KI-Angst, Berufswahl

KI-Angst verändert Berufswahl: 40% der Jungen fürchten Jobverlust

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 10:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Jugendliche sehen Handwerk als zukunftssichere Alternative zu Bürojobs. Investoren fördern massiv den Ausbau der KI-Infrastruktur.

KI-Ära: Handwerk als krisenfester Karriereweg für junge Talente
Junger Handwerker bei der Arbeit in einer hellen, modernen Werkstatt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die zunehmende Präsenz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Arbeitswelt führt zu einer Neubewertung handwerklicher Berufe durch junge Menschen. Laut aktuellen Analysen der A&M Unternehmerberatung GmbH gewinnen Tätigkeiten, die physische Präsenz und handwerkliches Geschick erfordern, an Attraktivität, da sie im Vergleich zu Büroberufen als schwer automatisierbar gelten. Angesichts einer wachsenden Unsicherheit über die Zukunft klassischer "White-Collar"-Jobs rückt das Handwerk als krisenfeste Alternative mit sichtbaren Ergebnissen in den Fokus der Nachwuchsgewinnung.

Steigende Jobunsicherheit bei jungen Erwachsenen

In der Schweiz beginnen in diesem Jahr knapp 70.000 Jugendliche eine Berufslehre. Eine aktuelle Studie von Jobcloud verdeutlicht dabei die psychologische Komponente der Berufswahl: Mehr als 40 Prozent der unter 25-Jährigen äußerten die Befürchtung, ihren zukünftigen Arbeitsplatz aufgrund von KI-Entwicklungen zu verlieren. Trotz dieser Bedenken zeigt sich bei der Wahl der Ausbildungswege eine gewisse Kontinuität. Auf der Plattform Yousty entfielen rund eine Million von insgesamt fünf Millionen Suchanfragen auf die kaufmännische Lehre (KV-Lehre). Experten gehen davon aus, dass grundlegende Veränderungen in diesem Bereich erst in den kommenden Jahren spürbar werden.

Die Skepsis gegenüber akademischen Laufbahnen und reinen Bürotätigkeiten wird durch Daten vom Arbeitsmarkt untermauert. Seit November 2022 verzeichnete der Onlinedienst Indeed einen Rückgang der Stellenausschreibungen um insgesamt 37 Prozent, wobei sich das Angebot in Büroberufen sogar halbiert hat. In den USA liegt die Erwerbslosenquote unter Akademikern im Alter von 22 bis 27 Jahren laut Daten der US-Notenbank Federal Reserve bereits seit 2022 über der allgemeinen Quote. Auch in Deutschland meldet Eurostat eine leicht erhöhte Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 25- bis 29-jährigen Akademiker.

Strategische Investitionen in die handwerkliche Infrastruktur

Große Investmentgesellschaften reagieren bereits auf den Bedarf an Fachkräften für die technologische Transformation. BlackRock und die North America’s Building Trades Unions (NABTU) unterzeichneten Anfang August eine unverbindliche Absichtserklärung (MOU), um über drei Millionen Fachkräfte für den Aufbau der KI-Infrastruktur zu gewinnen. NABTU stellt hierfür 1.900 Ausbildungsstätten zur Verfügung.

Diese Kooperation steht im Kontext massiver Investitionen: BlackRock übernahm kürzlich Aligned Data Centers für einen Betrag von 40 Milliarden US-Dollar und plant, rund 30 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital in die KI-Infrastruktur zu investieren. Über die Initiative Future Builders sollen zudem 100 Millionen US-Dollar bereitgestellt werden, um 50.000 Arbeitskräfte zu qualifizieren.

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Risiken der KI-Nutzung in der Ausbildung

Während KI in der Infrastruktur als Wachstumsmotor gilt, warnen Bildungsforscher vor den Folgen einer unkritischen Nutzung im Lernprozess. Eine großangelegte chinesische Studie mit über 26.000 Schülern der Klassen 7 bis 12 belegt die Ambivalenz der Technologie. Die Nutzung von KI bei benoteten Hausaufgaben verbesserte die Noten zwar um 18 Prozent und verkürzte die Arbeitszeit um 30 Prozent. In Abschlussprüfungen, in denen keine Hilfsmittel erlaubt waren, sanken die Leistungen jedoch um bis zu 24 Prozent. Forscher wie Michael Sailer von der Universität Augsburg warnen in diesem Zusammenhang vor einem "kognitiven Offloading" und fordern eine Anpassung der Prüfungskultur.

Auch im privaten Bereich ist die Technologie bei jungen Menschen bereits fest verankert. In Deutschland nutzen laut aktuellen Erhebungen 84 Prozent der 18- bis 34-Jährigen KI-Chatbots für persönliche Anliegen; 27 Prozent gaben an, sich von der KI besser verstanden zu fühlen als von Mitmenschen. Gleichzeitig bleibt das Bewusstsein für Risiken hoch: 44 Prozent sorgen sich um den Datenschutz, und weniger als die Hälfte der Nutzer verifiziert die von der KI generierten Antworten regelmäßig.

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Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt

In Deutschland bleibt der Fachkräftemangel trotz der neuen Attraktivität des Handwerks eine strukturelle Herausforderung. Der Paritätische Wohlfahrtsverband in Baden-Württemberg wies darauf hin, dass allein im Jahr 2024 über 7.500 junge Menschen im Bundesland die Schule ohne Hauptschulabschluss verließen. Um die Chancen, die sich durch unbesetzte Ausbildungsplätze im Handwerk bieten, effektiv zu nutzen, fordern Verbände stabile Unterstützungsstrukturen für benachteiligte Jugendliche anstelle von befristeten Projektlösungen.

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