KI-Substitution: 54,5% der Unternehmen nutzen bereits Anwendungen
24.06.2026 - 00:39:18 | boerse-global.de
Digitalisierung, KI und Nachhaltigkeit verändern die Anforderungen an Beschäftigte rasant. Während die Hans-Böckler-Stiftung ein Forschungsprojekt zur betrieblichen Transformation startet, warnen Industrievertreter vor den Folgen einer drohenden Deindustrialisierung.
Forschungsprojekt soll Wissenstransfer verbessern
Die Hans-Böckler-Stiftung fördert ein neues Forschungsprojekt zur betrieblichen Transformation. Das bis März 2027 angelegte Vorhaben untersucht, wie sich Wissen aus Bildungsurlauben effektiver in konkrete Praxisprojekte überführen lässt. Ziel ist ein besserer Wissenstransfer, um Veränderungsprozesse in Unternehmen aktiv zu gestalten.
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Industrievertreter schlagen Alarm
Tunnelbau-Pionier Martin Herrenknecht warnte in einem Schreiben an Arbeitsministerin Bärbel Bas vom 22. Juni vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Experten wie Stephan Rodig von der Bildungsfabrik empfehlen Unternehmen, nicht auf politische Weichenstellungen zu warten. Ein wesentlicher Hebel: die gezielte Weiterbildung von Industriemeistern.
Auch der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) befasste sich Anfang Mai auf seiner Delegiertenversammlung in Berlin mit der Zukunft der beruflichen Bildung. Unter der neuen Doppelspitze aus Pascal Koch und Jörg Riemer rückten Fachkräftesicherung, Nachhaltigkeit und die Integration von KI in den Fokus.
KI verändert den Arbeitsmarkt rasant
Der Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt wird durch konkrete Zahlen belegt. Laut einer ifo-Studie vom 22. Juni nutzen bereits 54,5 Prozent der befragten Unternehmen KI-Anwendungen. Rund 19 Prozent der Betriebe halten akademische Fachkräfte durch KI für ersetzbar. Besonders hoch ist dieser Wert im Handel mit 28,6 Prozent und im Dienstleistungssektor mit 19,7 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe (14,6 Prozent) und das Baugewerbe (9,3 Prozent) sehen geringere Substitutionspotenziale.
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Gleichzeitig bleibt der Fachkräftebedarf hoch. Der Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand reißt erhebliche Lücken. Die Arbeitslosenquote unter Akademikern stieg 2025 leicht auf 3,3 Prozent – nach 2,9 Prozent im Vorjahr.
Neurowissenschaftler Henning Beck betonte im WDR-Gespräch am 23. Juni, dass sich der Bildungsbereich grundlegend wandeln müsse. Weg vom Auswendiglernen, hin zu kritischem Denken und praktischer Anwendung. Dass dieser Wandel bereits in Schulen ankommt, belegt das Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung: Die wöchentliche KI-Nutzung durch Lehrkräfte hat sich auf 25 Prozent verdoppelt.
Flexible Wege in den Beruf
Immer mehr Akteure setzen auf Teilqualifizierung (TQ). Ein Aktionstag der IHK Hannover im Juni zeigte das Potenzial dieses Ansatzes. Er ermöglicht, schrittweise einen vollwertigen Berufsabschluss zu erwerben – und reduziert so Abbruchquoten.
Projekte zur Integration internationaler Zielgruppen gewinnen ebenfalls an Bedeutung. An der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) unterstützt das Projekt „CraftTURN" seit Sommer 2025 internationale Studierende beim Übergang in eine duale Ausbildung. Das mit 700.000 Euro vom Bundesministerium geförderte Vorhaben führte bereits über 90 Beratungsgespräche und arbeitet mit mehr als 170 kleinen und mittleren Unternehmen zusammen.
Auch in der Pflege werden neue Wege beschritten. Ein Hamburger Bündnis qualifiziert Pflegekräfte zu sogenannten Weiterbildungslotsen. Das Vorhaben wird durch den Europäischen Sozialfonds gefördert. Im September 2026 startet eine qualifizierungsrunde, die speziell auf die Bedürfnisse gehörloser Beschäftigter zugeschnitten ist.
