KI statt Arzt: Jeder vierte Deutsche nutzt Chatbot für Diagnosen
Veröffentlicht: 04.06.2026 um 14:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle „EY AI Sentiment Index 2026“.
Für die Studie wurden 18.000 Menschen weltweit befragt. Knapp ein Viertel der deutschen Teilnehmer gab an, in den vergangenen Monaten KI-Anwendungen anstelle eines Arztbesuchs genutzt zu haben. Rund 20 Prozent setzten die Technologie zur Analyse von Symptomen ein, 14 Prozent suchten Unterstützung für ihre mentale Gesundheit.
International liegen die Nutzungsraten deutlich höher: 62 Prozent weltweit nutzen KI für Gesundheitsfragen. In Deutschland versteht nur jeder Vierte, wie KI überhaupt funktioniert.
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Hohe Nutzung, große Unzufriedenheit
Ein ähnliches Bild zeigt der „AXA-IPSOS Mind Health Report“. Die Studie wurde Anfang des Jahres unter 19.000 Erwachsenen durchgeführt. Demnach nutzen 63 Prozent der Befragten KI-Tools wie ChatGPT für psychische Gesundheit.
Trotz der hohen Nutzungsrate sind 45 Prozent der Anwender unzufrieden mit den Antworten. Überraschend: 38 Prozent vertrauen KI-Systemen mehr als menschlichen Fachkräften. Dabei leidet die Mehrheit: 68 Prozent der Befragten haben leichte Symptome von Angst, Stress oder Depressionen.
Kamera als Pulsmesser
Google Research veröffentlichte Ende Mai Ergebnisse zu einem passiven Herzfrequenz-Monitoring via Smartphone-Kamera. Das System nutzt achtsekündige Videosegmente der Frontkamera zur Pulsmessung.
In einer Validierungsstudie mit über 160.000 Videos lag die Fehlerrate zwischen 5,65 und 6,09 Prozent. Die Signalqualität variierte je nach Hauttyp.
Doppelsensor für Diabetiker
Das Unternehmen Abbott erhielt am 27. Mai die CE-Kennzeichnung für ein duales Sensorsystem. Es misst erstmals kontinuierlich sowohl Glukose- als auch Ketonwerte.
Die Technologie ist für Erwachsene ab 18 Jahren für 15 Tage einsetzbar, für Kinder ab zwei Jahren für zehn Tage. Die Markteinführung in ausgewählten europäischen Ländern ist noch für dieses Jahr geplant.
KI entlastet Pflegekräfte
In Brandenburg testet man den Einsatz von KI in der Pflege. Ministerpräsident Dietmar Woidke informierte sich Anfang Juni über eine sprachgestützte Dokumentationssoftware des Start-ups Voize.
Die Anwendung ist eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts. Sie soll den Zeitaufwand für die Pflegedokumentation um etwa 30 Prozent reduzieren.
App gegen Zahnfleischentzündung
Eine MDR-Studie mit 194 Patienten untersuchte die App „ParoComPas“ für Parodontitis-Betroffene. Die an sieben Universitätskliniken durchgeführte Evaluation zeigte: Moderate Nutzer erzielten signifikante Verbesserungen bei der Mundgesundheit.
Für eine Zulassung als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) ist die Lösung noch nicht reif. Push-Benachrichtigungen erreichten nur einen Bruchteil der Teilnehmer zuverlässig.
Das kommt noch
In Bayern startet im Juni der „Tele-Neugeborenen-Notarztdienst“. 21 Krankenhäuser werden vernetzt, um bei Geburtskomplikationen spezialisierte Hilfe per Telemedizin zuzuschalten.
Der Hersteller Withings bringt am 1. Juli eine neue Körperanalysewaage auf den Markt. Sie erstellt mittels bioelektrischer Impedanzspektroskopie in zehn Sekunden einen detaillierten Scan der Muskel- und Fettverteilung.
Ab 2027 sollen Apotheken verstärkt als erste Anlaufstelle fungieren. Der Masterplan der Abda sieht Blutentnahmen, Impfungen und erweitertes Medikationsmanagement vor.
Am 18. Juni findet ein Fachworkshop der BSA-Akademie und der DHfPG statt. Thema: Integration von KI-Lösungen in die Customer Journey von Fitness- und Gesundheitseinrichtungen.
Die Universität Potsdam treibt unter Prof. Dr. Kevin Dadaczynski Projekte zur spielerischen Gesundheitsförderung voran. Die App „Nebolus“ wird bereits von rund 170 Akteuren genutzt. Neue Projekte wie „Buttrfly“ sollen die digitale Teilhabe an Gesundheitsthemen weiter fördern.
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