Job-Hugging: 61 Prozent Beschäftigte planen Verbleib von zwei Jahren
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Wirtschaft zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Beständigkeit in Arbeitsverhältnissen ab. Aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit für das vierte Quartal 2025 belegen einen signifikanten Rückgang bei beendeten Beschäftigungsverhältnissen in der Altersgruppe ab 30 Jahren.
Mit 1,64 Millionen registrierten Abgängen sank die Zahl im Vergleich zum vierten Quartal 2019, als noch 1,79 Millionen Beendigungen verzeichnet wurden, um 8 Prozent. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass sich Arbeitnehmer in einem volatilen Marktumfeld zunehmend für den Verbleib bei ihrem aktuellen Arbeitgeber entscheiden – ein Phänomen, das in der Fachwelt als „Job-Hugging“ bezeichnet wird.
Steigende Bereitschaft zur langfristigen Betriebszugehörigkeit
Untersuchungen des Beratungsunternehmens WTW stützen diesen Befund. Einer im Frühjahr 2026 durchgeführten Umfrage unter 41.000 Beschäftigten in 31 Ländern, darunter 2.000 Teilnehmer in Deutschland, zufolge planen derzeit 61 Prozent der Befragten, mindestens zwei weitere Jahre in ihrem aktuellen Job zu bleiben. Dies stellt eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2022 dar, in dem dieser Wert noch bei 53 Prozent lag.
Auch Erhebungen des Netzwerks Xing unterstreichen die abnehmende Fluktuation. Von 3.400 befragten Erwerbstätigen gab lediglich ein Drittel an, aktuell wechselwillig zu sein. Die Motive für diese Zurückhaltung am Arbeitsmarkt sind primär ökonomischer Natur.
Als wichtigste Gründe für den Verbleib im Unternehmen nannten 62 Prozent der Befragten das Gehalt, gefolgt von der Jobsicherheit mit 50 Prozent und einem guten Verhältnis zu den Kollegen mit 43 Prozent.
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Finanzielle Sorgen und das Bedürfnis nach Sicherheit
Die Priorisierung von Sicherheit und stabilen Einkommensverhältnissen korreliert mit einer Zunahme wirtschaftlicher Bedenken innerhalb der Belegschaften. Laut Xing berichtet mittlerweile ein Drittel der Beschäftigten von finanziellen Sorgen. Vor vier Jahren lag dieser Anteil mit 18 Prozent noch deutlich niedriger.
Sollte ein Jobwechsel dennoch in Erwägung gezogen werden, stehen auch hier materielle Aspekte im Vordergrund. 69 Prozent der Wechselwilligen gaben das Gehalt als ausschlaggebenden Grund an. Weitere Faktoren sind die Jobsicherheit mit 46 Prozent, flexible Arbeitsmöglichkeiten mit 43 Prozent sowie Urlaubsregelungen mit 35 Prozent.
Flexibilität als Faktor für Mitarbeiterengagement
Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich beim Vergleich von Arbeitsmodellen. Beschäftigte, denen keine flexiblen Optionen zur Verfügung stehen, weisen laut Xing ein geringeres Engagement auf. Während der Anteil engagierter Mitarbeiter bei flexiblen Modellen bei 50 Prozent liegt, sinkt er ohne diese Möglichkeiten auf 42 Prozent.
Zudem reagieren Arbeitnehmer in starren Strukturen empfindlicher auf externe Angebote: 54 Prozent dieser Gruppe würden bereits bei einer Gehaltssteigerung von 10 Prozent den Arbeitgeber wechseln, während dies bei Beschäftigten mit flexiblen Modellen nur auf 48 Prozent triff zu. Auch die aktive Jobsuche ist mit 25 Prozent in der Gruppe ohne flexible Arbeit höher als bei den Vergleichspersonen mit 20 Prozent.
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Strategien für Unternehmen gegen stagnierendes Engagement
Um dem Risiko einer rein sicherheitsorientierten, aber innerlich distanzierten Belegschaft entgegenzuwirken, wird Unternehmen empfohlen, gezielt in die Mitarbeiterbindung zu investieren. Experten raten dazu, verstärkt auf Weiterbildungsmöglichkeiten zu setzen und moderne Arbeitsformen zu etablieren.
Neben der Ermöglichung von flexibler Arbeit können spezifische Benefits dazu beitragen, die Motivation und das Engagement der Beschäftigten auch in Phasen geringer externer Fluktuation aufrechtzuerhalten.
