KI-Einsatz: 140 Interessenvertreter fordern verbindliche Regeln
Veröffentlicht: 21.06.2026 um 20:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Technologische Entwicklungen wie KĂŒnstliche Intelligenz stellen neue Anforderungen an die Mitbestimmung. Gleichzeitig schĂ€rft die aktuelle Rechtsprechung die formalen Pflichten bei Restrukturierungen. Und massive Stellenstreichungen in der Industrie fordern die Verhandlungskompetenz der Gremien heraus.
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KI-Regeln gefordert: 140 Interessenvertreter machen Druck
In der Betatte um die Digitalisierung der Arbeitswelt fordern Arbeitnehmervertreter klare Leitplanken fĂŒr den Einsatz von KI. Am Samstag sprachen sich mehr als 140 Interessenvertreter der IG Metall Duisburg-Dinslaken fĂŒr verbindliche Regeln aus. Hintergrund sind Studien zu den Auswirkungen der Technologie auf die BeschĂ€ftigung.
Der PwC Global AI Jobs Barometer 2026 zeigt: Betriebe mit einer kombinierten Strategie aus Automatisierung und personeller UnterstĂŒtzung verzeichnen ein Personalwachstum von 52 Prozent. Unternehmen, die ausschlieĂlich auf Automatisierung setzen, kommen nur auf 36 Prozent. Die ProduktivitĂ€t liegt bei der Mischstrategie mit 34 Prozent doppelt so hoch.
Dennoch haben bereits 19 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen Stellen abgebaut, wie Bitkom-Daten zeigen. Das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) prognostiziert, dass bis zu 1,6 Millionen Stellen von der Entwicklung betroffen sein könnten. Der Wegfall von 800.000 ArbeitsplĂ€tzen könnte durch die Entstehung ebenso vieler neuer Stellen kompensiert werden.
Die Relevanz der Technologie ist in der Wirtschaft unumstritten. Laut KPMG messen 98 Prozent der Unternehmen der KI eine groĂe Bedeutung bei. 71 Prozent geben an, dass ihre Erwartungen bereits erfĂŒllt wurden. Eine Jugendstudie zeigt zudem: 53 Prozent der 14- bis 29-JĂ€hrigen erwarten, dass KI einfache TĂ€tigkeiten ersetzen wird.
BAG-Urteile: Neue Regeln fĂŒr Betriebsratsarbeit
Die rechtlichen Rahmenbedingungen wurden durch jĂŒngste Urteile prĂ€zisiert. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied unter dem Aktenzeichen 7 ABR 40/24, dass die isolierte Anfechtung einer Betriebsratswahl zulĂ€ssig ist. Eine Einreichung per E-Mail-Fax mit eingescanntem Unterschriftsblatt ist demnach gĂŒltig.
Das Landesarbeitsgericht Celle stÀrkte zudem die Position einzelner Betriebsratsmitglieder: Laut § 40 Abs. 2 BetrVG haben diese einen Anspruch auf personalisierte E-Mail-Adressen.
Ein wegweisendes Urteil des BAG vom 1. April 2026 (6 AZR 157/22) erhöht den Druck auf Arbeitgeber bei geplanten Stellenstreichungen. KĂŒndigungen sind unwirksam, wenn eine Massenentlassungsanzeige fehlt oder fehlerhaft ist. Dies betrifft insbesondere FĂ€lle, in denen die Anzeige bereits vor Abschluss des Konsultationsverfahrens mit dem Betriebsrat erfolgt. Eine nachtrĂ€gliche Heilung ist laut den Richtern nicht möglich.
Zalando und Volkswagen: Harte Verhandlungen
Die rechtlichen HĂŒrden sind bei aktuellen Restrukturierungsprojekten hochrelevant. Bei Zalando in Erfurt sind die Verhandlungen ĂŒber einen Sozialplan fĂŒr das dortige Logistikzentrum am Samstag gescheitert. BetriebsrĂ€tin Jana Clausen bezeichnete das Angebot des Managements als unangemessen.
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Das Verfahren wird nun in einer Einigungsstelle unter Leitung eines ehemaligen Arbeitsrichters fortgesetzt. Das erste GesprĂ€ch ist fĂŒr Dienstag angesetzt. Von der geplanten SchlieĂung zum 30. September sind rund 2.000 ArbeitsplĂ€tze betroffen.
Auch bei Volkswagen verschĂ€rft sich die Lage. Konzernchef Oliver Blume verteidigte am Sonntag auf der Hauptversammlung den Sparkurs. Bis 2030 sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen, davon 35.000 bei der Kernmarke. Bis Ende 2026 soll die Belegschaft bereits um 19.000 Personen sinken. FĂŒr 28.000 Mitarbeiter wurden bereits freiwillige Austritte vereinbart. Ziel des Konzerns ist eine Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent bis Ende des Jahrzehnts.
Qualifizierung der Gremien rĂŒckt in den Fokus
Angesichts dieser komplexen Aufgaben gewinnt die Qualifizierung von Betriebsratsvorsitzenden an Bedeutung. Von Montag bis Mittwoch bietet die IG Metall in Lohr ein Seminar zur FĂŒhrung und Leitung des Betriebsratsgremiums an. Die Schulung richtet sich an Vorsitzende und deren Stellvertreter.
Herausragende Leistungen in der Betriebsratsarbeit werden im Herbst gewĂŒrdigt. Die Verleihung des Deutschen BetriebsrĂ€te-Preises 2026 ist fĂŒr den 16. September in Berlin geplant. Die Schirmherrschaft hat BĂ€rbel Bas ĂŒbernommen.
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