Israel, Anti-Terror-Operation

Israel startet 'Anti-Terror-Operation' im Westjordanland

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Als Reaktion auf einen Angriff im Westjordanland mit zwei getöteten Soldaten hat Israel eigenen Angaben zufolge einen Anti-Terror-Einsatz im Raum Hebron gestartet.

"Die KrĂ€fte haben begonnen, das Gebiet gezielt, prĂ€zise und umfassend zu durchsuchen, um Terrorinfrastruktur und Waffen ausfindig zu machen und zu beseitigen", hieß es am spĂ€ten Abend in einer gemeinsamen auf der Plattform Telegram veröffentlichten ErklĂ€rung der israelischen Armee und des Inlandgeheimdiensts Schin Bet.

Der gemeinsame Einsatz von Armee, Geheimdienst, Grenzpolizei und Zivilverwaltung sei auf das Gebiet beschrÀnkt, aus dem die Terroristen operierten, und werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.

Angriff mit Schusswaffen nahe Hebron

Am Freitagmorgen hatte es einen Angriff mit Schusswaffen in der NĂ€he von Hebron im Westjordanland gegeben. Dabei wurden laut Angaben des israelischen MilitĂ€rs zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die beiden mutmaßlich palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron wurden getötet. Die SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten dadurch einen "schweren Anschlag" verhindert, sagte Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu.

Auf der Plattform X teilte er mit, er habe MilitĂ€r und SicherheitskrĂ€fte angewiesen, die Stadt Hebron sofort abzuriegeln und zusĂ€tzliche Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um TerroranschlĂ€ge aus dem Westjordanland zu verhindern.

Am Dienstag findet in Israel die Parlamentswahl statt. Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen bei ihrer WÀhlerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palÀstinensische Gewalt versprechen. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf PalÀstinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.

Armee: Abriss illegaler Bauwerke

Die Armee teilte am Abend weiter mit, zusĂ€tzlich wĂŒrden Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheitslage in dem Gebiet zu verbessern. Dazu gehörten der Abriss illegaler Bauwerke, die am Ort des Zwischenfalls eine mögliche Sicherheitsbedrohung darstellen könnten. Die SicherheitskrĂ€fte fĂŒhrten derzeit in Dutzenden Orten im Westjordanland Anti-Terror-EinsĂ€tze durch.

Seit Beginn des Einsatzes könnten Bewohnerinnen und Bewohner des betroffenen Gebiets ĂŒber drei ausgewiesene AusgĂ€nge nach Befragung das Gebiet verlassen, hieß es weiter. Zu den Anti-Terror-Maßnahmen zĂ€hle auch die Abriegelung der Gebiete Hebron und Halhul sowie die Einrichtung von Straßensperren.

UN-GeneralsekretÀr Guterres zeigt sich besorgt

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres zeigte sich unterdessen "zutiefst besorgt" ĂŒber die Abriegelung von Hebron sowie ĂŒber Berichte von Hausabrissen und möglichen Vertreibungen, wie sein Sprecher in New York mitteilte. "Diese Absperrungen schrĂ€nken die Bewegungsfreiheit der PalĂ€stinenser, ihren Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und ihre Lebensgrundlage erheblich ein", sagte der Sprecher.

Lage im Westjordanland hat sich verschÀrft

Israel hat im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und hÀlt dieses Gebiet seither besetzt. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalÀstinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschÀrft. Nach Angaben des palÀstinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 PalÀstinenser bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen AnschlÀgen getötet.

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser hat stark zugenommen. Dem israelischen MilitÀr wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen oder sogar mit den Siedlern zu kooperieren.

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