KI-Infrastruktur, Schwarz-Gruppe

KI-Infrastruktur: Schwarz-Gruppe investiert 12 Mrd. Euro in Rechenzentrum

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 20:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Schwarz-Gruppe plant ein Rechenzentrum fĂŒr bis zu 12 Milliarden Euro, wĂ€hrend Bund und Forschung Deutschlands KI-SouverĂ€nitĂ€t stĂ€rken wollen.

Deutschland baut KI-Infrastruktur mit Milliardeninvestitionen aus
Modernes Rechenzentrum in einer lĂ€ndlichen Umgebung mit Windkraftanlagen im Hintergrund bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die strategische Bedeutung Deutschlands als Standort fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (KI) steht derzeit im Zentrum intensiver Debatten zwischen politischen EntscheidungstrĂ€gern und Wirtschaftskanzleien.

Im Fokus der Diskussionen, die am 27. August 2026 gefĂŒhrt wurden, stehen insbesondere die Anforderungen an die rechtliche Beratung sowie der massive Ausbau der notwendigen digitalen Infrastruktur. Ziel ist es, die technologische SouverĂ€nitĂ€t zu sichern und Deutschland im internationalen Wettbewerb zu positionieren.

Schwarz-Gruppe investiert Milliarden in Rechenzentrum

Ein zentraler Baustein dieser Infrastrukturoffensive ist das Vorhaben der Schwarz-Gruppe. Das Unternehmen, zu dem die Handelsketten Lidl und Kaufland gehören, plant die Errichtung eines neuen Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock.

FĂŒr die erste Ausbaustufe ist eine Investition von bis zu 12 Mrd. Euro allein fĂŒr die Hardware vorgesehen. Die erforderlichen Baugenehmigungen liegen bereits vor, zudem wurde eine entsprechende Landesförderung zugesagt.

Im Rahmen eines Treffens in Schwerin am 27. August 2026 erörterte MinisterprĂ€sidentin Schwesig mit dem Schwarz-Chef Chrzanowski die Details des Projekts. Das Rechenzentrum soll vollstĂ€ndig mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Zudem ist geplant, die entstehende AbwĂ€rme der Anlage fĂŒr die Stadt Rostock nutzbar zu machen.

Der CEO von Schwarz Digits, MĂŒller, unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die Beherrschung der Infrastruktur die Grundvoraussetzung fĂŒr eine fĂŒhrende Rolle Deutschlands in diesem Sektor sei. Die Gruppe betreibt bereits ein weiteres Rechenzentrum in LĂŒbbenau, in das 11 Mrd. Euro investiert wurden.

Politische Roadmaps und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Flankiert werden diese privaten Investitionen durch staatliche Strategien. Digitalminister Wildberger formulierte das Ziel, die RechenkapazitÀten in Deutschland zu vervierfachen.

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Angesichts der Dominanz der USA und Chinas sieht er realistische Chancen fĂŒr Deutschland in den globalen Top 3 bis 4, wobei der Fokus auf industrieller KI und sogenannten KI-Giga-Factories liegen soll. HierfĂŒr wurden bereits Roadmaps fĂŒr die Bereiche Mikroelektronik, Quantentechnologien und KI veröffentlicht.

Bundeskanzler Merz betonte im Rahmen einer Kabinettsklausur in Neuhardenberg, dass Deutschland zwar nicht zwingend bei der Entwicklung der zugrunde liegenden KI-Modelle fĂŒhrend sein mĂŒsse, jedoch bei deren Anwendung eine Spitzenposition einnehmen mĂŒsse. Bundesfinanzminister Klingbeil forderte eine „KI made in Germany“ und warnte vor einer AbhĂ€ngigkeit von Ideologien großer Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Um die Innovationskraft zu stĂ€rken, plant die Bundesregierung fĂŒr das Jahr 2027 eine Erhöhung der Investitionen in Forschung und Entwicklung um 60 % gegenĂŒber dem Vorjahr. Bereits im Jahr 2025 verzeichnete die Branche eine positive Dynamik mit 3.568 Startup-NeugrĂŒndungen, was einem Zuwachs von 29 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Zudem sollen steuerliche Entlastungen wie die Senkung der Körperschaftsteuer ab 2028 und stabilisierte Netzentgelte die Wirtschaft unterstĂŒtzen. FĂŒr das Jahr 2026 wird mit einer Gesamtersparnis von rund 10 Mrd. Euro gerechnet.

Forschungsstandorte und technologische SouverÀnitÀt

Auch die wissenschaftliche Infrastruktur wird gezielt ausgebaut. Das Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung (BMBF) fördert drei Projekte der Leibniz-Gemeinschaft mit insgesamt 14,9 Mio. Euro. Die Mittel fließen in Standorte in Halle fĂŒr Pflanzenbiochemie, in eine GPU-Recheninfrastruktur in Dortmund sowie in die Materialwissenschaften in Berlin.

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Parallel dazu hat ein Wettbewerb um den Sitz des neuen KI-Sicherheitsinstituts begonnen, dessen GrĂŒndung der Nationale Sicherheitsrat bereits am 9. Juni 2026 beschlossen hatte. WĂ€hrend Vertreter der Freien WĂ€hler MĂŒnchen aufgrund der dortigen Forschungslandschaft als idealen Standort sehen, fordern FDP-Politiker eine Ansiedlung in SaarbrĂŒcken, um die dortige Expertise des DFKI und der Max-Planck-Institute zu nutzen.

Die Notwendigkeit einer souverÀnen europÀischen Cloud-Infrastruktur bleibt indes eine zentrale Herausforderung. Aktuell halten US-Anbieter rund 70 % des europÀischen Marktes, wÀhrend europÀische Dienstleister lediglich auf einen Anteil von 5 % kommen.

Marktbeobachter von Gartner gehen jedoch davon aus, dass bis zum Jahr 2029 bereits 50 % der Cloud-KI-Workloads auf souverĂ€nen Modellen laufen werden – im Jahr 2025 lag dieser Anteil noch bei 5 %. Die EU-Kommission prĂŒft zudem im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) die Rolle großer US-Provider als sogenannte Gatekeeper, um Wechselmöglichkeiten und die PortabilitĂ€t von Daten zu verbessern.

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