Insolvenzen-Rekord, Hessen

Insolvenzen-Rekord in Hessen: 2.077 Fälle, höchster Stand seit 20 Jahren

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gewerbeanmeldungen in Hessen legen 2025 um fünf Prozent zu, während die Insolvenzen auf den höchsten Stand seit 20 Jahren klettern.

Hessens Gründungszahlen steigen trotz Rekord-Insolvenzen und Steuerlast
Moderner Büroarbeitsplatz mit Laptop und Wachstumsdiagrammen vor einer urbanen Kulisse in Hessen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen in Hessen steigt wieder – doch gleichzeitig erreichen die Insolvenzen einen Rekordwert.

Nach drei schwachen Jahren gab es 2025 eine klare Trendwende: 63.885 Gewerbeanmeldungen bedeuten ein Plus von fünf Prozent. Gleichzeitig sanken die Abmeldungen um 6,5 Prozent auf 52.319. Unterm Strich bleibt ein positiver Saldo von rund 11.500 Unternehmen.

79 Prozent der Neugründungen waren Einzelunternehmen. Nur jedes dritte Unternehmen wurde von einer Frau gestartet. Die Hessische Industrie- und Handelskammer (HIHK) sieht darin ein „positives Signal" – warnt aber vor zu viel Euphorie. Ein Teil der Gründungen seien Notgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus.

HIHK-Präsidentin Schoder-Steinmüller fordert deshalb weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und besseren Zugang zu Finanzierungen. Nur so lasse sich die Gründungsdynamik verstetigen.

Start-up-Boom auf Bundesebene

Auch bundesweit zieht die Gründungslust an. Im ersten Halbjahr 2026 entstanden 3.053 neue Start-ups – ein Plus von 52 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025. Wirtschaftsministerin Reiche spricht von einer „Gründungswelle", die aber noch nicht in einen flächendeckenden Wachstumsschub gemündet sei. Eine neue Start-up-Strategie mit 150 Einzelmaßnahmen soll das ändern.

Das investierte Risikokapital stieg laut EY-Startup-Barometer auf 5,3 Milliarden Euro – ein Plus von 14 Prozent. Allerdings gab es weniger Finanzierungsrunden: 354 Deals bedeuten einen Rückgang um elf Prozent. Große Runden über 50 Millionen Euro machten 67 Prozent des Gesamtvolumens aus.

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Regional liegt Berlin mit 1,7 Milliarden Euro vorn. Baden-Württemberg folgt mit 1,6 Milliarden Euro. Bayern verzeichnete ein Minus von 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.

Rekord-Insolvenzen belasten die Wirtschaft

Trotz der positiven Gründungszahlen: 2025 meldeten in Hessen 2.077 Unternehmen Insolvenz an – der höchste Stand seit 20 Jahren. Das ist ein Anstieg um 26 Prozent. Besonders hart traf es das Baugewerbe mit über 400 Verfahren. Allein Frankfurt verzeichnete 491 Insolvenzen.

Die Stimmung im Handwerk trübt sich ebenfalls ein. Der Geschäftsklimaindikator für das Rhein-Main-Gebiet fiel im zweiten Quartal 2026 auf 131,7 Punkte. Laut Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer, befindet sich die Investitionsbereitschaft auf einem Tiefstand. Nur noch 64 Prozent der Betriebe halten ihre Investitionen stabil. Hauptgrund: die gestiegenen Zinsen.

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Kommunen erhöhen Steuern – Druck auf Gründer wächst

Hinzu kommen höhere Abgaben. 2026 haben 156 hessische Kommunen die Grundsteuer B erhöht, 98 die Gewerbesteuer. Spitzenreiter sind Riedstadt (1.600 Prozent) und Hofheim (1.545 Prozent). Der Bund der Steuerzahler warnt vor weiteren Erhöhungen im kommenden Jahr. Die Belastung trifft nicht nur Unternehmen, sondern wird über die Nebenkosten auch auf Mieter umgelegt.

Um junge Unternehmen langfristig zu stärken, planen private Investoren wie Kudlich und Brandis einen gemeinsamen Wachstumsfonds. Zudem wird diskutiert, die KfW verstärkt als Ko-Investor einzusetzen. Der Grund: In Deutschland fehlt es an späthephasigem Wachstumskapital.

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