KI in Bewerbungen: 11 Prozent prüfen automatische Absagen nicht nach
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Stellenbesetzungen erhöht den Druck auf bestehende regulatorische Vorgaben und betriebliche Sicherheitsregeln.
Wie Medienberichte zur Entwicklung der Arbeitswelt hervorheben, gewinnt die genaue Kenntnis von Arbeitnehmerrechten in diesem sich wandelnden Umfeld an Bedeutung. Sowohl auf Seiten der Arbeitssuchenden als auch in den Personalabteilungen verändert der Einsatz algorithmischer Systeme die etablierten Abläufe grundlegend.
Automatisierte Vorauswahl und rechtliche Vorgaben
Ein zentraler Konfliktbereich betrifft den Grad der Automatisierung bei Personalentscheidungen. In einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Censuswide im Auftrag der Plattform Indeed unter 300 Personalentscheidern gaben 42 Prozent der Befragten an, Software oder KI zur Vorauswahl einzusetzen.
Innerhalb dieser Gruppe verzichten elf Prozent darauf, automatisch aussortierte Bewerbungsunterlagen vor dem Versenden einer Absage noch einmal durch Menschen überprüfen zu lassen. Ein solches Vorgehen gilt rechtlich als unzulässig.
Gleichzeitig steigt die Arbeitsbelastung in den Personalabteilungen. In der Erhebung, die nicht repräsentativ für alle deutschen Unternehmen ist, meldeten 56 Prozent mehr Bewerbungen je Stelle als im Vorjahr, während 21 Prozent von einem deutlichen Anstieg sprachen. Durchschnittlich rund jede dritte Bewerbung wird inzwischen als KI-erstellt eingestuft.
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Für die erste Sichtung wenden 35 Prozent der Entscheider höchstens eine Minute auf. Offensichtlich vollständig von KI erstellte Bewerbungen sortieren 41 Prozent der Befragten direkt aus. Zudem halten 54 Prozent das klassische Anschreiben für weniger aussagekräftig, 46 Prozent sehen Formulierungen im Lebenslauf entwertet, 43 Prozent schriftliche Formularantworten und 33 Prozent Testaufgaben.
KI-Avatare und Rechercheverhalten der Kandidaten
Neben der textlichen Vorselektion setzen erste deutsche Unternehmen mittlerweile auf KI-Avatare für Erstgespräche. Diese Technologie ermöglicht es Arbeitgebern, hunderte Bewerber gleichzeitig, rund um die Uhr und mehrsprachig zu interviewen, was Zeit und finanzielle Mittel spart. Allerdings bleibt ungeklärt, inwiefern automatisierte Interviews qualifizierte Kandidaten abschrecken und das Ansehen des Unternehmens beeinträchtigen können.
Auf Bewerberseite ist der Einsatz digitaler Werkzeuge ebenfalls verbreitet. Eine Untersuchung für den deutschen Arbeitsmarkt, an der die Wirtschaftsuniversität Wien, das IMC Krems und die Universität Amsterdam mitwirkten und für die 2.076 Kandidaten befragt wurden, belegt diesen Wandel: 29 Prozent nutzen KI-Tools für die Jobsuche und Arbeitgeberrecherche, weitere 44 Prozent können sich dies vorstellen. In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren liegt der Anteil bereits bei 38 Prozent, wobei für weitere 43 Prozent eine Nutzung infrage kommt.
Dabei bewerten 42 Prozent die Ergebnisse von KI-Recherchen als glaubwürdiger im Vergleich zu herkömmlichen Suchmaschinen und Jobbörsen, während 15 Prozent sie für weniger verlässlich halten.
In den Ausgaben der Systeme fallen 82 Prozent der Befragten Eigenmedien der Arbeitgeber auf, 69 Prozent Bewertungen von Portalen wie kununu sowie jeweils 58 Prozent Presseberichte und Inhalte aus Foren oder sozialen Medien.
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Bei vorliegenden negativen Einschätzungen orientieren sich 76 Prozent an diesen Bewertungen. Bezüglich des Umgangs mit Arbeitgeberbewertungen befürworten 54 Prozent eine Reaktion auf negative Rückmeldungen, 52 Prozent eine Analyse des Feedbacks und 47 Prozent die neutrale Förderung von Bewertungen.
Plattformlösungen und staatliche Kontrollinitiativen
Auch Anbieter von Personalsoftware passen ihre Systeme an das wachsende Volumen an. So stellte Workday Inc. auf der Konferenz Workday Rising in Las Vegas eine Funktion namens Workday Candidate Profile vor, mit der Bewerber ihre Daten zentral verwalten und für Bewerbungen bei Plattformkunden wiederverwenden können.
Nach Angaben des Unternehmens, das eine durchschnittliche Bewerbungsabbruchquote von 60 Prozent angibt, werden rund 80 Prozent der Standardfelder automatisch befüllt. Das System greift nach Unternehmensdarstellung nicht in Rankings oder das Aussortieren ein.
Auf politischer Ebene stehen die Sicherheitsrisiken hochentwickelter KI-Modelle im Fokus. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger verwies darauf, dass Deutschland ein eigenes KI-Sicherheitsinstitut initiiert, um Modelle hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und potenzieller Gefahren zu überprüfen und im internationalen Verbund Zugang zu neuen Systemen zu erhalten.
Zugleich betonte er das Risiko technologischer Abhängigkeiten bei grundlegenden Technologien vor dem Hintergrund internationaler Beteiligungen und hoher Investitionen in Rechenzentren.
