KlĂ€rwerk-Reform: Pharma soll 80 Prozent der Kosten fĂŒr vierte Reinigungsstufe tragen
Veröffentlicht am: 17.06.2026 um 15:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Zentrum steht die Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) â mit weitreichenden Folgen fĂŒr Pharma- und Kosmetikindustrie sowie Verbraucher.
Bundesgesundheitsministerin fordert praxistaugliche Regeln
Mitte Juni brachte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Debatte in den EPSCO-Rat in Luxemburg. Sie setzte sich fĂŒr eine EU-weit einheitliche und praxistaugliche Umsetzung ein.
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Warken forderte transparente Kostenangaben von Pharmaherstellern. Die neuen Vorgaben dĂŒrften nicht im Widerspruch zum Critical Medicines Act (CMA) stehen. Ihr Ziel: Die Versorgungssicherheit mit kritischen Arzneimitteln nicht durch zusĂ€tzliche Regularien zu gefĂ€hrden.
Pharma-Verband warnt vor Milliardenbelastung
Der Wirtschaftsverband Pharma Deutschland begrĂŒĂte den VorstoĂ der Ministerin â kritisierte die Richtlinie aber scharf. In ihrer aktuellen Form gefĂ€hrde sie den Pharmastandort Deutschland.
Die vierte Reinigungsstufe zur Filterung von ArzneimittelrĂŒckstĂ€nden sei fachlich sinnvoll. Doch die geplante Kostenbeteiligung der Industrie sorgt fĂŒr Widerstand. Nach aktuellen EntwĂŒrfen sollen Pharma- und Kosmetikfirmen mindestens 80 Prozent der Kosten tragen.
Der Verband bezeichnete die Kalkulation als falsch und forderte ein âStop-the-clockâ-Moratorium fĂŒr die nationale Umsetzung. Bau und Betrieb der zusĂ€tzlichen Reinigungsstufen wĂŒrden mehrere Milliarden Euro verschlingen. Als Beispiel dient das Berliner KlĂ€rwerk Ruhleben. Sollte die Industrie die Hauptlast nicht tragen, drohen höhere GebĂŒhren fĂŒr Verbraucher.
WasserqualitĂ€t: 85 Prozent exzellent â aber LĂŒcken bei Schadstoffen
Parallel veröffentlichte die EuropĂ€ische Umweltagentur (EEA) Mitte Juni einen Bericht zur BadegewĂ€sserqualitĂ€t. Rund 85 Prozent der untersuchten Stellen in der EU weisen exzellente Werte auf, 96 Prozent erfĂŒllen die Mindeststandards.
Deutschland belegt mit 90,9 Prozent exzellenter Badestellen Platz sieben im europĂ€ischen Vergleich. Kritiker im Europaparlament merkten an: Schadstoffe wie PFAS oder spezifische ChemikalienrĂŒckstĂ€nde werden in diesen Statistiken bislang nicht umfassend erfasst.
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Alternative: Solar-KlÀranlage aus Hessen
WĂ€hrend die Politik ĂŒber groĂflĂ€chige Infrastruktur debattiert, werden bereits alternative AnsĂ€tze getestet. Im hessischen Lollar lĂ€uft seit Herbst das Forschungsprojekt EnsAK.
Das Bundesforschungsministerium fördert eine solarbetriebene Abwasserbehandlung fĂŒr den Katastrophenfall. Die Anlage reduziert die organische Schmutzfracht um 90 Prozent. Dezentrale Technologien könnten kĂŒnftig die konventionelle Reinigung ergĂ€nzen â vor allem, wenn die Verweildauer des Abwassers deutlich sinkt.
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