IWF warnt vor hohen Energiepreisen bis 2027
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 08:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs könnten nach EinschÀtzung von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa selbst bei einem baldigen Ende des Konflikts bis 2027 erhöht bleiben.
Nachfrage könnte im Winter steigen
âDer Preisdruck könnte sich weiter verstĂ€rken, da die Nachfrage mit dem Beginn der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel steigt und die LĂ€nder ihre Reserven wieder auffĂŒllenâ, warnte Georgiewa laut Manuskript in einer Rede in Singapur.
Die Rede hielt sie im Vorfeld der Jahrestagung des Internationalen WĂ€hrungsfonds und der Weltbank. Die Tagung beginnt kommende Woche in Bangkok.
KI-Boom und Zölle treiben Preise
Neben den Energiepreisen treibe auch der Boom rund um KĂŒnstliche Intelligenz die Preise an, erklĂ€rte der IWF. ZusĂ€tzlich könnten Zölle, höhere Verteidigungsausgaben und die weltweit hohe Staatsverschuldung die Teuerungsrate verstĂ€rken.
âJetzt könnte in vielen LĂ€ndern ein umsichtig restriktiverer Ansatz in der Geldpolitik angebracht seinâ, sagte Georgiewa. Sie lobte die US-Notenbank Federal Reserve, die EuropĂ€ische Zentralbank und die Bank of Japan dafĂŒr, ihre Leitzinsen bereits angehoben zu haben.
IWF fordert glaubwĂŒrdige HaushaltsplĂ€ne
Zugleich kritisierte die IWF-Chefin die Finanzpolitik einiger IndustrielĂ€nder. Höhere Leitzinsen lieĂen die kurzfristigen Zinsen steigen und verteuerten damit die Schulden.
Trotz der weltweit ausufernden Staatsverschuldung sehe sie âin den hoch verschuldeten IndustrielĂ€ndern keine entschlossenen MaĂnahmen, obwohl dringend glaubwĂŒrdige mittelfristige HaushaltskonsolidierungsplĂ€ne benötigt werdenâ.
Energie als globaler Inflationstreiber
Die Warnung des IWF fĂ€llt in eine Phase, in der der Konflikt im Nahen Osten die EnergiemĂ€rkte trotz teilweise wieder steigender Ausfuhren aus der Golfregion unter Druck hĂ€lt. Der Preis fĂŒr Brent-Rohöl lag Anfang Oktober weiterhin nahe oder ĂŒber der Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Neben dem eigentlichen Angebot beeinflussen Transportkosten, Sicherheitsrisiken und die notwendige AuffĂŒllung strategischer und kommerzieller Lager die Preisbildung.
FĂŒr Haushalte in Deutschland wirkt sich das zeitversetzt aus. Neue Gas- und StromvertrĂ€ge sowie Heizöl sind teurer geworden; besonders Haushalte mit Ălheizung tragen die Belastung unmittelbar. Gleichzeitig unterscheiden sich die Kosten stark nach Vertrag, Region, GebĂ€udezustand und Heizsystem. Die Preisentwicklung an den GroĂhandelsmĂ€rkten bedeutet daher nicht automatisch, dass alle Verbraucher im gleichen Umfang betroffen sind.
Zins- und Schuldenkonflikt
Georgiewas Hinweis auf eine restriktivere Geldpolitik zeigt das Dilemma der Notenbanken: Höhere Zinsen können die Zweitrundeneffekte eines Energieschocks begrenzen, verteuern aber die Finanzierung von Unternehmen, privaten Haushalten und Staaten. Besonders hoch verschuldete LĂ€nder geraten dadurch zusĂ€tzlich unter Druck. Der KI-Boom verschĂ€rft die Debatte, weil der Ausbau von Rechenzentren groĂe Mengen Strom und Kapital bindet, zugleich aber ProduktivitĂ€t und Wachstum stĂŒtzen könnte.
FĂŒr die bevorstehende IWF- und Weltbanktagung stehen damit zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie lange bleiben Energieversorgung und Handelswege anfĂ€llig, und wie können Staaten ihre Haushalte stabilisieren, ohne Investitionen und soziale Entlastungen abzuwĂŒrgen? Eine lĂ€ngere Hochpreisphase wĂŒrde Kaufkraft, Industrie und öffentliche Haushalte gleichzeitig belasten.
