Inklusion, Förderschulen

Inklusion: 82% der Eltern lehnen Förderschulen ab – doch 60% gehen hin

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 10:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Laut Deutschem Institut für Menschenrechte besuchen 60 Prozent der Kinder mit Behinderung Förderschulen, obwohl die Mehrheit der Eltern diese ablehnt. 73 Prozent der Förderschüler bleiben ohne Abschluss.

Inklusionsstudie: Eltern lehnen Förderschulen ab, Abschlussquote sinkt
Ein heller, moderner Klassenraum mit diversen Schülern, der eine inklusive Lernumgebung und Chancengleichheit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 82 Prozent der Eltern von Kindern mit Behinderungen lehnen Förderschulen ab – doch 60 Prozent der betroffenen Kinder besuchen weiterhin eine. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Besonders brisant: 73 Prozent der Förderschüler verlassen die Schule ohne Abschluss.

Förderschulquote: Bremen vorn, Bayern Schlusslicht

Die Bundesländer setzen Inklusion sehr unterschiedlich um. Bremen kommt auf eine Förderschulquote von gerade einmal 9 Prozent, Bayern dagegen auf 66 Prozent. Einig sind sich die Eltern: Bei besseren Rahmenbedingungen würden 69 Prozent ihr Kind lieber auf eine Regelschule schicken.

Im Saarland zeigt sich das Problem besonders deutlich. Im Schuljahr 2025/26 stieg die Zahl der Förderschüler um 5,4 Prozent auf 4.101. Gleichzeitig kommen rechnerisch nur zwei Stunden und zwanzig Minuten Förderschul-Einsatzzeit pro Woche auf jede Grundschulklasse. Der Personalmangel ist eklatant.

Ohne Abschluss in die Arbeitslosigkeit

Die Folgen zeigen sich beim Übergang ins Berufsleben: Bundesweit verlassen jährlich über 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. In Baden-Württemberg waren es 2024 rund 7.500 – mit steigender Tendenz. Jugendsozialarbeiter fordern deshalb stabile Förderstrukturen statt befristeter Projekte.

Ein Modellprojekt in Idar-Oberstein zeigt, wie es anders gehen kann: An einer integrativen Realschule plus werden 16- bis 25-Jährige ohne Abschluss gezielt zum Schulabschluss geführt. Solche Ansätze bleiben bislang jedoch die Ausnahme.

Der Ausbildungsmarkt gibt zusätzlich Anlass zur Sorge: 2025 sank die Zahl der Neuverträge um 2,8 Prozent auf 461.900. Während deutsche Auszubildende ein Minus von 6 Prozent verkraften mussten, stieg die Zahl ausländischer Azubis um 18 Prozent. IT-Berufe wie der Fachinformatiker verlieren an Beliebtheit, Kfz-Mechatroniker und medizinische Fachangestellte bleiben Spitzenreiter.

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Vom Werkstattplatz in den ersten Arbeitsmarkt

Ein Modellprojekt im Kreis Lörrach setzt auf spezialisierte Coaches, die Menschen mit Behinderungen aus Werkstätten in sozialversicherungspflichtige Jobs begleiten. Arbeitgeber können finanzielle Unterstützung über das Programm „Arbeit Inklusiv" erhalten. Bislang gelang die Integration von zwei Personen – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes geplant

Das Benachteiligungsverbot soll künftig auch für private Anbieter wie Banken und Einzelhandel gelten. Der Gesetzesentwurf sieht zudem einen Anspruch auf angemessene Vorkehrungen und kostenlose Schlichtungsverfahren vor. Bundesgebäude müssen ihre Barrieren bis 2035 beziehungsweise 2045 abbauen.

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Doch auch die allgemeinen Arbeitsbedingungen geraten in den Fokus: Der Deutsche Gewerkschaftsbund beziffert den Schaden durch Mindestlohn-Umgehung zwischen 2015 und 2024 auf bis zu 64 Milliarden Euro. Allein 2024 wurden rund 6.200 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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