Jotowa gewinnt Stichwahl in Bulgarien
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 22:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie frĂŒhere sozialistische EU-Abgeordnete kam nach Hochrechnungen der bulgarischen Meinungsforschungsinstitute Mjara und Alpha Research auf bis zu 58 Prozent der Stimmen.
Jotowa wurde unter anderem von der allein regierenden Mitte-Links-Partei Progressives Bulgarien (PB) unterstĂŒtzt. Ihr Herausforderer Andrej Gjurow erhielt als Kandidat des prowestlichen liberal-konservativen Oppositionslagers den Angaben zufolge bis zu 39 Prozent.
Jotowa gehört zur politischen Linken
Sollten diese Hochrechnungen von den amtlichen Ergebnissen bestĂ€tigt werden, wird das EU- und Nato-Land Bulgarien mit Jotowa weiterhin eine PrĂ€sidentin mit Wurzeln in der politischen Linken haben. Jotowa war Sprecherin und gehörte zur ParteifĂŒhrung der bulgarischen Sozialisten (BSP), der Nachfolgepartei der kommunistischen Staatspartei.
EU-Politik mit bulgarischen Akzenten zu erwarten
Vor der Stimmabgabe gab Jotowa einen Vorgeschmack auf ihre kĂŒnftige EU-Politik: "Ich stimmte dafĂŒr, dass Bulgarien ein starker Staat im starken Europa sein wird, dass Bulgarien aber auch eine eigene AuĂenpolitik und RĂŒckgrat hat, wenn es das Wichtigste verteidigen muss - das nationale Interesse", sagte sie.
Jotowas langjĂ€hrige TĂ€tigkeit als Europaabgeordnete prĂ€gte ihre europapolitische Haltung: So sollten kleinere EU-Staaten die BeschlĂŒsse der groĂen LĂ€nder nicht automatisch ĂŒbernehmen mĂŒssen.
"PrÀsidentin des Friedens"
Der Ukrainekrieg unweit von Bulgarien verleiht der Wahl in dem Land an der Ostflanke der Nato eine neue Dimension. Jotowa setzte sich im Wahlkampf immer wieder fĂŒr eine Friedenslösung fĂŒr die Ukraine durch Verhandlungen mit Russland ein.
"Ich will eine PrĂ€sidentin des Friedens sein", sagte sie. Jotowa wolle mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin sprechen, sollte sie damit von den zustĂ€ndigen bulgarischen Institutionen beauftragt werden. Im PrĂ€sidialamt in Sofia dĂŒrfte Jotowa die zurĂŒckhaltende Linie von Regierungschef Rumen Radew aber weiter fortsetzen. Sie war bis Januar 2026 VizeprĂ€sidentin, als Radew noch Staatschef gewesen war.
Wahl als Test fĂŒr Mitte-Links-Regierung
Steigende Lebenshaltungskosten und teure Treibstoffe bereiten den Bulgarinnen und Bulgaren immer mehr Sorgen. Viele sahen die PrĂ€sidentschaftswahl als einen Test fĂŒr die seit Mai amtierende Regierung von Radew, da die Regierungspartei Progressives Bulgarien (PB) Jotowa direkt unterstĂŒtzt hat.
Das prowestliche Oppositionslager meint, dass bei der PrĂ€sidentschaftswahl die Menschen der Regierung der PB eine "Rote Karte" gezeigt hĂ€tten. Die Regierung habe bei den Einkommen, Preisen und im Kampf mit der Oligarchie versagt, sagte der Chef der prowestlichen liberalen Partei PP, Assen Wassilew. Er verweist darauf, dass sich die absoluten Stimmen fĂŒr Gjurow bei der Stichwahl fast verdoppelt hĂ€tten.
Denn die Wahlbeteiligung lag Angaben von Meinungsforschern zufolge mit 29,1 Prozent höher als beim ersten Wahlgang vor einer Woche, aber dennoch sehr niedrig. In absoluten Zahlen hÀtten weniger als zwei Millionen der insgesamt 6,5 Millionen Stimmberechtigten gewÀhlt.
