Keine Einigung im Handelsstreit â neue US-Zölle fĂŒr Kanada
Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 06:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm Handelsstreit mit Kanada ist der von US-PrĂ€sident Donald Trump gesetzte Stichtermin fĂŒr neue Zölle auf viele kanadische Produkte erreicht. Kanadas Premierminister Mark Carney teilte in der Nacht mit, die Verhandlungen mit den USA seien ausgesetzt. Damit wĂŒrden die USA einen Zoll von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 28 Milliarden US-Dollar erheben. Kanada werde diese Zölle zum Schutz seiner BeschĂ€ftigten und Unternehmen in gleicher Höhe erwidern, schrieb Carney.
Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer bestĂ€tigte das Scheitern der Verhandlungen. Kanada habe es abgelehnt, das Abkommen zu den vereinbarten Bedingungen abzuschlieĂen, zitierte ihn die Plattform «Politico». Neue Forderungen Kanadas hĂ€tten das in den vergangenen Tagen erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht.Â
Die Zölle von 50 Prozent sollen unter anderem auf Wein, HockeyschlĂ€ger, Möbel sowie Milchprodukte erhoben werden und nach 30 Tagen gelten, hatte es in einer Mitteilung des WeiĂen Hauses am 20. Juli geheiĂen. Der Zeitraum samt einer vor wenigen Tagen angekĂŒndigten VerlĂ€ngerung sind nun verstrichen.Â
Carney schrieb weiter, er habe die kanadischen UnterhĂ€ndler angewiesen, nach Ottawa zurĂŒckzukehren. Sie hĂ€tten bis zur letzten Minute hart an einem Abkommen gearbeitet. Die kurzfristigen Ănderungen an den von den USA vorgeschlagenen Bedingungen seien jedoch unfair und wirtschaftlich nicht tragfĂ€hig gewesen. Ziel sei immer gewesen, ein bestmögliches Abkommen fĂŒr Kanada zu erreichen â «niemals ein Abkommen um jeden Preis oder unter Einhaltung einer bestimmten Frist».Â
UnterhĂ€ndler beider LĂ€nder hatten laut Berichten bis zum letzten Moment verhandelt. Laut einer ErklĂ€rung aus dem WeiĂen Haus vom Juli reagieren die USA damit «auf Kanadas diskriminierende Behandlung amerikanischer Produkte». Genannt wurden etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte. Der US-Handelsbeauftragte Greer hatte damals mitgeteilt, dass die neuen Zölle auf Importe aus Kanada im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar gelten werden. Insgesamt importierten die USA im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar (330 Mrd. Euro) aus Kanada.
Zölle weiten den Streit auf kleinere Hersteller aus
Die Beziehungen zwischen Kanada und den USA haben sich seit Trumps Amtsantritt deutlich verschlechtert. Auslöser sind unter anderem bereits verhĂ€ngte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-PrĂ€sidenten gegen Kanada sowie seine mehrfach geĂ€uĂerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Als Reaktion auf die US-Zölle entfernten viele kanadische Provinzen etwa Alkohol aus den Vereinigten Staaten aus Verkaufsregalen und riefen Verbraucher zum Kauf heimischer Produkte auf.
«FrĂŒhere Zollrunden konzentrierten sich stark auf Stahl, Aluminium, Automobile und Holz. Diese Runde weitet den Streit auf kleinere Hersteller, KonsumgĂŒtermarken, EinzelhĂ€ndler und Baustofflieferanten aus», schreibt Andreas Schotter, Professor fĂŒr internationale Wirtschaft an der kanadischen Wirtschaftshochschule Ivey. Er geht davon aus, dass die Regelung langfristig den Export der GĂŒter in die USA reduzieren werde.
