KI-Angriffe auf Betriebe: 17 Prozent melden bestätigte oder vermutete Fälle
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Verband für Sicherheit in der Wirtschaft Nord (VSW Nord) veranstaltet am 22. Oktober 2026 einen ganztägigen Workshop zur operativen Krisenbewältigung. Unter dem Titel „Resilienz in Aktion – Krisenstabsarbeit, OSINT und der Aufbau widerstandsfähiger Ökosysteme“ widmet sich das Fachseminar in Hannover praktischen Schutzkonzepten für Unternehmen.
Die Veranstaltung findet von 10:00 bis 19:00 Uhr in den Räumlichkeiten der Rettungsschule des DRK-Landesverbandes Niedersachsen in der Buchholzer Straße 76 statt. Für Verbandsmitglieder liegt die Teilnahmegebühr bei 69 Euro, externe Teilnehmer zahlen 99 Euro.
Praxistraining für Krisenstäbe und nachrichtendienstliche Recherche
Die inhaltliche Leitung des Workshops übernimmt Fred Keßler von der Mission Dynamics Academy. Zur Eröffnung sprechen Christopher Fredebohm, stellvertretender Vorsitzender des VSW Nord, sowie Vorstandsmitglied Markus Wagemann. Einen Schwerpunkt des Programms bildet der Themenbereich Open-Source-Intelligence (OSINT).
In einer gesonderten Einheit unter der Überschrift „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ vermittelt Philipp Schotzko, Senior Security Intelligence Analyst bei der epp GmbH, Methoden zur gezielten Erhebung und Auswertung öffentlich verfügbarer Datenquellen zur Gefahrenerkennung.
Zunehmende Bedrohungslage für Wirtschaft und Infrastruktur
Das Fortbildungsangebot findet vor dem Hintergrund spürbar gewachsener Sicherheitsrisiken für Wirtschaftsbetriebe statt. So warnte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) jüngst vor zunehmenden russischen Sabotageakten gegen heimische Unternehmen, Lieferketten des Verteidigungssektors und kritische Infrastrukturen, ausgelöst durch eine entsprechende Risikoeinschätzung des Bundesnachrichtendienstes.
Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, erklärte, die Industrie müsse sich auf eine dauerhafte Bedrohung und breitere Angriffsmethoden einstellen.
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Als zentrale Schutzlücke benannte der Verband die Schnittstelle zwischen behördlichen Warnungen und der betrieblichen Umsetzung: Obwohl sich der Austausch mit Sicherheitsbehörden verbessert habe, mangele es an eingespielten Verfahren zur schnellen Einleitung operativer Gegenmaßnahmen.
Wie akut der Handlungsbedarf bei intentionalen Gefahrenlagen eingeschätzt wird, zeigt sich auch auf behördlicher Ebene. In Österreich erproben das Bundesministerium für Inneres und die VERBUND AG vom 13. bis 15. Oktober 2026 den Schutz kritischer Anlagen bei Sabotageakten, Drohnenüberflügen und Cyberangriffen, unter anderem im Rahmen einer Großübung am 15. Oktober in Wien.
Innenminister Gerhard Karner verwies auf die Notwendigkeit stetiger Anpassungen an hybride Gefahren, während VERBUND-Chef Michael Strugl betonte, dass es eine vollständige Sicherheit nicht geben könne.
Nachholbedarf bei betrieblichen Notfallkonzepten
Dass viele Betriebe in ihren internen Abläufen Verwundbarkeiten aufweisen, belegen Erhebungen zur Sicherheitsorganisation. Laut der KI-Sicherheitsstudie 2026 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des TÜV-Verbands verfügen lediglich 11 Prozent der Unternehmen, die Künstliche Intelligenz nutzen oder planen, über dedizierte Abläufe für sicherheitsrelevante Vorfälle in diesem Bereich. 43 Prozent stützen sich auf allgemeine IT-Prozesse, während 25 Prozent keinerlei Regelungen etabliert haben. Zugleich gaben 17 Prozent der befragten Betriebe an, von bestätigten oder mutmaßlichen Angriffen unter Einsatz von KI betroffen gewesen zu sein.
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Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugen steigende Cyberangriffszahlen im Mittelstand sowie neue gesetzliche Vorgaben. Nach Daten der Transferstelle Cybersicherheit stiegen die Ransomware-Angriffe auf deutsche KMU in den vergangenen Jahren kontinuierlich an, mit einer für 2026 prognostizierten Zunahme um 382 Prozent gegenüber dem Bezugsjahr 2023. Parallel dazu gelten seit dem 11. September 2026 die ersten Meldepflichten des europäischen Cyber Resilience Act (CRA), die Hersteller bei Sicherheitsvorfällen zu strengen Meldefristen innerhalb von 24 bis 72 Stunden verpflichten.
Der Workshop des VSW Nord adressiert vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit, Entscheidungsträger auf vielschichtige Störungsszenarien vorzubereiten.
