Katastrophenschutz-Leuchttürme: In 6 von 12 Berliner Bezirken fehlen sie
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des von den Vereinten Nationen im Jahr 2009 ausgerufenen Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugier informieren Behörden und Städte in ganz Deutschland über Maßnahmen zur Notfallvorsorge, die Funktion von Katastrophenschutz-Leuchttürmen und den Umgang mit Ernstfällen wie langanhaltenden Stromausfällen. Im Zentrum der behördlichen Aufrufe stehen der Ausbau lokaler Hilfsstrukturen sowie die Stärkung der privaten Selbsthilfefähigkeit.
Ausbau der Katastrophenschutz-Leuchttürme verläuft uneinheitlich
Ein zentrales Element bei flächendeckenden Krisen stellen sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme dar, die als notstromversorgte Anlaufstellen dienen. In Berlin, wo das Konzept im Jahr 2012 aus einem Forschungsprojekt der Feuerwehr hervorging, ist die Einsatzbereitschaft regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Aktuell meldet die Bundeshauptstadt in sechs von zwölf Bezirken mindestens einen betriebsbereiten Standort, während in den anderen sechs Bezirken bislang keine betriebsbereite Anlaufstelle existiert.
Spandau, Reinickendorf, Mitte und Lichtenberg melden nahezu alle Leuchttürme als betriebsbereit. Marzahn-Hellersdorf verfügt zwar über 11 betriebsbereite Standorte, kann aufgrund von Engpässen bei Material und Personal jedoch maximal vier gleichzeitig betreiben.
In den Bezirken Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf sollen fehlende Einrichtungen im Laufe des Jahres 2027 offiziell betriebsbereit werden. Für Friedrichshain-Kreuzberg mit zwei, Neukölln mit vier und Tempelhof-Schöneberg mit drei geplanten Standorten gibt es bislang keinen konkreten Zeitplan.
Zwar sichert das Haushaltsgesetz 2026/2027 Mittel für Ausstattung und zwei neue Katastrophenschutz-Stellen je Bezirk, doch laut Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch sind beantragte Mittel bislang nicht verfügbar.
In Bayern setzt unter anderem der Landkreis Erding auf das Modell: Dort dienen Feuerwehrhäuser in jeder Gemeinde als Leuchttürme und Notrufanlaufstellen bei Ausfällen von Telefon- und Mobilfunknetzen.
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Kreisbrandrat Florian Pleiner verwies darauf, dass vor Ort im Katastrophenfall ausschließlich Notrufe zu Bränden, medizinischen Notfällen oder in Aufzügen eingeschlossenen Personen entgegengenommen werden. Je nach Einsatzdauer richten Gemeinden zusätzlich Wärmestuben mit Lademöglichkeiten für Mobiltelefone ein.
Empfehlungen zur privaten Bevorratung
Zahlreiche Kommunen betonen die Notwendigkeit privater Vorkehrungen. Die Stadt Weil am Rhein und ihre Freiwillige Feuerwehr wiesen am 13. Oktober 2026 darauf hin, dass übergeordnete Hilfen von Land und Bund je nach Lage mehrere Tage bis Wochen in Anspruch nehmen können.
Eine sofortige Vor-Ort-Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser oder Medikamenten durch Kommunen sei nicht möglich. Empfohlen wird eine Bevorratung von mindestens zwei Litern Wasser pro Person und Tag sowie haltbare Lebensmittel für zehn Tage. Am 17. Oktober veranstaltet die Feuerwehr dort einen Aktionstag mit Muster-Notfallsets.
Ähnliche Hinweise gab das Regierungspräsidium Gießen am 13. Oktober 2026. Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich betonte, dass Katastrophenvorsorge vor dem Eintreten einer Krise beginnen müsse.
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Ein Haushaltsvorrat für zehn Tage sei anzustreben, bereits drei Tage böten jedoch eine wichtige Grundlage. Daniela Jensen vom zuständigen Dezernat hob hervor, dass eigenständige Vorräte und Kenntnisse über Warnwege die Einsatzkräfte maßgeblich entlasten.
Die Stadt Jena, die Katastrophenschutzeinheiten organisiert und im September 2026 25 digital angebundene Sirenen testete, verwies ebenfalls auf Handlungsempfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Sicherheitsdezernent Benjamin Koppe unterstrich, dass sorgfältige Vorbereitung sowohl Bürgern als auch Rettungskräften helfe.
Übungen und bundesweite Rahmenbedingungen
Neben behördlichen Appellen bereiten sich Einsatzkräfte durch praktische Übungen vor. Am 10. Oktober 2026 nahmen in Mühlingen-Schwackenreute über 450 Kräfte an einer Großübung teil, koordiniert vom Regierungspräsidium Freiburg und der Einsatzleitung des Landratsamtes Konstanz. Regierungspräsident Carsten Gabbert und Landrat Zeno Danner betonten dabei den Wert kreisübergreifender Kooperationen.
Auf Bundesebene wurden am 13. Oktober 2026 flankierende Maßnahmen hervorgehoben. Neben dem KRITIS-Dachgesetz und Gesetzen zur Cybersicherheit existiert eine nationale Wirtschaftsschutzstrategie zur Stärkung der Unternehmensresilienz. Für Bürger bietet der ASB Berlin kostenlose, BBK-geförderte Kurse zur Ersten Hilfe mit Selbstschutzinhalten an, um die gesetzlich verankerte Selbsthilfefähigkeit zu stärken.
