KĂŒnstliche Intelligenz, Bewerbungsverfahren

KI verÀndert Bewerbungen: 41 Prozent sortieren Unterlagen aus

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

KI verĂ€ndert Bewerbungen auf beiden Seiten: Mehr Unterlagen treffen auf automatisierte Vorauswahl. FĂŒr Bewerber verlieren klassische Anschreiben an Gewicht, wĂ€hrend Unternehmen ihre Verfahren schneller und stĂ€rker digitalisieren.

Bewerbungen werden inzwischen oft mit Hilfe von KĂŒnstlicher Intelligenz geschrieben - und teilweise sogar entschieden (Symbolbild).  - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Bewerbungen werden inzwischen oft mit Hilfe von KĂŒnstlicher Intelligenz geschrieben - und teilweise sogar entschieden (Symbolbild). - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Mehr Bewerbungen, schnellere Auswahl

  • 56 Prozent der befragten Personalentscheider verzeichnen mehr Bewerbungen je Stelle als vor einem Jahr.
  • Im Durchschnitt wird rund ein Drittel der eingehenden Bewerbungen mit Hilfe von KI erstellt.
  • 42 Prozent nutzen offiziell Software oder KI fĂŒr die Vorauswahl, bei 11 Prozent entfĂ€llt danach die menschliche PrĂŒfung.

Eine Umfrage unter Personalentscheidern von 300 Unternehmen zeigt, wie kĂŒnstliche Intelligenz die Bewertung von Bewerbungen und die Vorauswahl verĂ€ndert.

Anschreiben verlieren an Aussagekraft

Nach Angaben der Jobseite Indeed halten 54 Prozent der Befragten Anschreiben fĂŒr weniger aussagekrĂ€ftig als frĂŒher. Auch Formulierungen im Lebenslauf, schriftliche Antworten in Bewerbungsformularen und zu Hause bearbeitete Testaufgaben bĂŒĂŸten aus Sicht der Personalverantwortlichen an Wert ein.

41 Prozent sortieren Bewerbungen, die offensichtlich vollstÀndig mit KI verfasst wurden, direkt aus. Zugleich schÀtzen die Befragten, dass die Zahl der Bewerbungen pro ausgeschriebener Stelle gestiegen ist; 21 Prozent sprechen von einem deutlichen Anstieg.

Vorauswahl ohne Kontrolle

Viele Personalabteilungen haben nach den Angaben wenig Zeit fĂŒr die erste Sichtung. 35 Prozent der Befragten nehmen sich dafĂŒr höchstens eine Minute. Die technische Vorauswahl soll angesichts wachsender Bewerbungszahlen entlasten.

Bei 11 Prozent der Befragten, die solche Hilfsmittel einsetzen, werden automatisch aussortierte Unterlagen vor einer Absage nicht mehr von einem Menschen geprĂŒft. Dieses Vorgehen ist offiziell verboten.

Begrenzte Aussagekraft der Umfrage

Die Befragung wurde von Censuswide im Auftrag von Indeed unter 300 Personalentscheidern durchgefĂŒhrt. Sie bildet deren EinschĂ€tzungen ab und lĂ€sst sich wegen der begrenzten Teilnehmerzahl nicht ohne Weiteres auf alle deutschen Unternehmen ĂŒbertragen.

Mehr Bewerbungen erhöhen den PrĂŒfungsdruck

Die Umfrage beschreibt einen Kreislauf: KI erleichtert Bewerbern das Erstellen von Unterlagen, dadurch steigt die Zahl der Einsendungen. FĂŒr Unternehmen wĂ€chst damit der Aufwand, aus vielen formal Ă€hnlichen Dokumenten passende Kandidaten herauszufiltern. Dass 35 Prozent der Befragten höchstens eine Minute fĂŒr die erste Sichtung aufwenden, zeigt die enge Taktung solcher Verfahren.

Automatisierung verschiebt die Auswahlkriterien

Wenn Anschreiben und standardisierte Formulierungen an Aussagekraft verlieren, gewinnen andere Signale an Gewicht. Dazu zĂ€hlen nachvollziehbare Berufserfahrung, konkrete Ergebnisse, fachliche Arbeitsproben und die FĂ€higkeit, den eigenen Beitrag im GesprĂ€ch zu erlĂ€utern. FĂŒr Bewerber bedeutet das nicht, auf KI vollstĂ€ndig verzichten zu mĂŒssen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Unterlagen die eigene Qualifikation prĂ€zise und glaubwĂŒrdig abbilden.

Transparenz bleibt entscheidend

Die Nutzung von Software zur Vorauswahl kann Personalabteilungen entlasten, birgt aber Risiken, wenn Bewerbungen ohne menschliche Kontrolle aussortiert werden. Ein automatisches Verfahren kann Muster bevorzugen, die nicht unmittelbar mit beruflicher Eignung zusammenhĂ€ngen, und geeignete Bewerber ĂŒbersehen. Die Ergebnisse der Befragung sind wegen der begrenzten Zahl von 300 Personalentscheidern keine reprĂ€sentative Bestandsaufnahme. Sie zeigen dennoch, dass Bewerber und Unternehmen ihre Auswahlprozesse an eine Arbeitswelt anpassen mĂŒssen, in der KI auf beiden Seiten eingesetzt wird.

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