Industrieinvestitionen: 35% verschieben PlÀne wegen Energiekosten
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 18:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Handel mit CO2-Emissionsrechten soll nach Ansicht von Fachleuten primĂ€r als Instrument zur industriellen Modernisierung dienen, anstatt Unternehmen lediglich mit zusĂ€tzlichen Kosten zu belasten. Experten plĂ€dieren dafĂŒr, die regulatorischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie den Ăbergang zu klimafreundlichen Technologien wirtschaftlich attraktiv machen und gleichzeitig die globale WettbewerbsfĂ€higkeit sichern.
Wirtschaftlichkeit von Emissionsminderungen im Fokus
Analysen des Thinktanks Epico verdeutlichen das Potenzial einer gezielten CO2-Bepreisung. Bei einem angenommenen CO2-Preis von 200 Euro, der als Zielmarke fĂŒr das Jahr 2050 gilt, wĂ€ren bereits 75 % der notwendigen Emissionsminderungen wirtschaftlich darstellbar.
Aktuell bewegt sich der Preis im europĂ€ischen Emissionshandel (ETS-1) bei circa 80 Euro, wĂ€hrend der Preiskorridor nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) fĂŒr das Jahr 2026 zwischen 55 und 65 Euro liegt.
In einer Untersuchung von 128 DekarbonisierungsmaĂnahmen in den Sektoren Energie, Industrie, GebĂ€ude und Verkehr identifizierten die Analysten hohe Anfangsinvestitionen als gröĂte HĂŒrde, insbesondere fĂŒr private Haushalte. FĂŒr die Industrie seien daher Ăbergangsinstrumente wie DifferenzvertrĂ€ge unerlĂ€sslich.
Der Thinktank fordert zudem einen abgestimmten Instrumentenmix, der neben einem starken EU-Emissionshandel auch einen CO2-Grenzausgleich, die Förderung von LeitmÀrkten sowie den Ausbau der Wasserstoff- und CO2-Infrastruktur umfasst.
Belastungen dÀmpfen die Investitionsbereitschaft
Dem Modernisierungsanspruch stehen aktuelle RĂŒckmeldungen aus der Wirtschaft gegenĂŒber. Das Energiewende-Barometer der IHK fĂŒr das Jahr 2026 weist einen Wert von minus 11,5 Punkten auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 auf. Eine Umfrage unter 3.100 Unternehmen im Juni 2026 ergab fĂŒr die Bereiche Industrie und Handel sogar Werte von jeweils minus 22 Punkten.
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Laut den Erhebungen berichten 49 % der Betriebe von höheren Strompreisen und 67 % von gestiegenen WĂ€rmekosten. Diese Entwicklung hat konkrete Folgen fĂŒr den Standort Deutschland: 35 % der Industriebetriebe verschieben derzeit geplante Investitionen, wĂ€hrend 40 % der Unternehmen prĂŒfen, ihre GeschĂ€ftstĂ€tigkeit im Inland einzustellen.
Die Wirtschaft fordert daher eine leistungsfÀhigere Energieinfrastruktur sowie eine Senkung von Steuern und Abgaben. In der Politik werden zudem Forderungen nach einer temporÀren Abschaffung der CO2-Steuer auf Kraftstoffe laut. WÀhrend die Steuer aktuell rund 3 Cent pro Liter betrÀgt, könnte eine Abschaffung nach EinschÀtzung von Unionspolitikern den Preis um 16 Cent senken.
Unternehmensstrategien und Infrastrukturausbau
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen setzen einzelne Industrieunternehmen ihre Transformation fort. Der Spezialglashersteller SCHOTT konnte seine Emissionen in den Bereichen Scope 1 und 2 seit 2019 bereits um circa 70 % reduzieren und ĂŒbertraf damit das ursprĂŒngliche Ziel von 46,2 %.
Bis 2030 strebt das Unternehmen eine Reduktion der Scope-3-Emissionen um 27,5 % an. In Mitterteich investiert der Konzern rund 40 Millionen Euro in eine elektrische Pilotwanne, deren Inbetriebnahme fĂŒr das Jahr 2027 geplant ist.
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Parallel dazu treibt DB Cargo den Aufbau einer Logistik fĂŒr den CO2-Transport voran. Ab Anfang der 2030er Jahre will das Unternehmen jĂ€hrlich 4 Millionen Tonnen CO2 befördern, wobei der Fokus auf CO2-intensiven Branchen wie der Zement- und Kalkindustrie liegt.
Auch Kooperationen im Bereich der CO2-Abscheidung, etwa zwischen FLS und Carbon8 Systems, sollen dazu beitragen, die Emissionen der globalen Zementindustrie signifikant zu senken.
Internationaler Wettbewerb und regulatorische Risiken
WĂ€hrend die dĂ€nische Industrie Prognosen zufolge bis 2030 eine CO2-Reduktion von 72 % erreichen könnte, warnen Wirtschaftsvertreter in Ăsterreich vor nationalen AlleingĂ€ngen. Ein Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2040, zehn Jahre vor dem EU-Ziel, könnte laut einer Studie von ECO Austria zu BIP-Verlusten zwischen 1,7 % und 2,6 % fĂŒhren.
International entwickeln sich die KohlenstoffmĂ€rkte mit unterschiedlicher Dynamik. In China wird der Markt aktuell auf die Petrochemie und Chemie ausgeweitet, womit kĂŒnftig rund 80 % der dortigen Emissionen abgedeckt werden sollen.
In Vietnam hingegen verzeichnet der neu gestartete Handel mit Zertifikaten bislang nur geringe Volumina bei einem Preis von rund 5 US-Dollar pro Tonne, was deutlich unter den von der Weltbank empfohlenen 147 US-Dollar liegt.
