. Illustration mit AI erstellt.

Wirtschaftliche Verunsicherung und die Furcht vor einem anhaltenden industriellen Substanzverlust verÀndern die politische Stimmung in den Werkshallen. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), Michael Vassiliadis, warnte vor den politischen Folgen dieser Entwicklung: Zunehmende ZukunftsÀngste und die Furcht vor einem industriellen Niedergang treiben FachkrÀfte aus der Fertigung vermehrt zur AfD.

Gewerkschaften kritisieren politische Leere und Sozialpolitik

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi fĂŒhrte die jĂŒngsten Wahlerfolge der AfD ebenfalls auf VersĂ€umnisse der etablierten Politik zurĂŒck. UrsĂ€chlich seien vor allem die SchwĂ€che der anderen Parteien sowie das Fehlen einer glaubhaften Aufschwung- und Fortschrittsperspektive. Fahimi warf der Bundesregierung vor, eine echte Wirtschaftspolitik durch SozialkĂŒrzungen zu ersetzen.

Gleichzeitig warnte die DGB-Chefin vor den realen Konsequenzen eines Erstarkens der Partei. Eine AfD-Regierung wĂŒrde das Land wirtschaftlich isolieren, die Demokratie abbauen und Reiche noch reicher machen. Fahimi forderte stattdessen klare industriepolitische Weichenstellungen.

Staatliche Förderungen und steuerliche Vorteile sollten ausschließlich Unternehmen erhalten, die wesentlich in Europa forschen und produzieren. Zudem mĂŒsse der Import technologisch und strategisch wichtiger Produkte begrenzt werden, damit Deutschland nicht zwischen Zöllen der USA und hochsubventionierten Unternehmen aus China zerrieben werde.

Mit Blick auf die Sozialsysteme mahnte Fahimi mehr Gerechtigkeit an und kritisierte ArbeitgeberverbĂ€nde dafĂŒr, Wachstum einseitig auf niedrigere Arbeitskosten und geringere SozialbeitrĂ€ge zu verengen.

Dramatischer Stellenabbau im Verarbeitenden Gewerbe

Die Warnungen der Gewerkschaftsspitzen fallen in eine Phase massiver struktureller UmbrĂŒche im industriellen Sektor. Daten des ifo-Instituts belegen das Ausmaß des Wandels: Zwischen Ende 2018 und Ende 2025 gingen im Verarbeitenden Gewerbe bundesweit 496.000 sozialversicherungspflichtige ArbeitsplĂ€tze verloren.

Auch der Ausblick der Unternehmen bleibt gedĂ€mpft. In einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unter 1.461 Betrieben mit rund 800.000 BeschĂ€ftigten bewerteten 39 % die aktuelle GeschĂ€ftslage als schlecht und 40 % als befriedigend. Rund 21 % der Betriebe rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Zudem gehen 42 % der befragten Unternehmen davon aus, in den kommenden sechs Monaten Stellen abbauen zu mĂŒssen.

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Zuspitzung der Konflikte in den Betrieben

Die Verunsicherung der BeschĂ€ftigten zeigt sich derzeit in konkreten ArbeitskĂ€mpfen und anstehenden Tarifauseinandersetzungen. Bei den Deutschen Edelstahlwerken und dem Mutterkonzern Swiss Steel, der an fĂŒnf Standorten in Nordrhein-Westfalen fast 3.000 Menschen beschĂ€ftigt, stehen Umstrukturierungen an.

In NRW könnten 1.100 Stellen wegfallen. Allein gegen eine geplante Pause der Stahlproduktion in Siegen-Geisweid ab Mitte 2028 mobilisierte die IG Metall zuletzt 3.500 Demonstrierende. Nach Angaben der Gewerkschaft sind durch die Restrukturierung bis zu 3.000 ArbeitsplÀtze in Siegen und angeschlossenen Bereichen bedroht.

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Parallel verschĂ€rfen sich die Spannungen bei Zulieferern: Beim Automobilzulieferer Aios im saarlĂ€ndischen Überherrn, der Teile fĂŒr mehrere Oberklassefahrzeuge von Mercedes fertigt und einen Insolvenzantrag gestellt hat, stimmten 97 % der IG-Metall-Mitglieder fĂŒr einen Arbeitskampf zum Erhalt der 200 ArbeitsplĂ€tze.

In der Metall- und Elektroindustrie, in der bundesweit gut 3,7 Millionen und in NRW rund 640.000 Menschen arbeiten, fordert die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde 5 % mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie Vereinbarungen zur BeschÀftigungssicherung.

WĂ€hrend die Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen auf eine dramatisch schlechte Wirtschaftslage verweisen, bereitet sich die Gewerkschaft nach dem Auslaufen der Friedenspflicht auf bundesweite Warnstreiks vor.

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