Kanzleramt stoppt vorerst Klingbeils Zuckersteuer
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 13:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Gesundheitskommission und Reaktion Finanzministerium eingefĂŒgt, weiterer Kritikpunkt Rhein)
BERLIN (dpa-AFX) - Das Bundeskanzleramt stoppt vorerst den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zur EinfĂŒhrung einer Steuer auf zuckerhaltige GetrĂ€nke. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen, zuvor hatte die "Bild" berichtet.
Klingbeil hatte seine PlĂ€ne erst am Mittwoch zur Abstimmung unter den Ministerien geschickt. In Regierungskreisen heiĂt es nun, sein Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab "und ist in dieser Form in der Regierung nicht mehrheitsfĂ€hig".
Geplante Einnahmen: Rund eine Milliarde Euro
Mit der Zuckersteuer will Klingbeil nicht nur Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt generieren, sondern auch GetrĂ€nkeherstellern einen Anreiz geben, den Zuckergehalt zu senken und ihre Produkte gesĂŒnder zu machen. Laut Entwurf soll sie fĂŒr alle GetrĂ€nke ab einem Zuckergehalt von fĂŒnf Gramm pro 100 Milliliter gelten.
Anders als zwischendurch erwogen soll auf Zero-GetrĂ€nke, die mit Ersatzstoffen gesĂŒĂt sind, keine Zuckersteuer anfallen. Auch reine Frucht- und GemĂŒsesĂ€fte, alkoholfreies Bier und alkoholfreier Wein sind ausgenommen. Die Höhe der Steuer soll vom Zuckergehalt abhĂ€ngen und zwischen 26 und 38 Cent pro Liter betragen.
Laut Entwurf soll die Steuer ab dem 1. Juli 2027 gelten. Das Finanzministerium erwartet jÀhrliche Einnahmen von rund einer Milliarde Euro. Konkret: 945 Millionen Euro im kommenden Jahr, im zweiten Jahr dann 1,155 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2031 sollen die Einnahmen auf 1,18 Milliarden Euro steigen.
Abweichung vom Kommissionsvorschlag
Damit weicht Klingbeils Entwurf tatsÀchlich vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab. Diese hatte lediglich zwei statt der vom Finanzministerium geplanten drei Steuerstufen empfohlen. Höchster Steuersatz wÀren damit 32 Cent - und nicht wie von Klingbeil vorgesehen 38 Cent pro Liter.
AuĂerdem geht die Kommission von deutlich geringeren jĂ€hrlichen Einnahmen aus: statt knapp einer Milliarde nur rund 450 Millionen Euro. Aus dem Finanzministerium hieĂ es auf Nachfrage lediglich, es liefen Abstimmungen, wie die Steuer umgesetzt werde. Zu Einzelheiten könne man derzeit nicht Ă€uĂern.
Unionspolitiker dagegen
Vor allem in der Unionsfraktion gibt es schon lĂ€nger Widerstand gegen die Zuckersteuer. Auch mehrere BundeslĂ€nder lehnen sie ab. Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) hatte beispielsweise kritisiert: "In einer Zeit, in der viele Menschen mit hohen Preisen zu kĂ€mpfen haben, darf der Staat Lebensmittel und GetrĂ€nke nicht noch teurer machen." Zudem bezeichnete er die Steuer als "Belastung fĂŒr mittelstĂ€ndische GetrĂ€nkehersteller". Auch aus der Wirtschaft gab es sofort kritische Stimmen.
