Kfz-Versicherung: Verivox sieht Preise wieder unter Druck
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 16:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTarifentwicklung und Kündigungsfristen
- Verivox ermittelte im Mittel der drei Versicherungsarten zwei Prozent höhere Preise als im Vorjahr.
- Die reguläre Kündigungsfrist für viele zum Jahresende laufende Verträge endet am 30. November.
- Seit 2022 kosten Kfz-Policen den Berechnungen zufolge durchschnittlich mehr als 50 Prozent mehr.
Verivox sieht wieder mehr Wettbewerb bei Autopolicen
In der Kfz-Versicherung endet nach Einschätzung des Vermittlungsportals Verivox eine dreijährige Phase teils drastischer Preiserhöhungen. Zu Beginn der Wechselsaison kosten neue Policen im Durchschnitt von Haftpflicht, Voll- und Teilkasko zwei Prozent mehr als vor einem Jahr, im günstigen Preissegment sind sie knapp zwei Prozent billiger.
Günstige Tarife entwickeln sich besser
Millionen Autobesitzer wechseln traditionell im November und Dezember ihre Versicherung. Die reguläre Kündigungsfrist für Verträge mit Laufzeit bis zum Jahresende endet am 30. November; bei einer Beitragserhöhung ohne Leistungsänderung gilt ein Sonderkündigungsrecht.
Im mittleren Preissegment verteuern sich Haftpflichtpolicen laut Verivox um 3,1 Prozent. Günstigere Anbieter verlangen dagegen 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Vollkasko mit größter Spreizung
Bei der Teilkasko steigen die Preise im mittleren Segment um 0,4 Prozent, während sie im günstigen Segment um ein Prozent sinken. Bei Vollkasko liegen die Werte 1,6 Prozent über beziehungsweise 2,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Verivox-Geschäftsführer Aljoscha Ziller warnte vor einer dauerhaften Preiswende. Ersatzteile und Reparaturen verteuerten sich weiter und blieben Kostentreiber, sagte er.
Neuverträge bleiben deutlich teurer
Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf neue Policen, nicht auf Bestandsverträge. Im Durchschnitt kosten Kfz-Versicherungen nach den Berechnungen inzwischen mehr als 50 Prozent mehr als 2022.
Als Ursache gelten vor allem höhere Ersatzteilpreise und Reparaturkosten. Nach Berechnungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft stiegen die Ersatzteilpreise seit 2016 um 80 Prozent. Viele Schäden entstehen beim Ein- und Ausparken; betroffen sind dabei häufig designgeschützte Karosserie- und Beleuchtungsteile.
Versicherer profitieren von ruhigerem Schadenjahr
Die höheren Reparaturkosten hatten die Kfz-Versicherungsbranche zeitweise insgesamt in die roten Zahlen gedrückt. In diesem und im vergangenen Jahr blieben schwere Unwetter und andere Naturkatastrophen in Deutschland jedoch weitgehend aus, was die Schadenbilanz der Versicherer entlastete.
Die aktuelle Entwicklung markiert vor allem eine Entspannung bei den Tarifen für Neukunden. Im Durchschnitt steigen die Preise nur moderat, während günstige Anbieter in mehreren Versicherungskategorien ihre Beiträge senken. Für Verbraucher entsteht damit wieder mehr Spielraum beim Vergleich, allerdings nicht automatisch eine generelle Verbilligung der Autoversicherung.
Entscheidend ist die Spreizung zwischen den Preissegmenten. Besonders bei Haftpflicht und Vollkasko liegen die günstigen Angebote unter dem Vorjahresniveau, während mittlere Tarife weiter zulegen. Der Wettbewerb konzentriert sich damit stärker auf preissensible Neukunden. Bestandskunden profitieren von dieser Entwicklung nicht unmittelbar, weil die Verivox-Zahlen ausschließlich neue Verträge erfassen.
Kosten bleiben strukturelles Problem
Die langfristige Belastung bleibt erheblich: Seit 2022 haben sich Kfz-Policen im Durchschnitt um mehr als die Hälfte verteuert. Dahinter stehen vor allem teurere Ersatzteile und Reparaturen. Designgeschützte Karosserie- und Beleuchtungsteile können zudem häufig nicht von günstigeren Drittanbietern nachgebaut werden, was den Preisdruck in Werkstätten und Versicherungen verstärkt.
Für Autobesitzer gewinnt die Wechselsaison deshalb wieder an Bedeutung. Die reguläre Kündigungsfrist endet am 30. November; bei einer Beitragserhöhung ohne gleichzeitige Leistungsänderung besteht darüber hinaus ein Sonderkündigungsrecht. Ein genauer Vergleich von Beitrag, Selbstbeteiligung und Leistungsumfang bleibt nötig, weil ein niedriger Preis nicht zwingend den besseren Versicherungsschutz bedeutet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Scharfer Wettbewerb: Verivox: Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück“ (27.10.2026)
Der Beitrag bestätige den moderaten durchschnittlichen Anstieg und die sinkenden Preise im günstigen Segment. Er setze zusätzlich den Schwerpunkt auf die weiterhin hohen Kosten für Ersatzteile und Reparaturen sowie auf die seit 2022 deutlich gestiegenen Policen.
n-tv: „Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück“ (27.10.2026)
Der Bericht stelle die Unterschiede zwischen Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko heraus und ordne sie in die laufende Wechselsaison ein. Wie der Stern-Beitrag lasse er offen, ob die günstigeren Neukundentarife auf breiter Front auch bei Bestandsverträgen ankommen.
Beide Beiträge stimmten beim Ende der starken Preissprünge für Neukunden und bei der größeren Spreizung zwischen günstigen und mittleren Tarifen überein. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung von Kostenursachen und Tarifdetails; offen bleibe die weitere Entwicklung angesichts weiterhin steigender Reparaturkosten.
