Inflation steigt im September auf 3,3 Prozent wegen Spritpreisen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEnergiepreise belasten Haushalte im September
- Die Verbraucherpreise lagen im September 3,3 Prozent über dem Vorjahresmonat.
- Kraftstoffe verteuerten sich binnen Jahresfrist um gut 37 Prozent, leichtes Heizöl um fast 75 Prozent.
- Der Tankrabatt soll die Spritsteuern von Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter senken.
Hohe Kraftstoff- und Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit Dezember 2023 getrieben.
Höchster Stand seit Dezember 2023
Das Statistische Bundesamt bestätigte die vorläufige Inflationsrate von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August hatte die Teuerung noch 2,9 Prozent betragen; von August auf September stiegen die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent.
Die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, erklärte, besonders deutlich habe sich die Teuerung bei Mineralölprodukten an den Tankstellen und beim Heizöl gezeigt.
Kraftstoffe treiben Energiepreise
Für Kraftstoffe und Haushaltsenergie mussten Verbraucher 14,9 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Damit beschleunigte sich die Energieverteuerung den dritten Monat in Folge und erreichte den höchsten Anstieg seit Februar 2023.
Neben Kraftstoffen und Heizöl wurden auch Brennholz, Holzpellets und andere feste Brennstoffe teurer. Strom kostete dagegen 5,5 Prozent weniger, Erdgas ohne Betriebskosten 2,8 Prozent und Fernwärme 1,0 Prozent weniger als im September des Vorjahres.
Nahrungsmittel verteuern sich kaum
Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im September nur um 0,4 Prozent. Eier verteuerten sich um 15,2 Prozent und frisches Gemüse um 12 Prozent; Speisefette und Speiseöle wurden dagegen 15 Prozent günstiger, Butter 29,5 Prozent.
Dienstleistungen kosteten 2,7 Prozent mehr, Nettokaltmieten 1,9 Prozent. Die Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel blieb mit 2,4 Prozent auf dem Niveau des Vormonats.
Tankrabatt soll Anstieg bremsen
Die Bundesregierung senkt die Steuern auf Kraftstoffe von Oktober bis Jahresende um rund 17 Cent je Liter. Volkswirte rechnen dadurch mit einer Dämpfung der Inflationsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte.
Für 2026 erwarten Prognosen dennoch das sechste Jahr in Folge eine Inflationsrate von mehr als zwei Prozent. In der Eurozone stieg die Teuerung im September auf 3,8 Prozent und lag damit deutlich über dem mittelfristigen Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent.
Energiepreise als Inflationsrisiko
Der Preisschub im September konzentriert sich vor allem auf den Energiesektor. Während sich Strom, Erdgas und Fernwärme teilweise verbilligten, verteuerten sich Kraftstoffe und Heizöl besonders stark. Für Haushalte mit Auto oder Ölheizung wirkt sich das unmittelbar auf die monatlichen Ausgaben aus.
Die Entwicklung zeigt zugleich, dass die Gesamtinflation derzeit stark von externen Energiepreisen abhängt. Die unveränderte Kernrate von 2,4 Prozent deutet darauf hin, dass sich der Preisauftrieb außerhalb von Energie und Nahrungsmitteln nicht im gleichen Maß beschleunigt hat. Dennoch sinkt die Kaufkraft, wenn höhere Tank- und Heizkosten andere Ausgaben verdrängen.
Tankrabatt dämpft nur teilweise
Der seit Oktober geltende Tankrabatt kann den Preisauftrieb rechnerisch um etwa 0,2 Prozentpunkte begrenzen. Er ändert jedoch nichts an der internationalen Ursache der Verteuerung und entlastet Haushalte unterschiedlich stark: Wer viel fährt oder mit Heizöl heizt, bleibt besonders exponiert.
Für die weitere Entwicklung kommt es deshalb auf die Energiepreise, die Versorgungslage und die Reaktion der Europäischen Zentralbank an. Steigende Verbraucherpreise in mehreren großen Euro-Ländern erhöhen den geldpolitischen Druck. Gleichzeitig können höhere Zinsen die Finanzierung verteuern und damit Konsum und Investitionen bremsen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: „Wie sich hohe Spritpreise auf das Fahrverhalten auswirken“ (12.10.2026)
Der Beitrag bestätige, dass der Tankrabatt die Preise zwar senke, das Tanken aber teuer bleibe. Er setze einen anderen Schwerpunkt und beschreibe, dass hohe Kraftstoffpreise mit weniger Verkehr sowie möglichen Veränderungen beim Fahrverhalten verbunden seien; ob sie den Rückgang bei Unfällen verursacht hätten, bleibe offen.
Der Bericht ordne die Energiekrise in die weltwirtschaftliche Entwicklung ein und schreibe, höhere Energiepreise bremsten weiterhin das Wachstum und heizten die Inflation an. Zugleich hebe er hervor, der IWF erwarte für Deutschland 2026 ein stärkeres Wachstum als zuvor, womit er den Schwerpunkt über die unmittelbare Belastung durch die Teuerung hinaus erweitere.
Medienübergreifend werde die Belastung durch hohe Kraftstoffpreise bestätigt, während die Perspektiven auseinanderliefen: Der MDR betone Folgen für das Alltagsverhalten, der Tagesspiegel die Verbindung von Energiekrise, Inflation und Wachstum. Offen bleibe, wie lange der Energieschub anhält und wie stark Entlastungsmaßnahmen ihn ausgleichen.
