Kinderkrankentage: Frauen nehmen 73 Prozent in Anspruch
01.06.2026 - 20:01:25 | boerse-global.deFrauen nehmen 73 Prozent aller Kinderkrankentage in Anspruch – Männer nur 27 Prozent. Das belegt eine neue Auswertung der AOK für das Jahr 2025.
Trotz jahrelanger Debatten um gleichberechtigte Sorgearbeit bleibt die Realität in deutschen Familien ernüchternd: Wenn Kinder krank werden, springen überwiegend die Mütter ein. Die Analyse von rund 14,9 Millionen AOK-Versicherten zeigt, dass sich an der ungleichen Verteilung kaum etwas geändert hat.
Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
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Besonders traditionell geht es in Bayern zu: Hier nahmen Väter gerade einmal 23 Prozent der Kinderkrankentage in Anspruch – bundesweit der niedrigste Wert. Sachsen liegt mit 31 Prozent an der Spitze, dicht gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 30 Prozent.
In Mecklenburg-Vorpommern fällt die Bilanz ebenfalls eindeutig aus: 74 Prozent der Tage entfielen auf Mütter, nur 26 Prozent auf Väter. Immerhin: Ein langsamer Wandel zeichnet sich ab. 2015 lag der Männeranteil in dem Bundesland noch bei 22,1 Prozent. Im bundesweiten Durchschnitt dauerte eine krankheitsbedingte Auszeit pro Kind übrigens 2,5 Tage.
Pandemie-Effekt flaut ab
Die Nutzung der Kinderkrankentage geht seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie kontinuierlich zurück. 2025 griffen rund 4,6 Prozent der Anspruchsberechtigten auf das Angebot zurück. Zum Vergleich: 2024 waren es 4,8 Prozent, im Rekordjahr 2022 sogar 5,1 Prozent.
Besonders deutlich wird der Rückgang in Mecklenburg-Vorpommern: Kamen 2022 noch 93 Krankentage auf 100 Versicherte, sank die Zahl 2024 auf 69 und 2025 weiter auf 60 Tage. In Sachsen-Anhalt nutzten 8,7 Prozent der Berechtigten die Leistung – auch hier ein klarer Rückgang gegenüber den Pandemiejahren.
Was das Gesetz vorsieht – und was sich ändern müsste
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Aktuell haben Eltern Anspruch auf 15 Kinderkrankentage pro Jahr und Kind. Alleinerziehende erhalten 30 Tage. Bei mehreren Kindern liegt die Obergrenze bei 35 Tagen pro Elternteil beziehungsweise 70 Tagen fĂĽr Alleinerziehende. Das Kinderkrankengeld erstattet 90 Prozent des Nettoverdienstausfalls, maximal 135,63 Euro pro Tag.
AOK-Vorstandschefin Carola Reimann wünscht sich ein stärkeres Engagement der Väter. Auch Vorstandsmitglied Daniela Teichert fordert eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit.
Die Zahlen lösen Kritik aus. Verbände und Politiker bemängeln die anhaltende Wirkung traditioneller Rollenbilder. Gefordert werden strukturelle Verbesserungen: mehr Kita-Plätze und ein garantiertes Rückkehrrecht auf Vollzeit nach Teilzeitphasen. Ob die Politik diese Reformen anpackt? Das dürfte spannend werden.
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